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So ein Bauwagen kann auch Klassenzimmer sein.

Schulen in Kelkheim 

Grundschüler sollen im Wald lernen

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Eine Initiative sucht Sponsoren für ihr reformpädagogisches Projekt in der freien Natur von Kelkheim.

Wie ein Waldkindergarten funktioniert, wissen mittlerweile die meisten: Die Drei-bis Sechsjährigen verbringen ihre Tage zum Großteil in der freien Natur, nur bei sehr schlechtem Wetter können sie in einem Bauwagen Unterschlupf finden. Mehr als 50 derartiger Kitas gibt es in Hessen. Eine Wald-Grundschule dagegen wäre ein absolutes Novum. Doch Anke Ziehm, von Beruf Religionspädagogin und systemische Beraterin, ist überzeugt: Auch das kann klappen.

Zusammen mit einem Dutzend Mitstreiter hat sie die Initiative phönIQs gegründet, die jetzt eine freie Natur-Grundschule im Taunus plant.

Für 16 bis 18 Kinder soll sie bereits zum Schuljahr 2020/21 starten, auf einem Waldgrundstück, das Private zur Verfügung stellen. Gedacht ist mittelfristig an die Jahrgänge eins bis vier mit insgesamt 40 Kindern. Im Endausbau könnte sich Anke Ziehm vorstellen, auch die Jahrgangsstufen 5 und 6 dazuzunehmen. Außerdem strebt die Initiative die staatliche Anerkennung für das reformpädagogische Projekt an: „Wir möchten beweisen, dass neue Wege und ein Lernen in der Natur mit dem hessischen Referenzrahmen zusammenspielen können“, sagt Ziehm. Die neue Kelkheimer Schule wäre dann die erste staatlich anerkannte Wald-Grundschule in Deutschland.

Bis Mitte Mai soll das pädagogische Konzept dem Staatlichen Schulamt vorgelegt werden. Vom fächerübergreifenden, erforschenden und individuellen, Lernen in Bewegung wird dort die Rede sein, von der Stärkung von Sozialkompetenzen, und von der Motivation durch Tun. Outdoor und Naturpädagogen will die Initiative ebenso in der Wald-Grundschule beschäftigen wie traditionell ausgebildete Lehrer mit Universitätsabschluss.

Anke Ziehm möchte die Wald-Grundschule im Herbst 2020 eröffnen. Privat

„Wir brauchen ein vielfältiges Bildungsangebot“, ist Anke Ziehm überzeugt. „Die Neurobiologen Manfred Spitzer und Gerald Hüther weisen seit Jahrzehnten auf die Notwendigkeit eines anderen Lernens hin.“ Eine Konsequenz dieser Erkenntnis sei die geplante Natur-Grundschule.

Lesen, Rechnen und Schreiben sollen die Sechs- bis Zehnjährigen dabei in der Wald-Grundschule ohne Druck und ohne Hausaufgaben lernen. Drei Stunden täglich sollen sie draußen unterwegs sein, die ökologischen Zusammenhänge kennenlernen und gemeinsam mit den Lehrern ihr eigenes Unterrichtsmaterial herstellen. Eicheln oder Kastanien könnten zum Beispiel zum Einsatz kommen, wenn es um Zahlen gehe, sagt Anke Ziehm. In einem großen Zelt, einer so genannten Jurte, könnte man eine Sprachwerkstatt einrichten. Das 45 Quadratmeter große Blockhaus, das für die Schüler gebaut werden soll, böte Platz für ein Klassenzimmer mit Tischen und Stühlen. Auch ein Bauwagen soll bereitstehen.

Als Schulträger muss der Main-Taunus-Kreis bei der Schulgründung mit ins Boot geholt werden. Die Untere Naturschutzbehörde muss das Grundstück im Wald als Platz genehmigen, an dem Kinder unterrichtet werden können. „Wir haben schon ein Gespräch mit Landrat Michael Cyriax dazu geführt“, sagt Anke Ziehm. „Er war interessiert und er hat uns Tipps gegeben, wie wir weiter vorgehen können.“

Aktuell arbeitet Anke Ziehm mit Beratern an einem Finanzierungskonzept für die Wald-Grundschule. Dabei hofft sie auf die Unterstützung von Banken und von Sponsoren. Die Elternbeiträge sollen möglichst unter 500 Euro im Monat liegen. Mittagessen und Nachmittagsangebote müssen allerdings separat bezahlt werden.

Am morgigen Freitag, 8. März, stellt die Initiative ihr Schulkonzept vor. Beginn ist um 19.45 Uhr in der TSG-Gaststätte „Bei Marko,“ Lorsbacher Straße 39 in Kelkheim. Weitere Infos unter www.phoenics.de.

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