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Ferdinand Schlereth darf seine Häuser nicht mehr zu Wohnzwecken vermieten.

Wohnen

Alle Mieter in Hattersheim müssen raus

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Das Kreisbauamt duldet kein Wohnen im Hattersheimer Gewerbegebiet Ost mehr.  

Ferdinand Schlereth versteht die Welt nicht mehr. Seit Jahrzehnten vermietet er Wohnungen in seinen beiden Häusern im Hattersheimer Gewerbegebiet Ost. Auch wenn die Lage zwischen Spedition, Autowerkstätten und einem Schrottplatz nicht gerade ansprechend ist: „Ich hatte nie Probleme, Mieter zu finden“, erzählt der 82-Jährige. „Es gibt ja überall in der Region Wohnungsnot.“

Vor knapp einem Jahr erhielt Ferdinand Schlereth ein Schreiben vom Kreisbauamt, in dem er aufgefordert wurde, allen Mietern zu kündigen. Das Wohnen im Gewerbegebiet sei nicht zulässig, teilte ihm das Amt mit und kündigte Zwangsmittel an, sollte Schlereth der Aufforderung nicht nachkommen. Warum der Main-Taunus-Kreis just zu diesem Zeitpunkt die Räumung der elf Wohnungen von ihm verlangte, weiß Schlereth bis heute nicht.

Schon als er sich in den 1960er Jahren als Malermeister mit seinem Betrieb in der Straße An der Roos niederließ, waren um ihn herum Gewerbebetriebe angesiedelt. Der damalige Hattersheimer Bürgermeister Norbert Winterstein habe ihm zugesichert, dass er Wohnungen nicht nur an Bedienstete sondern auch anderweitig vermieten dürfe, sagt Ferdinand Schlereth und zeigt das Schreiben aus dem Jahr 1968. Gewerbegebiet war das Areal auch, als Schlereth Anfang der 1980er Jahre ein zweites Wohnhaus errichtete. „Ich habe mich immer darauf verlassen, dass das so in Ordnung ist. Und ich habe im Laufe der Jahre viel Geld investiert“, sagt der Hattersheimer.

2004 hat Ferdinand Schlereth seinen Malerbetrieb aus Altersgründen aufgegeben. Die Vermietung der Wohnungen sei ein Teil seiner Altersvorsorge, sagt er. „Für mich ist das jetzt wie eine Enteignung.“ Hilfesuchend wandte er sich an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), bat um „Duldung der Wohnungsvermietungen bis zu meinem Ableben“.

Antwort bekam er vom Chef der Hessischen Staatskanzlei Axel Wintermeyer (CDU), der ihm die Rechtslage erläuterte und sein Bedauern ausdrückte, dass er nicht weiterhelfen könne. Immerhin sei Schlereth per öffentlich-rechtlichem Vertrag das lebenslange Wohnrecht im Gewerbegebiet zugesichert worden. Für den 82-Jährige ändert das wenig. Er werde die Häuser ohne Mieter nicht weiter halten können, sagt er. Bis auf eine Familie seien bereits alle ausgezogen.

Das Areal zwischen Südring und Bundesstraße B 43 sei nun mal kein Mischgebiet sondern von jeher Gewerbegebiet, erläuterte Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) im Gespräch mit der FR. Auch der 2013 neu beschlossene Bebauungsplan habe daran nichts geändert.

Das Schreiben des Gemeindevorstandes aus den 1960er Jahren hält Schindling für rechtswidrig. „Als Bürgermeister kann ich so eine Zusicherung nicht geben. Da können die Mieter dagegen vorgehen, weil sie der Lärm der Gewerbebetriebe stört und die Gewerbetreibenden, weil sie Einschränkungen für ihr Arbeit befürchten.“

Sowohl beim Kreisbauamt als auch im Rathaus ist bekannt: Es vermieten noch mehr Hauseigentümer Wohnungen im Gewerbegebiet Ost. Auch gegen sie werde jetzt wegen illegaler Nutzung der Objekte vorgegangen, sagte Kreissprecher Johannes Latsch der FR.

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