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Der Ausbau der Wickerer Rhein-Main-Deponie ist umstritten.

Flörsheim

Flörsheim: Vorwurf der Illegalität an Deponiebetreiber

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Die Initiative Gegenwind 2011 will den Ausbau der Wickerer Deponie mit allen Mitteln stoppen.  

Es sind massive Vorwürfe, die die Initiative Gegenwind 2011 in einem offenen Brief an die Aufsichtsratsvorsitzende der Rhein-Main-Deponiegesellschaft (RMD), Madlen Overdick (Grüne), erhebt. Mehr als eine Million Tonnen Schlacke sollen zwischen 2015 und 2018 auf der Wickerer Deponie angenommen worden sein, ohne dass das Regierungspräsidium Darmstadt dies genehmigt hätte. Die Stilllegungsphase der Deponie sei damit widerrechtlich beendet worden. Der nunmehr geplante Ausbau durch eine Deponie auf der Deponie solle Wicker offenbar wieder aus der Illegalität führen, mutmaßt Hans-Peter Huppert. Er hat im Auftrag von Gegenwind ein Gutachten erstellt und rund 4000 Seiten an Unterlagen dafür ausgewertet. Als ehemaliger Gesellschafter eines Unternehmens, das sich mit Sanierungsprojekten auf Deponien befasst, könne er auf drei Jahrzehnte Berufserfahrung zurückblicken, sagte Huppert der FR. Seinen Recherchen zufolge sind schadstoffbelastete Schlacken bislang ohne Abdichtung auf Deponieflächen in Wicker zwischengelagert worden. Auch an anderen Stellen sollen Abdichtungen fehlen. „Das ist nicht legal.“

Der offene Brief ist Teil einer Kampagne, die Gegenwind, ursprünglich als Verein zur Bekämpfung des Fluglärms im Rhein-Main-Gebiet gegründet, unter dem Motto „Stop Deponie Wicker“ gestartet hat. Rolf Fritsch und seine Mitstreiter wollen verhindern, dass die Rhein-Main-Deponie in Flörsheim ausgebaut wird. Heino von Winning, bis vor kurzem Geschäftsführer des finanziell angeschlagenen kommunalen Müllkonzerns, dessen Gesellschafter der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis sind, hatte vorgeschlagen, eine Deponie auf der Deponie zu errichten. Die Laufzeit sollte so um 20 Jahre verlängert, die Entsorgung von Schlacke und Bauschutt in der Region gesichert werden.

Entscheidung im Kreistag

Doch das Vorhaben ist heftig umstritten – bei den Anwohnern ebenso wie bei Lokalpolitikern. Das Flörsheimer Stadtparlament stimmte bereits Ende letzten Jahres geschlossen gegen den Deponieausbau. Im Kreis verlangten SPD und Linke, die Planungen zu stoppen. Skeptisch äußerte sich auch Landrat Michael Cyriax (CDU).

Die Kampagne von Gegenwind wird von Hochheimer und Flörsheimer Winzern unterstützt. Er fürchte um den Tourismusstandort und sehe hohe Kosten auf den Steuerzahler zukommen, wenn die Rhein-Main-Deponie erweitert werde, sagt Reiner Flick vom Weingut Straßenmühle.

Madlen Overdick teilte gestern mit, sie habe den offenen Brief an die RMD-Aufsichtsratsmitglieder weitergeleitet. Die Deponiegeschäftsführung arbeite an einer Stellungnahme.

Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) geht davon aus, dass sich der Main-Taunus-Kreistag in seiner Sitzung Mitte Juni gegen das Projekt „Deponie auf Deponie“ aussprechen wird. „Die Rahmenbedingungen stimmen nicht und es fehlt die Akzeptanz in der Bevölkerung“, sagte er der FR.

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