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Grüner Strom aus dem Main

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Turbine des großen Wasserkarftwerks bei Mainz-Kostheim.
Turbine des großen Wasserkarftwerks bei Mainz-Kostheim. © FR/Storch

Die riesige Turbine setzt sich in Bewegung. An der Staustufe Kostheim bei Hochheim arbeitet ab sofort eines der größten Wasserkraftwerke Hessens. Von Gesa Fritz

Von Gesa Fritz

Mit einem Knopfdruck wurde am Donnerstagmittag das Wasserkraftwerk zwischen Hochheim und Mainz-Kostheim in Betrieb genommen. Es ist eines der größten seiner Art in Hessen. Noch dreht sich nur eine der modernen Turbinen, die zweite soll in drei Wochen den Betrieb aufnehmen.

Dann wird das Kraftwerk jährlich 18,5 Millionen Kilowattstunden umweltfreundlichen Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Das ist genug Energie für eine Kleinstadt: Mit der Menge können 5200 Mehrpersonen-Haushalte ein Jahr lang versorgt werden. Betreiber sind die Stadtwerke Ulm und die Halblechkraftwerke Memmingen.

Fast zwei Jahre hat der Bau der Öko-Anlage gedauert und rund 20 Millionen Euro gekostet. Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte der Main schon vor zwei Monaten die Turbinenschaufeln in Schwung gebracht - und die Bauherren hätten viele tausend Euro gespart.

Im Sommer jedoch waren die Bauarbeiter im Main unerwartet auf Braunkohle gestoßen. 4000 Tonnen des Brennstoffs mussten vor der Fertigstellung des Kraftwerks vom Grund des Flusses entfernt werden. Jedoch war die Kohle zu stark verunreinigt, um auch zur Energiegewinnung verwendet zu werden. Sie musste daher entsorgt werden.

Kein schnelles Geld

Schnelles Geld ist mit dem Öko-Kraftwerk allerdings nicht zu machen. Es wird etwa 25 Jahre dauern, bis sich die Baukosten amortisiert haben. Und auch diese Rechnung geht nur auf, weil die Mindestvergütung für Ökostrom gesetzlich festgeschrieben ist. Dafür liefert das Wasserkraftwerk jedoch dauerhaft und risikolos Energie.

Besonders ist das Kraftwerk auch wegen seiner niedrigen Fallhöhe: Die bereits in den 1930er Jahren gebaute Staustufe hat eine Fallhöhe von drei Metern und ist damit ungewöhnlich flach. Bereits damals schon gab es Pläne für ein Wasserwerk, die wurden dann aber wegen des geringen Höhenunterschiedes wieder verworfen.

Modernste Turbinen sorgen heute für eine konstante Drehzahl bei wechselndem Wasserstand. 80000 Liter fließen pro Sekunde durch jede Turbine, eine Menge, die sich in Badewannen schon nicht mehr bildhaft ausdrücken lässt.

Das Kraftwerk produziert aber nicht nur grünen Strom. Bei seinem Bau wurde auch darauf geachtet, dass das Ökosystem des Flusses bewahrt wird. Vier Schutzsysteme sollen die Fische vom Tod in den Turbinenschaufeln bewahren.

Ein rund 150 Meter langer künstlicher Bach leitet die Fische rund um den Betonbau herum. Ein sehr feiner Rechen fängt die Fische vor den Turbineneingängen ab. Oben auf dem Rechen gibt es zudem eine Öffnung, die Kleinfischen einen Fluchtweg bietet. Und durch einen speziellen Aal-Abstieg können die schlangenförmigen Tiere in einem Rohr quer durch das Kraftwerk schwimmen.

Der Rechen verhindert aber nicht nur das Eindringen von Fischen ins Herz des Wasserkraftwerks, sondern er hält auch den Schmutz fern.

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