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Hochsicherheitstrakt für digitale Daten: Das E-Shelter-Rechenzentrum in Hattersheim.

Eröffnung

Auf dem Weg zur „Digital City“

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Das erste von fünf Rechenzentren im neuen Datencampus von E-Shelter ist fertig. Es könnte eine Sogwirkung haben für weitere IT-Unternehmen, die sich in Hattersheim ansiedeln wollen.

Die „E-Suite“ im Erdgeschoss ist noch leer. Die Klimaversorgung in der 600 Quadratmeter großen schmucklosen Halle mit den weißen Wänden wird gerade getestet. Kabelbündel liegen auf dem Boden, ein leises Brummen ist zu hören, und es hat angenehme 23 Grad.

Die Server-Räume im Stockwerk darüber dürfen die Besucher, die gestern zur Eröffnung des ersten E-Shelter Rechenzentrums in Hattersheim gekommen sind, nicht mehr betreten. Dort werden bereits die Rechner von Kunden eingebaut, die demnächst im Datencampus „Frankfurt 4“ einziehen werden. Es herrschen strenge Sicherheitsvorschriften. Niemand soll wissen, wer in dem großen grauen Gebäude im Gewerbegebiet an der Voltastraße seine digitalen Daten lagert. Versicherungen und Banken seien darunter, Telekommunikationsunternehmen, IT-Firmen und Cloud-Anbieter, sagt Rupprecht Rittweger, der E-Shelter im Jahr 2000 gegründet hat. Das Interesse sei enorm, das Wachstum des Unternehmens ungebremst. Allein am Standort Hattersheim will E-Shelter vier weitere Rechenzentren bauen mit mit insgeamt 24 000 Quadratmetern Fläche und in den nächsten Jahren bis zu 800 Millionen Euro investieren. Das Campus-eigene Umspannwerk hat eine Anschlussleistung von 80 Megawatt und könnte eine 40 000-Einwohner-Stadt wie Hofheim locker mit Strom versorgen.

Zusammen mit dem E-Shelter-Datencampus in Frankfurt-Rödelheim und dem in Rüsselsheim, die jeweils rund 10 Kilometer entfernt liegen, entstehe ein Netzwerk, das es Kunden ermögliche, in der Rhein-Main-Region, nah am weltweit größten Internetknoten De-Cix, zu wachsen und ihren IT-Betrieb auf mehrere Rechenzentrumsstandorte aufzuteilen, sagte Rittweger.

An zwölf Standorten in Europa plant, baut und betreibt E-Shelter Rechenzentren. Im Rhein-Main-Gebiet ist das Unternehmen Marktführer.

Gegründet wurde E-Shelter im Jahr 2000 in Deutschland, mittlerweile ist das Unternehmen an den japanischen Telekommunikationskonzern NTT verkauft.

In Hattersheim investiert E-Shelter bis zu 800 Millionen Euro. Fünf Rechenzentren sowie die Firmenzentrale sind auf dem Datencampus geplant.  

Was E-Shelter bewogen hat, ausgerechnet in Hattersheim seien neuen Datencampus zu bauen und auch die Firmenzentrale von Eschborn in die Mainstadt zu verlegen? Rupprecht Rittweger hat dafür eine pragmatische Erklärung: Nirgendwo anders in der Region sei ein 60 000 Quadratmeter großes Grundstück zu haben gewesen. Bürgermeister und Wirtschaftsförderer hätten sich ins Zeug gelegt. „Die Flexiblität war groß und die Baugenehmigung vom Main-Taunus-Kreis schnell erteilt.“

Klaus Schindling, der seit 2016 Verwaltungschef ist, muss sich erst noch daran gewöhnen, dass Hattersheim, das einst für seine Rosenzucht bekannt war und für die Schokolade aus der Sarotti-Fabrik sei dem Zuzug von E-Shelter in einer Liga spielt mit Städten wie London, Amsterdam, Wien und Zürich. Anfragen nach Gewerbeflächen kämen mittlerweile aus der ganzen Welt, berichtete er gestern. „Das hatten wir noch nie.“

Die Ansiedlung von E-Shelter sei so etwas wie die Initialzündung, um die 20 000 Einwohner-Kommune zur „Digital-City“ zu machen. „Jetzt geht es darum, die Vorzüge von Hattersheim herausstellen: Unsere Lage nah am Flughafen und auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Wiesbaden.“ Auch dass die Anschlüsse für Glasfaseranbieter mittlerweile gelegt sind, sei für die Stadt ein Riesenvorteil, ist E-Shelter-Vertriebschef Volker Ludwig überzeugt. „Danach werden Unternehmen, die kommen wollen, auf jeden Fall fragen.“

Als weiterer Standort für IT-Dienstleister und Rechenzentrumsbetreiber wurde jüngst im Main-Taunus-Kreistag bereits das 137 000 Quadratmeter große Areal der ehemaligen Sanofi-Tierversuchsanstalt im Kastengrund zwischen Hattersheim und Flörsheim-Weilbach genannt, das der Main-Taunus-Kreis für 53 Millionen verkaufen will. Die Frage, ob E-Shelter sich für Flächen dort interessiere, beantwortet Rupprecht Rittweger gestern mit einem vorsichtigen: „Ich glaube nicht.“

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