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In zehn Tagen entscheiden die Eschborner, ob Mathias Geiger Bürgermeister bleibt oder Adnan Shaikh Chef im Rathaus wird.

Eschborn

Geigers Geheimnisverrat ist in Eschborn tabu

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Die Verurteilung von FDP-Amtsinhaber Mathias Geiger wegen Geheimnisverrats wird im Eschborner Bürgermeisterwahlkampf nicht thematisiert. Auch Geigers Konkurrenten meiden das Thema. Das hat Gründe.

Martina Vogel ist eine Anhängerin von Bürgermeister Mathias Geiger (FDP). Daraus macht die Eschbornerin bei der Sympathiekundgebung, die ein Freundeskreis für Geiger am Tag der Deutschen Einheit auf dem Rathausplatz organisiert hat, keinen Hehl. Der Liberale tritt erneut als unabhängiger Kandidat zur Wahl am 20. Oktober an.

Dass er Ende vorigen Jahren vom Frankfurter Landgericht wegen Geheimnisverrats zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, stört Vogel nicht. Heimlich vertrauliche Unterlagen aus dem Rathaus abfotografiert und über einen befreundeten Anwalt in die Öffentlichkeit gebracht, habe Geiger noch als Erster Stadtrat, sagt sie. Weil sein Anwalt Revision eingelegt hat, sei das Urteil zudem nicht rechtskräftig. „Mal sehen, was am Ende überhaupt dabei rauskommt.“

Auch die Kontrahenten meiden das Thema

Geigers Geheimnisverrat, der die 21.000-Einwohner-Stadt noch vor wenigen Monaten in die bundesweiten Schlagzeilen gebracht hat, ist nichts, worüber im Bürgermeisterwahlkampf öffentlich diskutiert wird. Auch die politischen Kontrahenten des 61-Jährigen machen um das Thema konsequent einen Bogen. Zu groß ist offenbar die Angst, die alt eingesessenen Eschborner könnten es übel nehmen, wenn der in der Stadt und den örtlichen Vereinen fest verwurzelte FDP-Politiker in ein schlechtes Licht gerückt wird. Das hat schon vor sechs Jahren nicht funktioniert, als die BILD-Zeitung vor der Bürgermeisterstichwahl über eine angebliche Sex-Affäre Geigers im Rathaus berichtete. Am Ende musste der damalige Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) seinen Hut nehmen.

Dass CDU, SPD und Grüne eine zweite Amtszeit Geigers mit allen Mitteln verhindern möchten, ist kein Geheimnis. Nach dem gescheiterten Abwahlantrag im Dezember 2018 stellten sie sich gemeinsam hinter den Kandidaten der CDU, Adnan Shaikh. Der 45-Jährige ist als Leiter der Eschborner Heinrich-von-Kleist-Schule vielen in der Stadt bekannt. Er soll mit Unterstützung der drei Fraktionen Geigers Wiederwahl verhindern. In den sozialen Medien müssen sich Christdemokraten, Sozialdemokraten und Grüne dafür den Vorwurf gefallen lassen, sie hätten mangels Alternativen die „Eschborner Einheitsfront“ gegen Geiger gebildet. Diskutiert wird auch über die Wahlplakate, die in der Stadt hängen. Nur die CDU nennt darauf Shaikhs Parteizugehörigkeit. SPD und Grüne verzichten auf den Hinweis, dass Adnan Shaikh Christdemokrat ist. Wähler ohne Detailkenntnis der politischen Landschaft Eschborns lassen sie damit womöglich ratlos zurück.

Geiger sieht Prozess nicht als Hinderungsgrund

Die Wahl

Die Bürgermeisterwahl in Eschborn findet am Samstag, 20. Oktober, statt. Der Termin für eine allenfalls nötige Stichwahl ist am 3. November.

Amtsinhaber Mathias Geiger, der ein FDP-Parteibuch hat, tritt als unabhäniger Kandidat an.

Für die CDU kandidiert Adnan Shaikh. Er wird auch von der SPD und den Grünen unterstützt.

Die Linken schicken Fritz-Walter Hornung ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus. 

Amtsinhaber Mathias Geiger selbst hat lange zugewartet, ehe er im Sommer seine erneute Kandidatur bekanntgab. Den Strafprozess wegen Geheimnisverrats sieht er nicht als Hinderungsgrund. Er habe seine Fehler eingesehen und sich dafür entschuldigt, erklärte Geiger zuletzt bei der Kundgebung am 3. Oktober vor rund 200 Bürgern und bekam Applaus dafür.

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Dritter Kandidat ist Fritz-Walter Hornung (Linke). Der 62-Jährige ist bereits zwei Mal bei Landratswahlen im Main-Taunus-Kreis angetreten, er ist Kreistagsabgeordneter und vertritt seine Partei im Eschborner Stadtparlament.

Der harte politische Schlagabtausch ist im Eschborner Bürgermeisterwahlkampf bislang ausgeblieben. Debatten gab’s lediglich im Parlament, wo Mathias Geiger den Neubau einer Schwimmhalle am Wiesenbad und die rasche Sanierung der Alten Mühle voranbringen wollte und von CDU, SPD und Grünen gestoppt wurde.

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Die Wähler bekommen die Kandidaten bei kleinen Einzelveranstaltungen zu Gesicht. Geiger trifft sich mit Anwohnern, um über Verkehrsprobleme zu diskutieren, Adnan Shaikh lädt zur Radtour und zu Expertengesprächen ein. Fritz-Walter Hornung verteilt Informationsflyer der Linken. Im Internet können die Wahlprogramme von Geiger, Shaikh und Hornung nachgelesen werden. Fundamentale Unterschiede gibt es nicht.

Adnan Shaikh ist als einziger im sozialen Netzwerk Facebook aktiv. Sein Team filmt und fotografiert bei Wahlkampfterminen. Video-Clips laufen im Netz auch unter dem Titel „Herr Shaikh erklärt’s“. Wie von Zauberhand werden dabei zunächst Fragen auf eine grüne Schultafel geschrieben, die der Schulleiter dann mündlich beantwortet.

„Sportlich fair“ wollten sie ihren Wahlkampf führen. Das haben alle drei Bürgermeisterkandidaten mehrfach betont. Dass mit Adnan Shaikhs Nachnamen, dessen Vater aus Pakistan stammt, anonym im Netz rassistische Wortspiele getrieben werden, weisen nicht nur dessen Anhänger scharf zurück. „Für persönliche Diffamierungen bin ich nicht zu haben“, sagte auch Mathias Geiger jüngst bei der Kundgebung vor dem Rathaus.

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