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Geheimgänge und Gewölbe

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Seinen Kindheitstraum erfüllt: Der 85-jährige Architekt und langjährige Eppsteiner Baudezernent Hans Jakob Sauer vermisst historische Keller in Eppstein und seinen Ortsteilen.

Von Claudia Horkheimer

In Eppstein kursierten schon immer Gerüchte um geheime Kellersysteme. Sogar einen geheimen, teilweise unterirdischen Gang von der Burg in die Stadt soll es gegeben haben, der längs der Hintergasse bis an die äußere Stadtmauer verlief. Auch soll der Burggraben einst mit Wasser gefüllt gewesen sein, glaubt man den Ausführungen des Eppsteiner Lehrers Julius Brumm von 1896.

Der Architekt und langjährige Eppsteiner Baudezernent Hans Jakob Sauer wollte schon als Junge diesen Gerüchten nachgehen. Jetzt hat der heute 85-Jährige seinen Kindheitstraum erfüllt und sämtliche überwölbten Keller in Eppstein und seinen Ortsteilen vermessen und kartografiert.

Seine Dokumentation übergab er nach mehr als zwei Jahren Arbeit am Freitag an Museumsleiterin Monika Rohde-Reith. „Das sind neue Erkenntnisse für die Forschung“, sagte Rohde-Reith. Sie bildeten eine wunderbare Grundlage für die künftige Forschungsarbeit. Bisher habe man gar nicht gewusst, wo sich überall noch alte Keller befinden.

Insgesamt 51 dieser unterirdischen Räume hat Sauer in Eppstein, Vockenhausen. Ehlhalten, Niederjosbach und Vockenhausen vermessen. Dabei interessierten ihn vor allem Gewölbekeller. In Alteppstein gibt es hiervon nur sieben Stück, auf der Burg sind es fünf. Sie alle stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert.

Verbindung gefunden

Einige von ihnen passen von ihrer Lage her gar nicht mehr zu den Häusern, die darüber stehen und deuten somit auf noch ältere Gebäude hin, die es nicht mehr gibt. Bei zwei Kellern in der Burgstraße 71 und der Hintergasse 37 stieß Sauer auf eine gemeinsame Verbindung, die unter der Hintergasse hindurchführt. Trotz dieser Besonderheit kommt Sauer zu dem ernüchternden Schluss, dass er mit der Aufnahme sämtlicher Gewölbe und Gänge die Brummsche Theorie widerlegt hat.

Zum geheimen Fluchtweg von der Burg sagt Sauer: „Zwar führt aus dem Südzwinger eine Pforte in das so genannte Mauergärtchen und auch eine von Brumm beschriebene Felsentreppe zum Anwesen Burgstraße 48 ist vorhanden. Doch hier endet vorerst das ganze Geheimnis.“ Auch der Burggraben könne nie geflutet gewesen sein, weil seine Sohle sechs Meter höher liegt als die Talsohle des Wellbachs.

Für Archäologen sind die erfassten Keller dennoch von großer Bedeutung, weil die Ablagerungen in ihren Lehmböden Aufschluss über vergangene Jahrhunderte geben.

Einige der Keller wurden in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren von ihren Besitzern zugeschüttet. Zwar stehen sie gemeinhin unter Denkmalschutz, doch oftmals haben die Hauseigentümer kein Geld, um die Gewölbe aus Bruchstein zu erhalten. Auch meldet nicht jeder, dass er einen bauhistorischen Keller besitzt.

In Bunker umgewandelt

Sauer erfasste in seiner Arbeit auch die während des zweiten Weltkriegs angelegten Luftschutzbunker. In Eppstein verwendete man hierfür die vorhandenen Felsenkeller, die Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des Tunnelbaus für Gaststätten angelegt worden waren. In Vockenhausen hingegen wurden neue Keller in die Felsen gesprengt. In Ehlhalten funktionierte man sogenannte Dickwurzelkeller um, in denen Bauern ihr Viehfutter gelagert hatten. In Niederjosbach mussten gar „groteske Erdlöcher herhalten“, so Sauer.

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