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Deutschlands digitalstes Gebäude

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Überblick über das künftige Innovationsquartier: An den Gleisen entstehen der neue Hauptsitz von GMS (links) sowie ein modernes Innovationsgebäude, dahinter ein Wohnquartier mit begrünten Freiflächen.
Überblick über das künftige Innovationsquartier: An den Gleisen entstehen der neue Hauptsitz von GMS (links) sowie ein modernes Innovationsgebäude, dahinter ein Wohnquartier mit begrünten Freiflächen. © skr

Hattersheim Ein modernes Wohn- und Gewerbezentrum ersetzt Grußkartenproduktion

Die Vergangenheit des Grundstücks an der Ecke Schulstraße/Lindenstraße könnte kaum weniger digital sein. Auf der Gewerbefläche in unmittelbarer Nähe zur Bahnlinie produzierte das Unternehmen Horn über viele Jahre erfolgreich Grußkarten - den absoluten Inbegriff der analogen Kommunikation. Die Entwicklung des Areals soll nun jedoch genau in die andere Richtung gehen.

Wer in einigen Jahren mit dem Zug an Hattersheim vorbeifahre, der blicke auf das digitalste Gebäude Deutschlands, erklärte Alexander Schwarz, Hattersheims Wirtschaftsförderer und Vorsitzender des Vereins Taunus Innovation Campus. Unter den Zuhörern war die hessische Digitalministerin Dr. Kristina Sinemus (CDU), die sich das Hattersheimer Großprojekt gestern bei ihrer Sommerreise vorstellen ließ.

Beim Rundgang zwischen den alten Hallen und Laderampen des Grußkartenherstellers war noch Fantasie gefragt, um sich die Zukunftsvisionen vor Augen zu rufen. Denn glaubt man den Plänen der Investoren, dann wird das rund 16 000 Quadratmeter umfassende Gelände künftig kaum wiederzuerkennen sein.

Bebauungsplan auf den Weg gebracht

Auf dem Areal, das sich seit 2018 im Besitz der Frankfurt Invest GmbH befindet, soll ein "Innovationsquartier" entstehen, das drei Elemente umfasst: Ein innovatives Wohn- und Gewerbegebäude, den Firmensitz des Medien-Dienstleisters Global Media Services (GMS) sowie ein modernes Wohnquartier. Die Stadtverordneten haben den Bebauungsplan da bereits auf den Weg gebracht.

GMS plant, das digitalste Gebäude Deutschlands neben den Hattersheimer Bahnhof zu stellen. Geschäftsführer Tobias Enders erläuterte, dass die Experten für smarte Gebäude und Medientechnik ihren Hauptsitz von Schwalbach nach Hattersheim verlegen. Dabei soll die Firmenzentrale zum Vorzeigeobjekt werden. Als Beispiele nannte der GMS-Chef einen digitalen Empfang im Eingangsbereich, digitale Schließfächer und Versammlungsräume, die digital gebucht werden können. Auf die Nachfrage der Digitalministerin, wie es mit der Energieeffizienz aussieht, erläuterte der Geschäftsführer, dass die Gebäudetechnik ermittele, wie viele Mitarbeiter angemeldet sind, und die Energieversorgung entsprechend anpasse. Das Thema Digitalisierung befinde sich auf dem Vormarsch und sei durch die Pandemie noch befeuert worden, so Enders.

Barbara Gries und Karsten Heuser vom Architekturbüro Homann stellten die Pläne für den durchaus futuristisch aussehenden Wohn- und Gewerbebau an der Lindenstraße vor. Als Basis für die unteren Stockwerke dienen die bestehenden Räume der Firma Horn, die entkernt und neu eingerichtet werden. Es ist eine künftige Nutzung als Bürofläche vorgesehen.

Auf den Bestand wollen die Architekten eine Holzkonstruktion setzen, in der sich mehrere Eigentums- und Mietwohnungen mit begrünten Balkonen befinden. Darüber ist ein großes Gewächshaus geplant, das öffentlich zugänglich sein soll. Vom Dach des Gewächshauses recken sich mehrere weiße Säulen in den Himmel. Es handelt sich um Windkraftanlagen, die durch Rotation Energie erzeugen.

Als drittes Element des Quartiers erstreckt sich eine Wohnsiedlung zwischen GMS-Zentrale und Schulstraße. Das Projekt trägt den Namen "Ninetynine", weil sich 99 Wohneinheiten auf drei Baukörpern verteilen. Die Gebäudehöhen nehmen von der Straße in Richtung Bahnhof zu. Amun Dere vom Bauträger Krieger und Schramm berichtete, dass Freiflächen als "grüne Inseln" vorgesehen seien.

Auf den Dächern der Gebäude sollen außerdem Hochbeete zum "Urban Gardening" einladen. Darüber hinaus wird es Fassaden mit Photovoltaik-Anlagen geben, die unter anderem Ladestationen für Elektrofahrzeuge mit Energie versorgen. Die smarten Wohnungen sollen Möglichkeiten zur digitalen Steuerung verschiedener Funktionen wie Licht, Klimaanlage oder Jalousien bieten. Bewohner können frei entscheiden, welche Steuerung sie für ihre Räume buchen. In der Tiefgarage sind Stellplätze für 104 Autos und 250 Fahrräder vorgesehen.

Ministerin Sinemus lobte die Pläne als "hervorragende Kombination". Digitalisierung müsse den Menschen dienen.

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