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Azubis wieder gefragt

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Gerade im Handwerk werden Auszubildende gesucht

Hattersheim - Wie soll es nach dem Schulabschluss weitergehen? Diese Frage beschäftigte gestern rund 250 Schüler der Heinrich-Böll-Schule. Für die Realschülerinnen Lara und Beatrice stand zumindest fest, dass ihr künftiger Job etwas mit Technik oder Baugewerbe zu tun haben soll. Eine Bürotätigkeit, bei der man den ganzen Tag am Computer sitzt, reizte die Mädchen nicht. „Zehn Jahre in der Schule zu sitzen reicht“, fand Lara. In der Hattersheimer Stadthalle informierte sich das Duo unter anderem am Stand des Industrie-Ausbilders Provadis.

Individuelle Interessen

So wie Lara und Beatrice gingen viele andere Schülerinnen und Schüler ihren individuelle Interessen nach. Mit Zettel und Stift zogen die jungen Besucher der zweiten Hattersheimer Berufsmesse durch die Stadthalle, wo rund 30 Unternehmen aus Hattersheim und Umgebung ihre Stände hatten. Die Vertreter der Betriebe waren an diesem Tag nur für die Jugendlichen da. Die Hattersheimer Stabsstelle für Wirtschaftsförderung richtete die Veranstaltung in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Schule aus.

Aufgrund von Corona sei es zuletzt schwieriger gewesen, mit Auszubildenden in Kontakt zu treten, erklärte Vanessa Weindel vom Provadis-Hochschulvertrieb. Weil es in den vergangenen Jahren keine Messen gab, habe das Unternehmen stärker auf Werbung in Sozialen Medien gesetzt. Der Kontakt zu Interessierten habe sich oft telefonisch oder per E-Mail ergeben. Online-Veranstaltungen seien derzeit immer noch gefragt. Iliana Liontou vom Chemieunternehmen Kuraray stellte während der Berufsmesse fest, dass viele Schüler zunächst noch die Tendenz hätten, Abstand zu halten. „Man versucht in die Normalität zurückzukommen“, erklärte Liontou. Die gegenwärtigen Krisen seien leicht spürbar - aber nicht in dem Ausmaß, dass dadurch Arbeitsbereiche im Betrieb wegfallen. „Wir brauchen neue Auszubildende, weil die Baby-Bommer-Generation jetzt in Rente geht“, so Liontou.

Sprühkopfhersteller Precision nutzte die Berufsmesse, um erstmals seit langer Zeit um Auszubildende zu werben. „Da unsere Belegschaft älter wird, müssen wir das angehen“, erklärte Mitarbeiterin Katja Wiedemann. Die direkte Ansprache sei immer noch der beste Weg, um junge Leute zu begeistern. Handwerkliche Berufe seien momentan weniger gefragt, räumte Produktionsleiter Tobias Uhlig ein. „Der Markt ist leer gefegt“, sagte er. Das Unternehmen spüre auch die momentanen Krisen. Kunststoff sei schwieriger zu bekommen, erklärte Uhlig. Und die energieintensive Produktion treibe die Kosten in die Höhe.

Die Stadt war nicht nur Ausrichter,, sondern auch Teilnehmer der Berufsmesse. Gleich im Eingangsbereich der Stadthalle hatte die Kommune einen Bereich eingerichtet, der an eine Kita-Gruppe erinnerte. Hauptziel der Verwaltung war es nämlich, neue Erzieherinnen und Erzieher anzuwerben. „Erzieherinnen fehlen immer“, erklärte Svenja Colak, Leiterin des Referats für Kinderbetreuung und Familien. Angesichts des Fachkräftemangels setze die Stadt sehr stark auf Nachwuchs durch eigene Ausbildung. Während der Corona-Pandemie hätten es die Einschränkungen in den Einrichtungen erschwert, Auszubildende zu beschäftigen. Dies sei mittlerweile wieder entspannter.

Corona war auch schuld daran, dass nach der ersten Hattersheimer Berufsmesse im Jahr 2019 eine lange Pause folgte. Die Auftaktveranstaltung hatte im Ganztagsgebäude der Heinrich-Böll-Schule stattgefunden. Nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten stand nun die Stadthalle für die Fortsetzung zur Verfügung.

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