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Ganz ohne Ball

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Sie hat die Weltmeisterschaft im Visier.
Sie hat die Weltmeisterschaft im Visier. © Oeser

Hofheim Die zwölfjährige Anna Domscheit ist Deutsche Meisterin im Ringtennis

Von Oliver Heil

Das Einzige, was nervt, ist, dass ich immer wieder erklären muss, was Ringtennis ist.“ Das ist aber schon alles, was Anna Domscheit an ihrer Sportart auszusetzen hat. Sonst findet sie einfach alles klasse. Sogar, dass beinahe niemand von der Randsportart je gehört hat. „Das ist halt was Anderes, ich find’s schön, was so Besonderes zu machen“, sagt die Zwölfjährige aus Diedenbergen.

Mit sieben Jahren hat sie den Sport entdeckt, der so ähnlich wie Badminton funktioniert – nur ohne Schläger und mit einem Ring anstelle eines Balles. Damals holte Anna zusammen mit ihrer Mama immer ihre Schwester Xenja, die das Ringtennis inzwischen längst aufgegeben hat, vom Training ab. „Da habe ich zugeguckt, und dann wollte ich es selbst probieren“, erzählt sie. Und fünf Jahre später, Mitte September 2011, holte sie sich mit ihrer Doppel-Partnerin Simona Wolf aus Groß-Karben die Deutsche Meisterschaft.

Ganz so hoch hängen will sie das aber gar nicht. Viel mehr als ein Dutzend Vereine mit Ringtennis-Spielern in ihrem Alter gebe es gar nicht. „Ich hab’ mich schon sehr gefreut“, erzählt Anna, „aber ich glaube, meine Eltern und Großeltern sind stolzer als ich.“

Das könnte stimmen. Mama Tatjana Jemetz-Domscheit schwärmt von der Sportart fast genauso wie ihre Tochter. Sie mag die entspannte Atmosphäre bei Turnieren. Die Spieler seien nicht übertrieben ehrgeizig. Sie ist vor allem von der Geschwindigkeit der Sportart begeistert. „Das ist so schnell wie Squash, da braucht man unglaubliche Reaktionen.“ Das findet Anna genau richtig so. Beim Ringtennis, erklärt sie, fielen alle Entscheidungen in Sekundenbruchteilen. Konzentration sei Trumpf. Den Ring fangen, sich für einen Wurf entscheiden und ihn ausführen, das passiere quasi alles gleichzeitig. „Wenn man schon vor dem Fangen überlegt, wo der Ring hin soll, greift man oft daneben, das geht nicht.“

Schwere Spiele hat Anna Domscheit vor allem im Einzel. Da ist sie Fünfte geworden bei den Deutschen Meisterschaften, die Gegnerinnen waren zum Teil zwei Jahre älter als sie. Solche Nachteile muss sie in dieser exotischen Sportart wohl in Kauf nehmen. Anna sieht das nicht als Problem. Sie denkt lieber an die Zukunft. Wenn ihre beiden schwersten Gegnerinnen in zwei Jahren für die Schülerklasse zu alt sind, will sie den Meistertitel im Einzel holen. Noch vier Jahre muss sie warten, um sich ihren größten Traum zu erfüllen. Sie will zur WM. Wenn sie 16 und damit alt genug ist, will sich die Siebtklässlerin unbedingt qualifizieren. „Ich will sehen, wie die in anderen Ländern spielen“, sagt sie mit blitzenden Augen.

Und dann hat sie sich noch vorgenommen, in Zukunft etwas mehr über Ringtennis zu reden, Werbung bei ihren Freunden zu machen. Damit sie wieder mehr werden in der Ringtennis-Abteilung beim TV Diedenbergen.

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