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Fraport zahlt Entschädigung an Reitzentrum

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Von: Torsten Weigelt

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Ob therapeutisches Reiten trotz Fluglärm möglich ist, das will der Verein jetzt herausfinden.
Ob therapeutisches Reiten trotz Fluglärm möglich ist, das will der Verein jetzt herausfinden. © Rolf Oeser

Hattersheim Reiter bekommen Entschädigung: Wenn ein Flugzeug auf der neuen Nordwest-Landebahn landet, fliegt es gerade einmal 130 Meter über der Reithalle, die sich auf therapeutisches Reiten spezialisiert hat.

Zwei Jahre zähen Ringens sind zu Ende. Die Verantwortlichen der Reitsportgruppe (RSG) Eddersheim haben sich mit dem Flughafenbetreiber Fraport auf eine Lösung für ihr Reit- und Therapiezentrum geeinigt. Das liegt mitten in der Einflugschneise der neuen Nordwest-Landebahn – die Flieger donnern in gerade einmal 130 Metern Höhe über Pferde und Reiter hinweg.

Laut Planfeststellungsbeschluss hatte die RSG Anspruch auf eine Entschädigung des Verkehrswertes ihres Wiesenhofs mit Reithalle, Pferdeboxen, Vereinsheim und Koppel. Das Grundstück wäre dann allerdings an die Fraport gegangen. Die Einigung mit dem Flughafenbetreiber sieht nun vor, dass die RSG das Geld bekommt und gleichzeitig ihr Gelände behalten kann.

Gröhl: „Kein Erfolg für uns“

Über die Summe der Entschädigung wollen die RSG-Verantwortlichen nicht reden. „Wir haben mit der Fraport darüber Stillschweigen vereinbart“, sagt Gerd Gröhl, der mit seinem Vorstandskollegen Peter Freund die Verhandlungen geführt hat. Schätzungen hatten den Verkehrswert im vergangenen Jahr auf 1,3 Millionen Euro veranschlagt.

„Ein Erfolg ist das Ergebnis für uns nicht“, sagt Gerd Gröhl. Auch für die kommenden Jahre rechnet er weiter mit „Sorgen und Stress“. Schließlich ist unklar, ob die Arbeit des Vereins unter dem Lärm der landenden Flugzeuge noch möglich ist. Die RSG hat sich auf therapeutisches Reiten für Kinder spezialisiert, 20 Trainer und Betreuer und 15 Lehrpferde stehen dafür bereit.

Nun wollen die Verantwortlichen noch ein Jahr lang auf dem Wiesenhof weitermachen – und dann entscheiden, wie es weitergeht. „Wir gehen damit ein Risiko ein“, ist sich Peter Freund bewusst. Schließlich hatten der RSG wegen der unsicheren Situation in den vergangenen Jahren schon einige Mitglieder und Einsteller von Pferden den Rücken gekehrt. „Wir haben dadurch rund 200?000 Euro verloren“, sagt Gerd Gröhl. Derzeit hat der Verein 210 Mitglieder und rund 300 weitere Personen, die das Angebot nutzen.

„Ein kompletter Lärmschutz für das Gelände ist nicht möglich“, sagt Gerd Gröhl. „Da müssten wir schon unter die Erde gehen.“ Eine Option ist nun durch die Einigung mit der Fraport hinzugekommen: der Verkauf des 3000 Quadratmeter großen RSG-Grundstücks, das im Gewerbegebiet liegt.

Unklar ist allerdings, wie viel ein potenzieller Käufer dafür zahlen würde. Schließlich müsste auch der damit leben, mit seiner Firma mitten in der Einflugschneise des Flughafens zu liegen.

„Die goldene Lösung“ wäre für Gerd Gröhl und Peter Freund natürlich eine neue Reithalle an anderer Stelle. Allerdings veranschlagt der Verein dafür Kosten von 2,4 Millionen Euro – für die auch der jetzt ausgehandelte Deal mit der Fraport nicht ausreicht.

Immerhin hat der Flughafenbetreiber zugesagt, die Arbeit der RSG mit Fördermitteln zu unterstützen. Wie das genau aussieht, muss allerdings noch geklärt werden. „Darüber werden wir jetzt weitere Gespräche mit der Fraport führen“, sagt Gerd Gröhl.

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