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Konzentriert bei der Sache: die Musiker der Sinfonietta.
Konzentriert bei der Sache: die Musiker der Sinfonietta. © R. Oeser

Die Sinfonietta Hofheim spielt seit 25 Jahren Klassisches, aber auch Tango und sogar Heavy Metal. Zur Freude des Publikums – und zur eigenen.

Von Jöran Harders

Was ist das Wichtigste beim Musizieren? Vielleicht tatsächlich die Begeisterung für die Kunst und das Werk, die sich beim Spiel von den Musikern auf die Zuhörer überträgt. Diese Begeisterung, die auch beim Konzert im Landratsamt am Sonntagvormittag offenbar wurde, wird bei der Sinfonietta seit nunmehr einem Vierteljahrhundert gepflegt. „Alle Mitglieder des Orchesters spielen nur aus Freude an der Musik mit“, sagt Dirigent Berthold Mann-Vetter. Und das merke das Publikum bei den Aufführungen. So sei es denn auch die „gelassene, heitere Atmosphäre“, die das Streichorchester auszeichne – was aber „den unbedingten Willen zur Qualität“ nicht ausschließe.

Diese Mischung führte und führt immer wieder zu beeindruckenden Interpretationen. Beim Jubiläumskonzert stand am Sonntag zuerst eine der zwölf Streichersinfonien Felix Mendelssohn Bartholdys auf dem Programm, die der Komponist allesamt im jugendlichen Alter von 12 bis 14 Jahren geschrieben hat. Die Streichersinfonie Nr. 7 erklang unter Mann-Vetters Leitung vom ersten Ton an zupackend und mitreißend.

Dynamisch kontrastreich, mit flotten Tempi und dennoch gesanglich ausgespielten Melodiebögen war das viersätzige Werk zu hören. Im anschließenden Klavierkonzert KV 271 von Wolfgang Amadeus Mozart zeigte sich das Orchester als klangschöner und souveräner Begleiter von Berthold Mann-Vetter, der das Orchester, teilweise im Stehen, vom Klavier aus dirigierte.

Dass professionelle Orchester Stücke des klassischen Repertoires – zum Abschluss des Konzerts gab es Haydns 57. Sinfonie – noch ausgefeilter und perfekter spielen können, verstehe sich von selbst. Doch darauf, so der Dirigent, komme es überhaupt nicht an. „Ein Orchester wie die Sinfonietta hat ja gar nicht den Anspruch, mit den Profis zu konkurrieren und maßstabsetzende Interpretationen abzuliefern.“ Vielmehr gehe es darum, auch einmal Nischen zu besetzen und, wie geschehen, etwa mit einem Blockflöten-Quartett oder Dudelsack-Ensemble Stücke aufzuführen, die man von einem Streichorchester nicht erwartet: Heavy Metal, Tango oder Salonmusik.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist Mann-Vetter die Förderung des musikalischen Nachwuchses. Zurzeit spielen sechs Schüler in der Sinfonietta mit, die kürzlich aus dem Jugendorchester „eingewechselt“ wurden. Gleichzeitig sind aber auch noch acht Gründungsmitglieder dabei. Dieses Miteinander der Generationen sei eine weitere Besonderheit des Laienorchesters. Auch bei der alle zwei Jahre stattfindenden Orchesterwoche sei dieses Miteinander wichtig. Die Konzerte sind daher für die meisten Sinfonietta-Mitglieder auch gar nicht die Hauptsache. „Das Wichtigste ist der Spaß am gemeinsamen musikalischen Tun“, sagt Winfried Rochwalsky, der seit der Gründung des Orchesters als Bratschist mit dabei ist.

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