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Ein HR-Bericht brachte Birgit und Frank Wingerter (hinten rechts) auf die Spur von Stefan Tetzlaff.
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Ein HR-Bericht brachte Birgit und Frank Wingerter (hinten rechts) auf die Spur von Stefan Tetzlaff.

Obdachlose Frankfurter Flughafen

Tom Hanks des Frankfurter Flughafens

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Er ist als Tom Hanks des Frankfurter Flughafens bezeichnet worden. Stefan Tetzlaff hat als Obdachloser im Frankfurter Flughafen gelebt. Ein Diedenbergener Unternehmer hat ihm geholfen, ihm einen Job und eine eigene Wohnung verschafft.

Heiligabend vor einem Jahr hat Stefan Tetzlaff auf dem Frankfurter Flughafen verbracht. Und das Jahr davor auch. „Man trifft sich dann mit anderen Obdachlosen, trinkt ein Bierchen und hofft, dass der Tag möglichst schnell rumgeht“, sagt der Mann, der seit Mitte 2012 im Terminal I des Airports gelebt hat.

Abflughalle B sei in dieser Zeit sein „Zuhause“ gewesen, erzählt er. Dort wo jeden Montag tausende Bürger gegen Fluglärm demonstrieren, sammelte der 47-Jährige Flaschen, um sich für ein paar Euro am Tag im Supermarkt Essen kaufen zu können. „Man ist ständig im Stress, es ist hell und laut, die Polizei kontrolliert. Aber unter den vielen Touristen fällt man nicht groß auf“, erzählt er.

Stefan Tetzlaff wusch sich auf der Flughafentoilette, schlief auf den Sesseln, in denen Reisende auf ihren Abflug warten, holte sich hin und wieder in der Frankfurter Kleiderkammer Klamotten. „Das hätte noch lange so weitergehen können“, sagt er.

Tat es aber nicht. Denn im November traf der 47-Jährige im Flughafensupermarkt zwei Reporter des Hessischen Rundfunks. Sie kamen ins Gespräch, die jungen Journalisten berichteten über ihr Projekt, „8 mal Nacht – Geschichten aus der Dunkelheit“. Stefan Tetzlaff erzählte seine Geschichte: Wie sein Musikladen in Hannover pleite ging, seine Ehe scheiterte.

Tom Hanks des Frankfurter Flughafens

Dass er es nicht mehr schaffte, in seinem erlernten Beruf als Elektriker Fuß zu fassen, auch die Arbeit als Profimusiker aufgab; in den sozialen Strudel geriet, bei Frankfurter Behörden keine Anlaufstelle fand, sich von Obdachlosenunterkünften lieber fernhielt und am Ende im Terminal I des Flughafens strandete – mit nichts als einem Rucksack, Deo und Rasierzeug.

Die Hessenschau begleitete Tetzlaff daraufhin eine Nacht lang durch den Airport, in der HR3-Morning-Show wurde ausführlich über den „Tom Hanks des Frankfurter Flughafens“ berichtet. „Wir haben die Radiosendung damals gehört und waren uns sofort einig: Da müssen wir was machen“, sagt Frank Wingerter. Zusammen mit seiner Frau Birgit führt der 48-Jährige ein mittelständisches Unternehmen in Diedenbergen, plant und managt Immobilien für Investoren – Wohnanlagen, Gewerbeparks, Pflegeheime. Werbegeschenke verteile er keine an Kunden, sagt Wingerter. Stattdessen unterstützt das Unternehmen Itasi soziale Projekte, Frauenhäuser, Schulen. Und jetzt Stefan Tetzlaff.

Der war nach dem HR-Bericht allerdings erst mal verschollen. Eine Frau aus der Nähe von Offenbach habe ihm eine Unterkunft angeboten, erzählt Stefan Tetzlaff. Zwei Wochen wohnte er bei ihr, dann brachten ihn die Hessenreporter mit Frank Wingerter zusammen. Der Diedenbergener Unternehmer bot Tetzlaff nicht nur einen Job als Elektroinstallateur in seiner Firma an, er stellte ihm auch eine Wohnung gleich über den Büroräumen zur Verfügung.

Toll, wieder eine Aufgabe zu haben

Starthilfe wollten sie dem 47-Jährigen geben, sagen Birgit und Frank Wingerter. „Damit er wieder auf die Beine kommt. Er kam von Anfang an so sympathisch rüber, da waren wir uns sicher, dass das klappt.“

Die Elektromaschinen der Firma hat Stefan Tetzlaff schon gecheckt, zwischen den Jahren wird er helfen, die neuen Büroräume im Diedenbergener Gewerbegebiet fertig einzurichten. Am 5. Januar geht es dann mit der Arbeit richtig los. Auch eine benachbarte Messebaufirma und ein Kunde in Friedrichsdorf hätten Jobs für Stefan Tetzlaff angeboten, erzählt Frank Wingerter. Festhalten will er den 47-Jährigen nicht. „Er kann selbst entscheiden, was er machen möchte, wo er für sich die beste Perspektive sieht.“

Stefan Tetzlaff fühlt sich wohl in seinem neuen Leben. „Es ist toll, wieder eine Aufgabe zu haben, zu spüren, dass man gebraucht wird“, sagt er. Das graumelierte Haar hängt ihm jetzt nicht mehr wirr ins Gesicht, es ist kurz geschnitten. Sweatshirt, Jeans, feste Schuhe – Stefan Tetzlaff strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Seine Eltern und seine Schwester werde er an Heiligabend anrufen, frohe Weihnachten wünschen, sagt er. Das Angebot, zu Frank und Birgit Wingerter zum Abendessen zu kommen, hat er dankend abgelehnt. „Ich will erst mal für mich alleine sein“, sagt er. „Zur Ruhe kommen in den eigenen vier Wänden.“

Sorge, dass er mit den vielen Veränderungen in so kurzer Zeit nicht zurechtkommen könnte, hat er nicht. Die Kontrolle über sein Leben habe er nie so ganz verloren, sagt Stefan Tetzlaff. „Höchstens den Überblick.“

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