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Nicht mal ein Rinnsal

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Dass hier einmal Wasser geflossen ist, lässt sich an einigen Stellen des Wickerbachs nur noch erahnen. kern
Dass hier einmal Wasser geflossen ist, lässt sich an einigen Stellen des Wickerbachs nur noch erahnen. kern © privat

Flörsheim Bett des Wickerbachs so gut wie ausgetrocknet

Es war der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Als sich am vergangenen Freitag dunkle Wolken am Himmel zeigten und es kurz regnete, wusste Oliver Kern bereits, dass die geringe Niederschlagsmenge keinen Unterschied macht. "Ein Tag Regen hilft nichts", erklärte der Gewässerwart des Angelsportvereins (ASV) Flörsheim auf Nachfrage dieser Zeitung.

Der Angler beobachtet seit Wochen, wie sich der Wickerbach vom sprudelnden Vereinsgewässer in einen trockenen Graben verwandelt. Die wenigen Regentropfen, die am Ende der vergangenen Woche vom Himmel fielen, würden sofort wieder im Boden verschwinden, urteilt der ASV-Vertreter.

"Wir bräuchten eine ganze Woche Regen", erklärt Oliver Kern, der zusammen mit dem zweiten Gewässerwart, Waldemar Dikov, am Wickerbach nach dem rechten sieht. Viel können die Angler allerdings nicht tun. Denn wo kein Wasser ist, da lässt sich eben auch kein Gewässer pflegen. Kern berichtet, dass er und sein Kollege einige Fische gerettet haben. Bei einem Rundgang mit Käschern und Eimern konnten die Gewässerwarte 15 Bachforellen einsammeln, die sie im unteren Bachlauf Richtung Main wieder einsetzten. Doch selbst in diesem Bereich, der normalerweise noch etwas mehr Wasser führt, sieht es momentan schlecht aus.

Eisvögel suchen

ihr Futter woanders

Dieses Jahr zeige sich die Trockenheit entlang des Bachs noch schlimmer als in den vergangenen Hitzesommern, erläutert Oliver Kern. In den Vorjahren sei der Wickerbach vor allem oberhalb der Traisermühle ausgetrocknet. In dem Abschnitt hat der Bachlauf ein besonders starkes Gefälle. Wenn der Pegel des Mains sinkt, versickere das Wasser dort zuerst, weiß Kern. Derzeit suche man das Gewässer jedoch fast auf der gesamten Strecke bis zum Main vergeblich. Der Wickerbach sei bis zur Kläranlage im Ortsteil Keramag ausgetrocknet, berichtet der Gewässerwart. Nur auf Höhe der Traisermühle gebe es ein paar Vertiefungen, die noch Wasser enthalten - sogenannte Gumpen. Das Wasser drücke an einigen Stellen aus dem Bachbett, nur um wenige Meter weiter wieder zu versickern.

Der ASV betreut den Wickerbach auf einem rund fünf Kilometer langen Abschnitt bis zur Mündung in den Main. Das Gewässer bereitet den Anglern schon seit einigen Jahren Sorgen. Nach einem Brand auf dem Wallauer Fohlenhof war 2017 Löschwasser in den Bach gelangt. Die Folge: Fische und andere Kleinstlebewesen starben. Der Angelsportverein erstellte einen Plan für den Besatz mit neuen Fischen. Außerdem blieb das Angeln für drei Jahre untersagt. Seit Beginn dieses Jahres sei es wieder genehmigt, die Rute am Wickerbach auszuwerfen. Oliver Kern schätzt jedoch, dass diese Gelegenheit höchstens von zwei Aktiven genutzt wurde. "Es lohnt sich nicht", sagt der Gewässerwart. Nachdem der Bach zum Jahresbeginn noch recht viel Wasser geführt habe, müsse er sich jetzt von neuem erholen.

In guten Zeiten finden sich im Wickerbach neben Bachforellen vor allem Hasel und Döbel. Die derzeitige Trockenheit wirke sich negativ auf die Lebensräume rund um das Wasser aus, sagt der Gewässerwart. "Die ganzen Habitate sterben", so Oliver Kern. Neben den Fischen könne man normalerweise auch viele Eisvögel entlang des Bachs finden. Die würden sich nun anderweitig ihr Futter suchen. Für die Fische ist die Lage hingegen viel schwieriger. Oliver Kern erwartet, dass noch einige der verbliebenen Gumpen austrocknen werden. Sollte es irgendwann wieder regnen, könne sich der Bach allerdings erholen.

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