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RMD-Geschäftsführer Heino vor den Strommasten, die für die Deponieerweiterung verlegt werden sollen. 

Flörsheim

Müllberg in Wicker soll wachsen

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Die Rhein-Main-Deponiegesellschaft plant eine Erweiterung din Wicker. Die Deponie könnte auf diese Weise 20 Jahre länger genutzt werden.

Fünf Millionen Tonnen Schlacke aus den Müllverbrennungsanlagen in Frankfurt, Darmstadt und Offenbach sowie Erdaushub und Bauschutt aus der ganzen Rhein-Main-Region sollen in Zukunft zusätzlich auf dem Müllberg im Flörsheimer Stadtteil Wicker abgelagert werden. Die Rhein-Main-Deponie, deren Volumen nach jetzigem Stand 2021 komplett ausgeschöpft ist, könnte damit weitere 20 Jahre betrieben, die Wirtschaftlichkeit der in finanzielle Schieflage geratenen kommunalen Entsorgungsgesellschaft wieder hergestellt werden. Das sagte Geschäftsführer Heino von Winning gestern Abend bei einer Informationsveranstaltung in der Wickerer Goldbornhalle.

Für die Region rund um Frankfurt, in der Deponiekapazitäten wie überall in Deutschland knapp sind, würde die Erweiterung der Wickerer Deponie lokale Entsorungssicherheit bedeuten. Klimaschädliche Transporte des Abfalls in entfernte Regionen könnten vermieden werden, erläuterte die Aufsichtsratsvorsitzende der Rhein-Main-Deponiegesellschaft (RMD) und Kreisbeigeordnete im Main-Taunus, Madlen Overdick (Grüne). Gleichzeitig könnte man den Gebührenzahlern auf diese Weise langfristig Kostensicherheit garantieren.

Laut Heino von Winning ist die Erweiterung der Wickerer Deponie auf einer rund 18 Hektar großen Fläche vorgesehen, zusätzliches Gelände werde nicht benötigt. „Wir setzen eine Deponie auf die Deponie.“ Geplant sei, die bisher durch die Höchstspannungstrasse gebildete Senke am Deponieberg sowie einige weitere freie Areale zu verfüllen. Eine multifunktionale Abdichtung mit zwei Sperrschichten bilde eine Art Wanne, in der der Abfall gelagert werde. Regen- und Sickerwasser würden kontrolliert, abgeleitet und gereinigt. Die Stromtrasse werde für den Deponieausbau teilweise verlegt.

Die Gesellschaft
Die Rhein-Main-DeponieGmbH (RMD) ist ein kommunales Entsorgungsunternehmen mit Hauptsitz in Flörsheim-Wicker. Gesellschafter sind der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis.

Zum Aufgabengebietder RMD gehören Deponienachsorge sowie die Wiederverwertung verschiedener Abfälle.

Die finanzielle Schieflageder Deponiegesellschaft war Ende 2017 bekannt geworden.

Die Landkreisehaben sich auf der Basis eines Sanierungskonzeptes verpflichtet, bis Ende 2027 jeweils 30,87 Millionen Euro für die Sanierung des gemeinsamen Müllkonzerns zu zahlen. Hinzu kommt eine Bürgschaft von je 2,2 Millionen Euro.

Für die Anwohner der Rhein-Main-Deponie in Flörsheim Wicker und Hochheim soll sich laut von Winning kaum etwas ändern. Wie schon bisher würden pro Tag 25 Lastwagen Schlacke, Erdaushub und Bauschutt anliefern. Der 164 Meter hohe Müllberg werde zwar um bis zu 20 Meter in die Höhe wachsen, optisch wäre dies aus der Distanz aber kaum wahrnehmbar. Die Belastung durch die Arbeit auf dem Müllberg könnte durch neue Techniken wie Förderbänder zur Staubreduzierung und Lärmschutzwände künftig sogar verringert werden. Gefährliches Material werde weiterhin nicht verfüllt, betonte Heino von Winning. Auch Hausmüll werde in Wicker nicht mehr abgelagert. Dass der Deponieberg in einigen Jahren nochmals wachsen könnte, schloss der RMD-Geschäftsführer aus. „Das würde die Flugsicherung wegen der Anflugroute zum Flugplatz Erbenheim nicht zulassen.“

Laut Madlen Overdick stehen die beiden Gesellschafter des kommunalen Entsorgungsunternehmens, der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis, geschlossen hinter dem Ausbauvorhaben. Geplant sei auch die Erweiterung der Deponie in Brandholz im Hochtaunuskreis. Für das Entsorgungsunternehmen sei die Erweiterung der Deponien eine Chance, langfristig den Betrieb zu sichern und die finanzielle Belastung für die beiden Landkreise zu reduzieren. Sollte die Wickerer Deponie nicht ausgebaut werden, droht laut Sanierungsgutachten nach 2021 der Verlust von rund der Hälfte der 150 Arbeitsplätze bei der Deponiegesellschaft.

In enger Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden soll nun weitergeplant, im Frühjahr 2020 der Antrag für die Erweiterung der Deponie in Wicker beim Regierungspräsidium Darmstadt eingereicht werden.

„Uns ist dabei Transparenz besonders wichtig“, sage Overdick. Auf der Online-Plattform www.rmd-erweiterung.de gibt es aktuelle Informationen und Bürger können Wünsche und Anregungen zum Landschaftsbild und zur Nutzung des Geländes äußern. Auch Vorschläge zur Förderung von Vereinen oder anderen Kulturangeboten könnten gemacht werden, sagte Heino von Winning. Die Deponiegesellschaft wolle die beiden Anrainerkommunen künftig finanziell unterstützen.

Die gestrige Bürgerversammlung in Wicker war der Startschuss zu Bürgerbeteiligung. Ein weiterer Informationsabend ist für den 27. Februar 2020 im Hochheimer Stadtteil Massenheim geplant.

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