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Gegen das Vergessen

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Kriftel Stolpersteine erinnern an jüdische Metzgerfamilie

Ein letzter kräftiger Hammerschlag, drüberfegen, fertig. „Stolpersteine“ verlegen ist für Gunther Demnig zur Routine geworden. Keine zehn Minuten hat es gedauert, bis der Künstler mit dem Hut und dem Knieschoner die drei Pflastersteine mit der golden schimmernden Messingoberfläche im Gehweg vor dem Haus in der Goethestraße 6a in Kriftel eingelassen hat.

Über 32000 Mal hat der Kölner das bereits getan, auf der ganzen Welt. Jetzt ist auch Kriftel Teil des riesigen Projekts und damit der 689. Ort in Deutschland, an dem „Stolpersteine“ an die Gräueltaten der Nazis erinnern. Zwei Dutzend Leute waren gekommen, um an der Gedenkstunde vor dem einstigen Wohnhaus der jüdischen Familie teilzunehmen.

Bis sie verschleppt und getötet wurden, lebten in der Goethestraße 6a Siegfried Nassauer, seine Frau Emma und Sohn Manfred. Für jeden von ihnen hat Demnig einen eigenen Stein gesetzt. „Um den Opfern einen Namen zu geben“, sagt er. Der Metzgermeister Siegfried wurde 1877 in Hattersheim geboren, sein Frau stammt aus Kelsterbach. 1912 kam ihr Sohn Manfred in Kriftel zur Welt. Als Kerbebursche soll er durch die Gassen gezogen sein. In der Pogromnacht 1938 wurde er brutal zusammengeschlagen. Im Juni 1942 brachten ihn die Nazis ins KZ Majdanek, wo er 1942 starb. Zwei Jahre später kam seine Mutter im KZ Theresienstadt ums Leben. Siegfried deportierten die Nazis bereits 1938 ins KZ Sachsenhausen, wo er vermutlich im Steinbruch gearbeitet hat. Noch im selben Jahr starb er dort. (jen.)

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