Der beschädigte Baum im Rosarium hat jetzt einen Wundverband. Ob er überlebt, ist unklar.
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Der beschädigte Baum im Rosarium hat jetzt einen Wundverband. Ob er überlebt, ist unklar.

Hattersheim

Baumfrevel im Hattersheimer Rosarium

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Unbekannte lassen im Rosarium in  Hattersheim ihrer Zerstörungswut freien Lauf. Die Regionaparkgesellschaft kündigt jetzt eine Videoüberwachung an.

Der Blauglockenbaum mit der ausladenden Krone ist so alt wie das Rosarium selbst. „Wir haben ihn 1997 zur Eröffnung gepflanzt“, erinnert sich Peter Schmitz, der den Hattersheimer Rosenpark als Landschaftsarchitekt für die Regionalpark-Rhein-Main-Pilot-Gesellschaft betreut. Nun ist unklar, ob der Blauglockenbaum diesen Sommer übersteht. Unbekannte haben sich vor einigen Wochen am Stamm zu schaffen gemacht und einen Gutteil der Rinde abgeschält.

Auf Anraten von Experten habe man eine Bandage aus Müllsäcken um die verletzte Stelle gelegt, damit die „Wunde“ nicht austrockne, berichtet Peter Schmitz. Der Baum habe so die Chance, eine Ersatzrinde zu bilden und die Leitungsbahnen, die Wasser und Nährstoffe transportierten, wiederherzustellen. „Ob es funktioniert, werden wir wohl erst im kommenden Jahr wissen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Unbekannte im Rosarium ihrer Zerstörungswut freien Lauf lassen. Immer wieder würden Abfallkörbe von den Sockeln getreten und Bänke so verbogen, dass man nicht mehr darauf sitzen könne, sagt Schmitz. Die Mauer, die das Rosarium nach Westen hin abgrenze, sei mit Graffiti beschmiert. Müll werde in Rasenflächen und zwischen Büschen verstreut. Für die Beseitigung der Schäden müssten jedes Jahr Tausende Euro ausgegeben werden.

Rosarium

Der 1,3 Hektar große Rosengarten wurde 1997 eröffnet und liegt im Stadtteil Okriftel zwischen Regionalparkweg und Wasserwerkchaussee.

Der Standort erinnert an die 100 Jahre alte Tradition des Rosenanbaus in Hattersheim. In den 1970er Jahren wurden auf einer Fläche von der Größe von 75 Fußballfeldern Rosen kultiviert. Heute gibt es keinen Rosenproduzenten mehr in der Stadt.

Wer sich als Pate ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich an die Freunde des Rosariums wenden unter rosenpaten@gmx.de. aro

Dem vorwiegend abends und nachts stattfindenden Treiben soll jetzt Einhalt geboten werden. Auf einem Schild kündigt die Regionalpark-Pilot-Gesellschaft die Videoüberwachung des Rosariums an. Für die Ergreifung der Täter, die den Blauglockenbaum schwer beschädigt haben, ist eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt. Außerdem wurde bei der Polizei Anzeige erstattet.

Empört über den Vandalismus ist auch Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling (CDU). Er habe angeordnet, dass die städtische Ordnungspolizei die Kontrollen rund um den Rosenpark verstärke, sagte er der FR. „Wir dürfen nicht tolerieren, dass aus Langeweile oder reiner Zerstörungswut Baumfrevel betrieben oder die Parkmöblierung demoliert wird.“ Spaziergänger ruft der Verwaltungschef dazu auf, „ein wachsames Auge“ auf die Geschehnisse im Rosarium zu haben und verdächtige Beobachtungen im Rathaus zu melden.

Die Regionalparkgesellschaft gibt pro Jahr rund 80 000 Euro für die Pflege des Rosariums aus. Unterstützt werden die professionellen Gärtner von ehrenamtlichen Rosenpaten, die zwei Dutzend Beete unentgeltlich pflegen.

Tausende Rosen blühen auch in diesem Sommer wieder zwischen Kieswegen und Wasserbecken im Rosarium. Seltene Duft-rosen sind darunter, Damaszenerrosen sowie ein paar wenige Exemplare der alten Hattersheimer Rosenzüchtungen „Wilhelm Kauth“ und „Gretel Greul“, die aus den 1930er Jahren stammen.

Eine große Holzpyramide steht am Eingang zum Rosarium. Weil die Balken morsch geworden seien, werde das Bauwerk in diesem Sommer durch eine 65 000 Euro teure Stahlkonstruktion ersetzt, kündigte Schmitz im Gespräch mit der FR an. Die Regionalpark-Pilot-Gesellschaft übernehme die Kosten.

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