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Der Hattersheimer Brandstifter kommt zwei Jahre in Haft. Wie das Frankfurter Amtsgericht dem Mann auf die Schliche kam.

Urteil des Frankfurter Amtsgerichts

900.000 Euro Schaden und psychisch gestört - Brandstifter kommt zwei Jahre in Haft

Der Hattersheimer Brandstifter kommt zwei Jahre in Haft. Wie das Frankfurter Amtsgericht dem Mann auf die Schliche kam.

Hattersheim - In Windeseile breitete sich im September vergangenen Jahres der Brand eines Wohnmobils in der Straße "Im Lerchenfeld" auf die benachbarten Wohngebäude aus. Zwei der Flachdachhäuser brannten bis auf die Grundmauern nieder, wobei ein Ehepaar das Feuer praktisch auf sich zukommen sah. Drei weitere Häuser wurden durch Rauchentwicklung und Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen. Noch heute rechnen die Feuerversicherungen am Schaden - die Staatsanwaltschaft geht von mindestens 900.000 Euro aus.

Hattersheimer Brandstifter vor Gericht

Gestern beschäftigte sich das Frankfurter Amtsgericht in einer mehrstündigen Beweisaufnahme mit dem spektakulären Fall. Auf der Anklagebank saß ein 47 Jahre alter Hattersheimer, der für die Frankfurter Justiz ein alter Bekannter ist und bei der Polizei im Ruf steht, schon einiges abgefackelt zu haben. Nur: Bei all den anderen Feuern gab es keine handfesten Beweise auf die Täterschaft. Außer beim Brand im Lerchenfeld hatte die Polizei mit der Aufzeichnung einer Überwachungskamera an einem der Häuser ein schwerwiegendes Indiz in Händen. 

Hattersheimer Brandstifter per Video aufgezeichnet

Auf dem Film war nämlich der Angeklagte zu sehen, wie er in der Nähe der Feuersbrunst unterwegs war. Dies reichte zunächst zur Anklage gegen den Gelegenheitsarbeiter und am Ende auch zu dessen Verurteilung. Sollte die Entscheidung rechtskräftig werden, müsste er für zwei Jahre und zwei Monate in Haft - seine Aussichten auf einen Minijob in einer Gärtnerei wären damit obsolet.

Vor Gericht hatte er zum Vorwurf geschwiegen, offenbar in der Hoffnung, er würde in dem Videofilm nicht zweifelsfrei identifiziert werden können. Und so forderte auch sein Verteidiger einen Freispruch, weil die vorliegenden Indizien einfach nicht ausreichten.

Amtsrichter Michael Demel aber machte nicht viel Aufhebens und verurteilte den Mann, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert. Zuvor war er indessen ganz tief ins Gerichtsarchiv herabgestiegen. Als eine der ersten der insgesamt 24 Verurteilungen des Angeklagten kam ein Urteil aus dem Jahr 1988 zur Verlesung. Damals war der noch Minderjährige für eine ganze Serie von Bränden verantwortlich. 

Vor allem in seinem Heimatort Kriftel brannten Lagerhallen und Müllcontainer praktisch täglich und der Schaden belief sich damals bereits auf einen sechsstelligen Betrag. Seinerzeit wurde der Mann bereits in der Psychiatrie untergebracht und auch die folgenden Straftaten gingen immer wieder mit den psychischen Schwierigkeiten einher. 

Brandstifter zerstörter Bungalows im Lerchenfeld

Im aktuellen Urteil wurde auch der starken Belastungen der Hausbesitzer gedacht, die nicht nur die eigene Bleibe, sondern auch vieles Persönliche verloren hatten, "was die Versicherung nicht ersetzen kann", wie die Staatsanwältin betonte.

Mehrere Bungalows in der Straße "Im Lerchenfeld" waren nach einem Brand für einige Zeit nicht mehr bewohnbar. Das Feuer hatte sich nach einer Brandstiftung an einem Wohnmobil auf die Häuser ausgebreitet.

Von Matthias Gerhart

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