Flörsheim

Landrat bremst Debatte über Flörsheimer Deponie

  • schließen

Die Fraktionen des Main-Taunus-Kreistages fordern Informationen über die geplante Erweiterung der Rhein-Main-Deponie in Wicker. Landrat Michael Cyriax will sie zur Verfügung stellen und den Politikern Zeit geben, um eine Entscheidung zu treffen.

Das Flörsheimer Stadtparlament ist bereits mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution gegen die Erweiterung der Wickerer Deponie vorgeprescht. Bei einem Informationsabend Ende November war deutlich geworden, dass die Anwohner des Müllberges in Flörsheim und Hochheim an der längst beschlossenen Stilllegung nicht rütteln wollen.

Im Main-Taunus-Kreistag, der am Ende zusammen mit dem Kreisparlament des Mitgesellschafters Hochtaunus entscheiden wird, ob die Rhein-Main-Deponie wie von der Geschäftsführung vorgeschlagen ausgebaut und weitere 20 Jahre lang betrieben wird, ist jedoch mit einem Beschluss so schnell nicht zu rechnen. Er sehe sich außerstande, eine Empfehlung für den Kreisausschuss abzugeben, sagte Landrat Michael Cyriax (CDU) im Kreistag. Zunächst würden alle Informationen zu einer möglichen Deponieerweiterung zusammengetragen. Dabei müsse auch eruiert werden, ob Schlacke, Erdaushub und Bauschutt aus der Rhein-Main-Region künftig ausschließlich in Wicker oder auch anderswo abgelagert werden könnten.

Medienberichten zufolge soll es in der Vergangenheit bereits diesbezügliche Absprachen mit den Entsorgungsbetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) gegeben haben. Das müsse geprüft werden, sagte Cyriax und machte deutlich: „Wicker kann nicht weiterhin die Müllkippe der Region sein und alle finanziellen Lasten alleine tragen.“

Eile ist aus Sicht des Main-Taunus-Landrates jedenfalls nicht geboten. Zwar sei die Rhein-Main-Deponiegesellschaft aus eigener Kraft nicht lebensfähig, durch ein ambitioniertes Sanierungsprogramm, währenddessen die beiden Landkreise innerhalb von zehn Jahren zusammen 70 Millionen Euro zahlen, sei der Betrieb jedoch erst mal gesichert. Gegebenenfalls müsse man sich damit anfreunden, die Deponie in Wicker, die bereits 2020 komplett verfüllt sein könnte, zunächst nicht weiter zu betreiben, sagte Cyriax.

Ein Antrag der Freien Wähler, die den Deponieausbau ökologisch und ökonomisch als einen Vorteil für die Region bewerten und eine Kompensation für die Bürger Flörsheims und Hochheims gefordert hatten, wurde in den Ausschuss verwiesen. Eine Deponieerweiterung berge Chancen und Risiken, seine Fraktion habe dazu aber noch viele Fragen, sagte CDU-Fraktionschef Frank Blasch.

Die SPD hatte bereits vor der Kreistagssitzung eine umfangreichen Fragenkatalog formuliert. Aus Sicht der Sozialdemokraten dürfe es nach 40 Jahren Deponie keine Entscheidung gegen die Mehrheit der Wickerer und gegen den politischen Willen der Stadt Flörsheim geben, erklärte Kreis-SPD-Chef Michael Antenbrink.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare