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Die vier „Holzwürmer“ und ihre Werke

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Weihnachtsdekoration, Teller oder Spielzeug, das Sortiment der „Holzwürmer“ Gerhard Neumann, Edwin Kaufmann, Jürgen Schweska und Hans-Günter Waas (von links) ist vielfältig. kröner
Weihnachtsdekoration, Teller oder Spielzeug, das Sortiment der „Holzwürmer“ Gerhard Neumann, Edwin Kaufmann, Jürgen Schweska und Hans-Günter Waas (von links) ist vielfältig. kröner © sas

Hobby-Schreiner treffen sich dreimal in der Woche in der Altmünstermühle

Hattersheim - Wie wir man zum Holzwurm? Für Gerhard Neumann begann die folgenreiche Verwandlung vor 27 Jahren. Seither bohrt und sägt sich der mittlerweile 89 Jahre alte Marxheimer durch Eiche, Buche und Eibenholz. Gerhard Neumann ist das älteste und langjährigste Mitglied der Hattersheimer „Holzwürmer“, die ihre Werkstatt zuletzt für den Advents-Basar geöffnet hatten.

Dreimal in der Woche werkelt der Senior in der Holzwerkstatt des Seniorenzentrums Altmünstermühle. Alles aus Leidenschaft. Über die Anfragen einiger Interessierter, die wissen wollten, was die „Holzwürmer“ pro Stunde bekommen, kann Neumann nur lachen. „Es gibt hier Spaß und eine soziale Komponente“, erklärt der Marxheimer das Hobby, das er sich momentan mit drei Mitstreitern teilt. Zum Team gehören Edwin Kaufmann, Hans-Günter Waas und Neuzugang Jürgen Schweska.

Er habe über einen Artikel im Höchster Kreisblatt zu den „Holzwürmern“ gefunden, berichtet Schweska. Nach einer Probestunde vor einem Vierteljahr sei er dabei geblieben. Bei Gerhard Neumann liegt der Probebesuch bereits mehrere Jahrzehnte zurück. Dass er die Freude an der Holzbearbeitung entdeckte, sei reiner Zufall gewesen, erzählt der Marxheimer. Er sei im Skiurlaub mit einem damaligen Mitglied der Gruppe ins Gespräch gekommen. Auslöser war ein selbstgefertigter Nussknacker, den der Bekannte mitgebracht hatte. Neumann berichtet, er sei fasziniert gewesen, obwohl er bis dahin mit Holz nichts zu tun hatte. Bis zum Ruhestand arbeitete er als Anwendungstechniker in der früheren Hoechst AG. Die Holzbearbeitung habe er erst in der Altmünstermühle kennen und lieben gelernt. Das erste Stück, dass er selbst anfertigte, sei übrigens ein Nistkasten gewesen. Seither hat seine Liebe für das lebendige Material nicht abgenommen.

Jedes Holz spricht für sich

Wenn Gerhard Neumann die verschiedenen Produkte vorstellt, die beim Adventsbasar zum Verkauf standen, spricht er mit großer Leidenschaft. Fast zärtlich streicht er mit den Fingern über einen Holzlöffel. „Das ist Kirsche“, schwärmt er von dem dunklen Material. Kurz darauf wiegt der 89-Jährige ein filigran ausgesägtes Kätzchen in der Hand.

„Jedes Holz spricht für sich“, kommentiert er die einzigartige Maserung. Gleichzeitig lege er großen Wert auf die Verarbeitungsqualität. „Es muss edel sein und darf nicht kratzen oder schneiden“, so der Hobbyschreiner.

Auf vier Tischen präsentierten die „Holzwürmer“ am Wochenende die Ergebnisse ihrer Arbeit. Weihnachtsbäume, Krippen, Kerzenständer, Nussknacker und kleine Kreisel lagen dort ausgebreitet. Dazwischen viele weitere handgefertigte Produkte, die der Besucher erst beim genaueren Hinschauen entdeckte. Dass Holz mittlerweile deutlich teuerer geworden ist, bekommen die vier Handwerker in ihrer Werkstatt nur am Rande zu spüren. „Der Preis ist auf das drei- bis vierfache gestiegen“, sagt Edwin Kaufmann. Allerdings muss die Gruppe das Ausgangsmaterial nur in seltenen Fällen einkaufen. „Wir haben gute Beziehungen zu verschiedenen Schreinern, die uns mit Resten aushelfen“, erklärt Gerhard Neumann. Auch auf dem Sperrmüll finde sich viel brauchbares Material. Nur falls größere Platten gebraucht werden, müsse die Gruppe manchmal Holz nachkaufen.

Die kreativen Handwerker treffen sich immer montags, mittwochs und donnerstags in der Werkstatt der Altmünstermühle. Gerhard Neumann hofft, dass er dem Hobby auch künftig noch genauso begeistert nachgehen kann. „Dass ich so alt geworden bin, verdanke ich dem Holz“, glaubt der 89-Jährige.

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