Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Archäologin Nadine Richter bei der Ausgrabung auf dem Kapellenberg - auch in diesem Jahr werden die Mainzer Forscher in Hofheim graben.
+
Die Archäologin Nadine Richter bei der Ausgrabung auf dem Kapellenberg - auch in diesem Jahr werden die Mainzer Forscher in Hofheim graben.

Überreste aus der Steinzeit

Graben auf dem Kapellenberg

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
    schließen

Der Kapellenberg bei Hofheim im Taunus galt lange als keltische Anlage. Irrtum, sagen Archäologen - die Anlage ist viel älter. Nun wird sie noch besser erforscht. Von Andrea Rost

Im Sommer werden sie wieder da sein: die Studierenden des archäologischen Instituts der Universität Mainz, die Wissenschaftler vom Denkmalschutzamt in Wiesbaden und Experten vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum.

Auf dem Kapellenberg wollen sie nach steinzeitlichen Überresten forschen. Denn das, was im vergangenen Jahr dort ausgegraben wurde, war spektakulär: Überreste von Backtellern und Schöpflöffeln aus grober steinzeitlicher Keramik fanden die Studierenden im Waldboden nördlich des Meisterturms, dazu Feuerstein aus Belgien und Spuren von Holzkohle.

Zusammen mit tausenden Keramikscherben und Steinartefakten, die der Hofheimer Rolf Kubon, ehemals Restaurator und Grabungstechniker des Frankfurter Denkmalamtes, seit den 70er Jahren auf dem Kapellenberg aufgelesen hat, ergab sich ein ganz neues Bild von den so genannten "Keltenwällen" auf dem Kapellenberg: Die Erdaufschüttungen haben nichts mit den Kelten zu tun, sondern stammen vermutlich aus der Jungsteinzeit, sind seltene Relikte der Michelsberger Kultur, die Archäologen in die Zeit von 4400 bis 3500 vor Christus datieren.

In Europa isnd nur wenige Anlagen erhalten

Weil es in ganz Europa nur wenige Stellen gibt, wo solch eine steinzeitliche Höhenbefestigung im Boden erhalten ist, gibt es nun einen Drei-Jahresplan, wie die Archäologen weitergraben wollen: In diesem Sommer soll der Wall im Norden der Anlage untersucht werden. Ein Student des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Mainz will anschließend in seiner Bachelor-Arbeit die Ergebnisse der dreiwöchigen Grabung auswerten.

Für 2010 ist geplant, die gesamte Anlage mit Hilfe eines Lasers zu scannen und anschließend ein dreidimensionales Modell davon zu entwickeln. Im Jahr darauf, also 2011, wollen die Forscher sich näher mit der Innenbebauung des steinzeitlichen Walls auseinandersetzen.

Erst Palisade, dann Erdwall

Knapp 19.000 Euro werden die Grabungsarbeiten in diesem Jahr kosten. Die Archäologen hoffen auf tatkräftige Unterstützung durch die Stadt Hofheim, die im vergangenen immerhin einen 25-Tonnen-Bagger vorbeischickte, damit innerhalb von wenigen Stunden ein kompletter Grabungsschnitt des Walls angelegt werden konnte.

An dem dreieinhalb Meter tiefen Profil ließ sich ablesen, dass die Siedler vor rund 6000 Jahren an dieser Stelle zunächst eine Holzpalisade errichteten, danach die Pfosten entfernten und einen Erdwall aufschütteten.

Als Gegenleistung der Archäologen könnte schon bald ein Lackprofil der steinzeitlichen Wallanlage vom Kapellenberg im Hofheimer Stadtmuseum präsentiert werden. Geplant sind außerdem Führungen durch die Ausgrabung, Vorträge, eine Sonderausstellung mit Funden aus den Grabungen und Lesefunden sowie ein archäologisches Wochenende.

Wenn die Wälle auf dem Kapellenberg restlos erforscht sind, könnte die Anlage auch in die Route der Industriekultur Rhein-Main aufgenommen oder Teil des Regionalparks Rhein-Main werden, schlägt Professor Detlef Gronenborn von der Universität Mainz vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare