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Luca Hühne will zeigen, dass Schottergärten mehr Pflege benötigen als oftmals angenommen.

Flörsheim

Weilbacher Naturschutzhaus: Finger weg von Schottergärten

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Weilbacher Naturschutzhaus in Flörsheim präsentiert pflegeleichte, ökologisch wertvolle Alternative zum Schottergarten.

Kopfschüttelnd stehen Besucher des Weilbacher Naturschutzhauses immer wieder vor der fünf Quadratmeter großen Fläche, die je zur Hälfte mit schwarzem und weißen Rundkies aus dem Baumarkt bedeckt ist. Eine silberfarbene Metallkante ist wie ein Lineal diagonal durchgezogen. „So ein Schotterbeet erwarten die Leute bei uns nicht“, sagt Luca Hühne und schmunzelt. „Es passt eigentlich nicht ins Arbeitskonzept des Naturschutzhauses.“

Der 19-jährige Abiturient aus Eddersheim hat das Beet trotzdem vor kurzem angelegt. Es ist Teil seiner Projektarbeit mit dem Titel „Schottergarten versus Staudenbeet“. Luca Hühne absolviert gerade ein freiwilliges ökologisches Jahr im Umweltzentrum des Main-Taunus-Kreises und will zeigen, dass Schottergärten, wie sie auch im Rhein-Main-Gebiet immer häufiger zu finden sind, keineswegs so wenig Pflege benötigen, wie mancher Gartenbesitzer sich das vorstellt. Und dass sie ökologisch quasi nutzlos sind.

Noch sieht die Kiesfläche, die Luca Hühne angelegt hat, sauber aus. Kein Unkraut sprießt zwischen den Steinen. Das Beet ist akkurat abgezirkelt. Spätestens nach einem Jahr aber müsse der Kies einer ersten Reinigung unterzogen werden, sagt Luca Hühne. „Auf den Steinen hat sich dann Belag gebildet oder sie sind mit Moos bedeckt. Man muss den Kies herausholen und waschen, damit er wieder sauber wird. Das ist viel Aufwand.“ Durch Laubeintrag entstehe außerdem organischer Boden an der Beetoberfläche. Samen, die darauffallen, könnten keimen. Unkrautzupfen sei angesagt.

Und dann erklärt Luca Hühne die ökologischen Zusammenhänge, die aus Klima- und Naturschutzsicht gegen die Anlage eines Schottergartens sprechen. Der Kies heize sich im Sommer stark auf, die Steine verstärkten den Lärm von Autos und Flugzeugen. Erde hingegen verschlucke einen Teil der Umgebungsgeräusche. Und Pflanzen, die dort wachsen, sorgten für Abkühlung. Blüten böten Bienen und Insekten Nahrung. „Und wenn die im Garten sind, dann kommen auch die Vögel“, erklärt der Abiturient. Ein Kiesbett dagegen, das häufig mit Gräsern oder Bambus bepflanzt werde, habe keinerlei Wert für die Natur.

Was also ist zu tun, wenn der Garten pflegeleicht und ökologisch wertvoll zugleich sein und der Wasserbedarf der Pflanzen in den trockenen Sommern nicht ins Unermessliche steigen soll? Am Naturschutzhaus in Weilbach gibt es ein Beispiel, wie ein klassischer Steingarten angelegt werden kann, der diese Voraussetzungen erfüllt. Entstanden ist das Beet bereits vor mehr als 25 Jahren. Wilder Majoran, Lavendel, Küchenschellen und Thymian wachsen hier zwischen Buntsandsteinen aus der Kiesgrubenlandschaft, außerdem Currykraut, Phlox, Mohn und Steinnelken. Es sind allesamt Pflanzen, die nicht gegossen werden müssen, die die Sommersonne gut vertragen und insektenfreundlich sind.

Die blühende Landschaft zwischen den Natursteinen kann weitgehend sich selbst überlassen werden. Zwei Mal im Jahr sollten die Pflanzen gegebenenfalls in Form gebracht und Gras und Unkraut, das sich dazwischen angesiedelt hat, entfernt werden. Mehr Pflege ist nicht nötig. Auch gedüngt werden muss der Steingarten nicht. Denn die Blumen und Kräuter, die hier wachsen, fühlen sich allesamt auf magerem Boden wohl.

Weitere Informationenund Beratung unter www.naturschutzhaus.mtk.org

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