Flörsheim

Flörsheim zwischen Siedlungsstopp und neuen Wohngebieten

  • schließen

Die Flörsheimer Bürger sollen bei der Erstellung eines Stadtentwicklungskonzeptes mitreden. Zur Auftaktveranstaltung mit dem Planungsbüro kamen mehr als 400 Besucher in der Stadthalle.

Gleich zu Beginn der Bürgerversammlung am Montagabend geht ein Raunen durch den großen Saal der Stadthalle. Ein Zuzugspotenzial von 5000 Menschen habe der Regionalverband für Flörsheim und seine Stadtteile errechnet, sagt Bürgermeister Bernd Blisch (CDU). Die 22 000-Einwohner-Stadt würde dann um etwa ein Viertel wachsen. „Du meine Güte, wo sollen die Leute denn alle hin“, sagt ein Zuhörer. „Dafür haben wir doch gar keinen Platz.“

Flörsheim bewege sich beim Thema Stadtentwicklung in einem Spannungsfeld, räumt Blisch ein. Als Stadt, die von Frankfurt aus in 30 Minuten mit der S-Bahn erreichbar sei und damit zum von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) definierten „Frankfurter Bogen“ gehöre, „sind wir in der Verantwortung, zur Lösung der Wohnungsnot in der Rhein-Main-Region beizutragen“. Auf der anderen Seite gebe es nach dem Flughafenausbau einen Siedlungsstopp in der Kernstadt. In den Stadtteilen könnten zwar noch Wohnbaugebiete entwickelt werden. Das Weindorf Wicker und der Stadtteil Weilbach drohten aber bei zu viel Zuzug, ihren spezifischen Ortscharakter zu verlieren. Verkehrsfragen seien ungeklärt, die Infrastruktur reiche nicht aus für 100 weitere Familien.

Das integrierte Stadtentwicklungskonzept, das das Parlament vor kurzem in Auftrag gegeben hat, soll helfen, die „konkurrierenden Ziele“ zur Zukunft Flörsheims in Einklang zu bringen. Jeder Stadtteil werde dabei separat betrachtet. Am Ende solle auch ein „Narrativ“ für die Gesamtstadt entwickelt werden, verspricht Blisch. Architekt Martin Fladt, dessen Planungsbüro „Umbau Stadt“ das Konzept für Flörsheim erarbeiten soll, kündigt eine breite Bürgerbeteiligung an. „Die endgültigen Entscheidungen trifft das Parlament, aber Sie als Bürger können mitreden, wie Ihre Stadt in 20 oder 30 Jahren aussehen soll.“ Die Bandbreite der Themen werde von der städtebaulichen Entwicklung über Umwelt- und Verkehrsfragen bis zu Kultur und Sport oder Kriminalprävention reichen. Chancen und Risiken, Stärken und Schwächen der Stadt würden gegeneinander abgewogen und am Ende Projekte definiert, die umsetzbar seien, verspricht er. „Einen Ideenfriedhof mit einer langen Liste von Projekten, die alle im Sande verlaufen, wollen wir nicht produzieren.“

Unter den mehr als 400 Zuhörern der Auftaktveranstaltung macht sich am Montagabend trotz allem Skepsis breit. „Wo liegt für mich als Flörsheimer der Vorteil, wenn die Stadt wächst?“, will ein Bürger wissen. „Wer finanziert den Ausbau der Infrastruktur? Und was passiert, wenn die Mehrheit der Bürger dagegen ist?“, fragt eine Frau. Andere sehen durchaus Vorteile, wenn Menschen zuziehen. Die Nachbarstädte Hattersheim und Hochheim, die in der jüngsten Vergangenheit große Baugebiete entwickelt haben, werden als Vorbilder genannt. „Niemand sagt, dass Flörsheim um eine bestimmte Anzahl von Einwohnern wachsen muss“, beruhigt Blisch. Andererseits gebe es junge Menschen, die aus der Stadt wegziehen müssten, weil sie keine bezahlbaren Wohnungen fänden. „Diesen Aspekt müssen wir im Blick behalten.“

Zurückhaltend äußern sich die Vertreter der Flörsheimer Parlamentsfraktionen, die am Montagabend mit auf dem Podium sitzen. Ein klares Bekenntnis zur Schaffung von neuem Wohnraum kommt von SPD-Fraktionschefin Marion Eisenmann-Kohl. CDU, Freie Bürger und FDP wollen darauf achten, dass die Stadt „behutsam“ entwickelt wird. Auch ohne neues Stadtviertel werde Flörsheim weiter wachsen, sagt Frank Laurent, Fraktionschef der Grünen Alternativen Liste Flörsheim (Galf). „Dafür müssen wir die Infrastruktur schaffen, um die Menschen in unserer Stadt gut zu integrieren.“

Das Konzept 

Das Büro Umbau Stadtist beauftragt, ein integriertes Stadtentwicklungskonzept für Flörsheim zu erarbeiten. Die Stadtplaner und Architekten arbeiten auch an Konzepten für Wiesbaden, Fulda und Mörfelden-Walldorf.

Themen,die in den nächsten Monaten betrachtet werden, sind unter anderem Wohnen, Infrastruktur, Verkehr, Gewerbe, Energie, Klimaschutz und Bildung. 

Bürgerbeteiligungist an Infoständen, bei Quartiersrundgängen und in Werkstattgesprächen geplant. 

Bis Ende 2020sollen die Ergebnisse vorliegen. Haushaltsmittel von 200 000 Euro sind für das Thema Stadtentwicklung bereit gestellt. 

22 000 Menschenleben in Flörsheim. Rund 14 000 sind in der Kernstadt zu Hause, 4000 in Weilbach, 3500 in Wicker und 670 im Stadtteil Keramag-Falkenberg. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare