Hans Jakob Gall.
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Hans Jakob Gall.

Flörsheim Wirbelschleppen

„Wir kämpfen auf jeden Fall weiter“

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Die Stimmung in Flörsheim ist mies, sagt Hans Jakob Gall, Vorsitzender des Vereins Für Flörsheim. 20 Hausdächer sind in der Stadt durch Wirbelschleppen beschädigt worden. Am 1. Juli informieren Juristen und Dachdecker die Hausbesitzer über deren Lage.

Fast 20 Hausdächer wurden seit Eröffnung der Nordwestlandebahn in Flörsheim durch Wirbelschleppen beschädigt. Fraport soll das in Zukunft verhindern, hat Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) entschieden. Am kommenden Montag 1. Juli, 20 Uhr, informieren in der Flörsheimer Stadthalle Juristen und Dachdecker über die Folgen des Planergänzungsbeschlusses. Hans Jakob Gall, Vorsitzender des Vereins Für Flörsheim organisiert die Veranstaltung.

Herr Gall, wie ist die Stimmung zurzeit in Flörsheim?

Mies. Die Leute sind ratlos. Viele Hausbesitzer wissen nicht, was durch den Planergänzungsbeschluss und das Dächerprogramm der Fraport auf sie zukommt, mit welchen finanziellen Belastungen sie rechnen müssen. Beispielsweise ist unklar, wer die Kosten für energetische Sanierungen übernimmt, wenn ein älteres Dach neu eingedeckt werden muss. Da sind viele Fragen offen.

Wie bewertet der Verein für Flörsheim den Planergänzungsbeschluss, wonach Fraport in der Einflugschneise Dächer durch Verklammerung der Ziegel gegen Wirbelschleppenschäden sichern muss?

Aus unserer Sicht schreit der Planergänzungsbeschluss zum Himmel. Damit sind vielleicht die Dächer gesichert, aber Wirbelschleppen können auch am Boden Schäden anrichten. Dagegen wird nichts getan. Zusammen mit der Stadt Flörsheim fordern wir deshalb in einem Eilantrag, dass Flugzeuge der Wirbelschleppenklasse „Heavy“ überhaupt nicht mehr zum Landen über Flörsheim fliegen dürfen. Nächste oder übernächste Woche wird darüber beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel entschieden. Wir hoffen, dass unserem Antrag stattgegeben wird. Wir könnten dann beobachten, ob eventuell auch kleinere Flugzeuge Wirbelschleppen auslösen und dass dann vielleicht sogar der gesamte Verkehr landender Flugzeuge über Flörsheim eingestellt werden muss.

Das Dächerprogramm der Fraport gilt nur für Häuser, die vor dem 23. März 2007 gebaut wurden. Können Sie das nachvollziehen?

Nein, überhaupt nicht. Denn auch nach diesem Stichtag gab es keine Vorschrift, wonach Dächer von Neubauten gegen Wirbelschleppen gesichert werden müssen. Im übrigen stehen auch nicht alle Häuser, an denen bereits Schäden aufgetreten sind, im Korridor, in dem Fraport die Kosten für die Klammerung der Ziegel übernimmt. Unsere Anwälte werden beim Info-Abend aufzeigen, wie betroffene Hausbesitzer sich wehren und klagen können.

Wer sitzt denn in der Stadthalle auf dem Podium?

Die Rechtsanwälte Martin Schröder und Ursula Philipp-Gerlach sowie Gerhard Kraft, Obermeister der Dachdecker-Dachdeckerinnung Main-Taunus und Manfred Liebold, ehemaliger Lehrlingswart der Innung.

Vertreter von Fraport und dem Verkehrsministerium haben sie nicht eingeladen?

Doch, aber die haben abgesagt.

Vor kurzem wurde bekannt, dass die Südumfliegung nicht wie geplant funktioniert und doch wieder verstärkt in Richtung Norden gestartet werden muss. Was bedeutet das für Flörsheim?

Auf jeden Fall mehr Lärm. Und das wiederum heißt, dass die gesamte Lärmberechnung für den Flughafenausbau nicht mehr stimmt. Eigentlich ist der Planfestsetzungsbeschluss für die Nordwestbahn damit gekippt.

Ein Argument in der Klage, die der Verein mit Musterklägern vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel laufen hat?

Dieses Argument werden wir auf jeden Fall vorbringen. Wir haben außerdem noch eine ganze Palette von Angriffspunkten, die wir in Kassel zur Sprache bringen wollen. Nachdem unsere Klage geruht hat, bis die anderen Musterklagen abgehandelt waren, wollen wir jetzt endlich gehört werden. Wir Flörsheimer geben nicht auf. Wir kämpfen weiter.

Das Interview führte Andrea Rost.

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