Main-Taunus

Alphabetisierung als Einstieg zur Integration

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Professionelle Lehrer und Ehrenamtliche kooperieren im Main-Taunus-Kreis in Vorlaufkursen für Flüchtlinge. Sprachlern-App und Internetkurs dienen als Basis.

Was sagt man zur Begrüßung in Deutschland? Wie stellt man sich einem Fremden vor? Welche Vokabel braucht man beim Einkaufen oder beim Arztbesuch?

Wer die Sprache eines Landes überhaupt nicht kann, tut sich schwer, sich in simplen Alltagssituationen zu verständigen. Wer auch die lateinischen Buchstaben nicht kennt, umso mehr.

„Sanfte“ Einsteigerkurse für Flüchtlinge, die nicht in der lateinischen Schrift alphabetisiert sind und von denen einige noch nicht mal in ihrer Muttersprache lesen und schreiben können, sollen hier Abhilfe schaffen. Angeboten werden sie im Main-Taunus-Kreis seit einigen Monaten von der Kreisvolkshochschule. Ausgearbeitet hat das Konzept für das Lernprogramm der Deutsche Volkshochschulverband, Geldgeber ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Gearbeitet wird dabei in Kleingruppen mit dem Internet-Lernportal „Ich will Deutsch lernen“ und der Sprachlern-App „Einstieg Deutsch“. Google hat für den Unterricht Laptops, sogenannte Chromebooks, gespendet.

Die Geflüchteten würden in den Einsteigerkursen innerhalb von wenigen Wochen auf die wesentlich anspruchsvolleren Integrationskurse vorbereitet, sagt Daniela Kralova, die im Integrationsbüro im Landratsamt für die Volkshochschule Beratungen abhält. Ihren Angaben zufolge sind gut 40 Prozent der Flüchtlinge, die im Main-Taunus-Kreis ankommen, nicht alphabetisiert. Meist dauere es Monate, ehe sie nach ihrer Ankunft in Deutschland einen positiven Asylbescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erhalten. Diese Zeit könnten sie mit den Einsteigerkursen nun sinnvoll nutzen. Vor allem für junge Leute sei dies wichtig. „Den ganzen Tag nur herumsitzen und nichts zu tun haben, das bringt niemandem etwas “, weiß Kralova.

Der Kurs der zurzeit in Hofheim läuft, spricht vor allem Jugendliche an und er findet im Haus der Jugend in der Burgstraße statt. Ausgebildete Lehrkräfte und Ehrenamtler arbeiten dabei eng zusammen. Erstmals sei es in dem Projekt gelungen die Angebote an Sprachkurse, die oftmals parallel nebeneinander herlaufen, zu verzahnen, sagt Kralova. Ehrenamtliche Sprachlehrer, die ausreichend Unterrichtspraxis vorweisen könnten, könnten sich über das Programm außerdem für eine Zulassung als Integrationslehrer qualifizieren.

Für jene Flüchtlinge, die sich beim Deutschlernen schwerer tun, bietet die Volkshochschule zusätzlich ein Nachhilfeprogramm an, das ebenfalls Ehrenamtliche betreuen. Die Hürde hin zum Integrationskurs könne so leichter genommen werden, sagt Daniela Kralova.

Ein weiterer Vorteil der Vorlaufkurse: Im Programm vorgesehen sind auch wöchentliche Exkursionen, die die Ehrenamtlichen mit den Flüchtlingen unternehmen. Sie gehen dann zusammen mit ihren Schülern einkaufen, lösen am Bahnhof eine Fahrkarte, holen Geld auf der Bank oder besuchen Institutionen und Behörden im Main-Taunus-Kreis, um die erlernten Sprachkenntnisse in der Praxis auszuprobieren.

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