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Aufnahmestopp bei der Tafel

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Zahl der Bedürftigen ist in den letzten Wochen erheblich gestiegen

Hattersheim - Kurz vor Jahresende ziehen die Verantwortlichen der Hattersheimer-Hofheimer-Tafel die Reißleine. Die Auslastung des Unterstützungsangebotes sei schon seit einiger Zeit am Anschlag, berichtet Einrichtungsleiter Markus Barthel. „Wir reagieren momentan nur auf das, was auf uns einprasselt“, sagt der Chef der Tafel, die unter dem Dach der Caritas Main-Taunus operiert.

Zuletzt zählten die Helfer 120 Abholer bei der Lebensmittelausgabe in Hattersheim sowie 140 Abholer in Hofheim. Eigentlich seien die Ausgabestellen bereits mit 100 Personen voll ausgelastet, erklärt Barthel. Die Ausgabezeiten könnten auch nicht verlängert werden, weil der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer bereits am Limit sei. Die Ausgabe der Lebensmittel und die damit verbundene Logistik seien eine große Herausforderung für die Mitarbeitenden geworden. Vor diesem Hintergrund haben die Verantwortlichen beschlossen, vorerst keine neuen Kunden aufzunehmen.

„Wir tun unser Möglichstes in dieser Situation, um dem Auftrag der Tafel gerecht zu werden. Jedoch müssen wir aufgrund von Personalmangel und dem anstehenden Weihnachtsgeschäft Neuaufnahmen und Verlängerungen im November und Dezember ruhen lassen“, so Markus Barthel. Die Nachfrage sei weiterhin hoch, erklärt der Einrichtungsleiter auf Nachfrage dieser Zeitung. Zuletzt seien 15 neue Kunden in Hofheim aufgenommen worden. Ab sofort bittet das Team Bedürftige, vorübergehend auf einen Antrag zu verzichten und Neuaufnahmen erst ab Januar abzuschließen. Der enorme Druck auf die Hattersheimer-Hofheimer-Tafel steht auch in Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Zum einen sorgen Folgen wie Inflation und Energiekrise dafür, dass bei vielen Menschen das Geld knapp wird. Zum anderen haben sich viele ukrainische Flüchtlinge bei der Tafel angemeldet.

Schon seit April sei der Andrang besonders hoch, erläutert Markus Barthel. Bei 336 von derzeit 520 gemeldeten Bedarfsgemeinschaften handele es sich um Menschen aus der Ukraine. Nicht nur die hohe Anzahl mache den rund 100 Mitarbeitern der Tafel zu schaffen. Sprachliche Barrieren seien eine weitere Herausforderung.

Und was hat die erhöhte Auslastung der Tafel mit dem Weihnachtsgeschäft zu tun? Das Jahresende sei erfahrungsgemäß die Phase, in der die Nachfrage bei der Tafel ansteige, so Barthel. Vielen Kunden sei bewusst, dass in dieser Zeit besondere Artikel verteilt werden. Deshalb nehme die Zahl der Abholer vor Weihnachten zu. Hinzu kommt eine Weihnachtsgeschenke-Aktion. Weil unter den gemeldeten Bedarfsgemeinschaften viele Kinder sind, packe die Tafel jedes Jahr Geschenke.

Die Verlängerung der Abholscheine bis Januar zu verschieben, sei für die Kunden unproblematisch, sagt Barthel. Die Betroffenen könnten weiterhin Waren abholen. Der Tafelchef betont, dass sich Menschen in Notfällen telefonisch an ihn wenden können unter 0 61 90 / 9 34 18 65.

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