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Demonstration gegen Fluglärm auf dem Schulhof der Paul-Maar-Schule in Flörsheim.
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Demonstration gegen Fluglärm auf dem Schulhof der Paul-Maar-Schule in Flörsheim.

Flörsheim

Flörsheim: Solidaritätsverein gegen Nordwestlandebahn löst sich auf

Der Verein Für Flörsheim gibt den Kampf gegen den Flughafenaubau auf. Juristen sehen keine Chance mehr, Verfahren gegen das Land Hessen und Fraport zu gewinnen.

Die Nordwestlandebahn gehört stillgelegt, sie hätte nie gebaut werden dürfen.“ Immer und immer wieder hat Hans-Jakob Gall diesen Satz gesagt und einen „Volksaufstand“ in Flörsheim prophezeit, sollte es nicht leiser werden in der Einflugschneise. Egal ob bei Vereinsversammlungen, in öffentlichen Infoveranstaltungen, bei Fluglärmprotesten oder in Presseinterviews – Gall gab sich stets kämpferisch und versprühte Optimismus. Der 86-Jährige ist Vorsitzender des Solidaritätsvereins „Für Flörsheim“. Im Jahr 2000, als die Fraport bekanntgab, den Frankfurter Flughafen durch eine weitere Landebahn im Westen erweitern zu wollen, wurde er gegründet.

Der Zulauf war groß. Mehr als 1000 Menschen gehörten dem Verein zeitweise an. Die Mitglieder verfolgten ein gemeinsames Ziel: Keine Flugzeuge sollten mehr in geringer Höhe über die Wohnhäuser im Norden der Flörsheimer Kernstadt donnern, ehe sie auf der Landebahn im Kelsterbacher Wald aufsetzen. Der Solidaritätsverein ließ Gutachten erstellen, um zu belegen, dass Fluglärm krank macht. Er beschäftigte Anwälte, schickte Musterkläger vor Gericht, um eine Stilllegung der Nordwestbahn zu erreichen oder zumindest den Anflug schwerer Maschinen über Flörsheim zu verhindern.

20 Jahre später muss Hans-Jakob Gall eingestehen: „Es hat am Ende alles nichts genutzt, wir hatten keine Chance, juristisch gegen das Land Hessen zu gewinnen. Die Nordwestbahn bleibt, und es werden weiterhin Flugzeuge auf ihr landen.“

Nun stehe der Verein kurz vor der Auflösung, bestätigte Gall im Gespräch mit der FR. Das Wort Niederlage kommt ihm nicht über die Lippen. Er sagt: „Dass unser Kampf so endet, macht mich betroffen. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass sich etwas ändert, dass die Nordwestbahn infrage gestellt wird. Aber wir hatten keinen Erfolg.“

Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Juli besiegelte das Aus des Solidaritätsvereins. Die in Karlsruhe vorliegenden Beschwerden aus Flörsheim wurden ohne Begründung abgelehnt. Der Verein hatte zuletzt gerügt, dass von Großflugzeugen erzeugte Wirbelschleppen mit herabfallenden Dachziegeln Musterkläger:innen aus der Stadt in ihren Grundrechten auf Eigentum, auf Leben und Gesundheit verletzten. Die Verfassungsrichter wollten sich mit diesem Thema nicht befassen.

Alle innerstaatlichen Rechtsmittel gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des Flughafens seien damit erschöpft, bedauert Gall. Rechtsanwalt Martin Schröder habe davon abgeraten, zum Europäischen Gerichtshof zu gehen. „Unsere Klagen hätten dort keinen Erfolg“, sagt Gall.

Im November will Hans-Jakob Gall den Mitgliedern die Vereinsauflösung vorschlagen. Dann wird er auch die Summe nennen, die in den vergangenen mehr als 20 Jahren für den Kampf gegen den Flughafenausbau ausgegeben wurde. Dass weder Kommunalpolitik noch Bürgerinnen und Bürger auf die Nachricht, der Kampf gegen die Nordwestlandebahn sei zu Ende, in besonderer Weise reagiert haben, wundert Gall nicht. „Die meisten haben ohnehin längst aufgegeben und nicht mehr damit gerechnet, dass wir vor Gericht noch etwas erreichen.“

Dabei hätten der Verein und die Musterkläger doch auch etwas bewegt, findet Gall. Durch den Druck von Eilanträgen in Sachen Wirbelschleppen habe sich das Land Hessen genötigt gesehen, das Dachklammerprogramm anzuordnen. Die Fraport muss es finanzieren.

Zudem habe der Flughafenbetreiber die im Planfeststellungsbeschluss festgeschriebene Nachtruhe zwischen 23 und fünf Uhr aufweichen wollen, ist er überzeugt. „Unsere Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig haben das verhindert.“

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