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Hindernisse sollen beseitigt werden

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Das Steuern des Löschfahrzeugs durch die engen Gassen ist häufig Millimeterarbeit. Da muss der Fahrer sein Fahrzeug gut beherrschen. kröner
Das Steuern des Löschfahrzeugs durch die engen Gassen ist häufig Millimeterarbeit. Da muss der Fahrer sein Fahrzeug gut beherrschen. kröner © Sascha Kröner

Für die Feuerwehr gibt es im Weilbacher Ortskern mehr als nur ein Nadelöhr

Flörsheim - Die gesetzliche Hilfsfrist für Feuerwehreinsätze beträgt zehn Minuten. Innerhalb dieser Zeit müssen die Retter nach der Notrufannahme am Einsatzort eingetroffen sein. Grundsätzlich sollte die Vorgabe für die Weilbacher Brandschützer kein Problem darstellen. Vom Gerätehaus in der Industriestraße lässt sich jedes Wohngebiet des Flörsheimer Stadtteils schnell erreichen.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Feuerwehr auch tatsächlich durch die Straßen fahren kann, die zum Ziel führen. Dass geparkte Fahrzeuge zu zeitraubenden Hindernissen werden können, demonstrierte Wehrführer Peer Neugebauer bei einer Kontrollfahrt.

Die eindrucksvollen Maße des Löschfahrzeugs LF 20 werden bereits beim Einsteigen deutlich. Wer in der Fahrerkabine des rund 9 Meter langen, 2,50 Meter breiten und 3,30 Meter hohen Wagens mitfahren möchte, der muss klettern. Auf dem Sitz angekommen, sind Mitfahrer gleich von mehreren Spiegeln und Bildschirmen umgeben. Eine sogenannte Birdview-Funktion ermöglicht es, alle Seiten des Fahrzeugs auf einem Monitor einzusehen. Ohne diese Hilfsmittel wäre die anstehende Fahrt durch Weilbacher Wohngebiete kaum zu bewältigen.

Über den großen Vorplatz der Feuerwehr in die Industriestraße einzubiegen, ist keine große Herausforderung - und auch ein erstes Hindernis beim Abbiegen in Richtung Raunheimer Straße lässt sich leicht meistern. Peer Neugebauer kann im Kreuzungsbereich weit ausholen, um ein geparktes Auto an der Ecke zu umfahren. Kaum verlassen wir die Durchfahrtsstraßen, wird es jedoch spannend. Als der Weilbacher Wehrführer und Flörsheimer Stadtbrandinspektor von der Rüsselsheimer Straße geradeaus in die Johanneskirchstraße fährt, geht es nur noch im Schneckentempo voran. Gleich zu Beginn der Straße sind wir von mehreren Hindernissen umgeben, die nur wenige Zentimeter Luft zum Löschfahrzeug lassen. Rechts stehen geparkte Autos am Straßenrand, links ragt das Heck eines Fahrzeugs aus einem Privatgrundstück. Stück für Stück arbeitet sich Neugebauer voran. Hinter den Fahrzeugen auf der linken Seite folgen ein Zaun und ein Vordach, an dem der Einsatzwagen gerade so mit einem Abstand von etwa drei Zentimetern vorbei passt.

Im weiteren Ortskern folgt ein Nadelöhr auf das andere. Schon das normale Rechtsabbiegen von der Johanneskirchstraße in den Erbsenberg ist unmöglich, weil ein Lieferwagen genau in der Kurve parkt. Wir kommen an dieser Stelle nur voran, indem Peer Neugebauer über den Gehweg fährt. Es schließt sich ein Slalom-Parcours über den Erbsenberg an, bei dem sich der Fahrer vorsichtig zwischen markierten Parkplätzen und Hauswänden durchschlängeln muss. „Hier sind wir schon mal an einer Dachrinne hängengeblieben“, erinnert sich der Feuerwehrmann. Ob das neun Meter lange LF 20 durch die engen Durchfahrten passt, hänge davon ab, ob man im richtigen Winkel anfährt. Die Hinterachse sei meist das Problem. Die Fahrt durch den Ortskern endet an der Zufahrt von der Schloßstraße zur Hintergasse, die an diesem Tag durch eine Baustelle zusätzlich verengt ist. Das Löschfahrzeug kommt hier nicht durch und wir müssen zurücksetzen.

Eng wird es auch im Wiesenring, auf dem Autos in den Kurven parken. Die Fahrt über einen abgesenkten Bordstein ermöglicht es jedoch, voranzukommen und das gesamte Wohngebiet zu durchfahren. Auf der Rückfahrt zum Feuerwehrhaus stößt Neugebauer noch auf ein Hindernis an der Ecke Wiesenstraße/Haydnstraße: Ein Pkw-Halter hat den Abstand zur Kurve nicht eingehalten und genau im Wende-Radius des LF 20 geparkt. Für Peer Neugebauer ist dies kein Zustand. „Wir müssen unsere Arbeit machen können“, betont der Weilbacher.

Die Herausforderungen für die Weilbacher Feuerwehr sind der Flörsheimer Verwaltung bekannt. Die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin Nadine Spiegel nahm im Sommer ebenfalls an einer Befahrung des Ortskerns teil. Anfang 2023 will das Ordnungsamt mehrere Maßnahmen umsetzen, die mit dem Stadtbrandinspektor abgesprochen wurden. „Wir wollen nicht leichtfertig Parkplätze wegnehmen“, sagt Neugebauer. In einzelnen Fällen sei dies jedoch notwendig, erläuterte Nadine Spiegel in der Verkehrskommission. Die genauen Konsequenzen sollen demnächst noch bekanntgegeben werden. Außerdem plant die Verwaltung ähnliche Befahrungen mit den Feuerwehren der anderen Stadtteile.

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