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Main-Taunus

Frauen und Kinder wehren sich

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt gibt es im Main-Taunus-Kreis inzwischen seit 15 Jahren. In dieser Zeit wurde viel erreicht.

Jede dritte Frau erfährt im Laufe des Lebens körperliche Gewalt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Weltgesundheitsorganisation in Auftrag gegeben hat. „Im Main-Taunus-Kreis haben wir schon sehr früh begonnen, uns mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, sagt Kreisbeigeordnete Ingrid Hasse (Freie Wähler).

Vor 15 Jahren sei das Netzwerk gegen häusliche Gewalt gegründet worden. Kooperationspartner waren der Verein „Frauen helfen Frauen“, die Polizei und die Gleichstellungsstelle des Kreises. Heute sind unter anderen die Justiz, die Frauenbeauftragten der Kommunen, das Diakonische Werk, Lebenshilfe und Erziehungsberatungsstellen mit im Boot. Letztere spielen eine besonders wichtige Rolle. „Wenn in einer Familie Gewalt ausgeübt wird, sind die Kinder immer betroffen, sei es durch das eigene Erleben oder das Miterleben“, weiß Anita Pieper von „Frauen helfen Frauen“. Gewalt in der Familie hinterlasse stets Spuren. „Mädchen ziehen sich dann oft zurück, Jungen reagieren aggressiv.“ Gerd Gröhl von der Erziehungsberatungsstelle der Caritas in Flörsheim weiß: „Wer als Kind Gewalt miterleben muss, hat als Erwachsener ein dreifach erhöhtes Risiko, selbst zum Täter oder zum Opfer zu werden.“

Eines hat das Netzwerk in den vergangenen Jahren erreicht: „Häusliche Gewalt ist heute kein Tabuthema mehr, wir haben es in die Öffentlichkeit gerückt“, sagt Hasse. Auf Brötchentüten und Taschentüchern, die letztes Jahr verteilt wurden, waren die Kontaktdaten der Anlaufstellen abgedruckt. Bei der Ausstellung „Echt fair“ im Landratsamt wurden Jugendliche über das Thema informiert. Immer öfter werde die Polizei gerufen, berichtet Hasse. Von den Frauen selbst, von den Kindern, Nachbarn oder Bekannten. Die Beamten stellten dann stets Strafanzeige. Im Jahr 2013 gab es im Main-Taunus-Kreis 281 angezeigte Fälle von häuslicher Gewalt, die Dunkelziffer ist mindestens zwei Mal so hoch.

Hoffen auf Geld vom Land

Im Frauenhaus haben laut Anita Pieper im vergangenen Jahr 47 Frauen und 49 Kinder Zuflucht gesucht. Manche blieben nur wenige Tage, die meisten mehrere Monate. Die Kosten für das Frauenhaus und die Beratungsstelle trägt der Kreis. Laut schwarz-grünem Koalitionspapier soll die Arbeit der Frauenhäuser gestärkt, mehr Geld vom Land zur Verfügung gestellt werden

Das Netzwerk könnte finanzielle Unterstützung gut gebrauchen. Noch seien weder Frauenhaus noch Beratungsstelle barrierefrei, sagt Ingrid Hasse. Frauen mit Beeinträchtigungen zu unterstützen sei deshalb kompliziert. Außerdem will das Netzwerk künftig einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Kindern legen. Gedacht ist an ein eigenständiges Beratungsangebot sowie an eine Kooperation mit dem „Netzwerk frühe Hilfen“, wenn ganz kleine Kinder von häuslicher Gewalt betroffen sind. Ältere Frauen wolle man verstärkt über Arztpraxen erreichen, sagt Ingrid Hasse. Flugzettel für Patientinnen und Broschüren für das Praxispersonal würden verteilt. Von den 283 Frauen, die sich im vergangenen Jahr an die Frauenberatungstelle gewandt haben, waren ein Viertel älter als 50 Jahre.

Die Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ ist unter Telefon 06192/24212 zu erreichen, das Frauenhaus unter 06192/26255.

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