1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Flörsheim

Flörsheim: Neue Brutplätze für den Steinschmätzer

Erstellt:

Von: Andrea Rost

Kommentare

Der Landschaftspflegeverband Main-Taunus hat auf dem Gelände des Regenrückhaltebeckens in Hochheim neue Nistmöglichkeiten für den Steinschmätzer geschaffen.
Der Landschaftspflegeverband Main-Taunus hat auf dem Gelände des Regenrückhaltebeckens in Hochheim neue Nistmöglichkeiten für den Steinschmätzer geschaffen. © Renate Hoyer

Auf der Rhein-Main-Deponie in Flörsheim lebt die größte Population des Steinschmätzers in Hessen. Jetzt gibt es in der Nachbarstadt Hochheim neue Nisthilfen für den vom Aussterben bedrohten Zugvogel.

Zwei Wochen noch, dann ist er wieder da: Der Steinschmätzer kommt Ende März aus seinem Winterquartier im südlichen Afrika nach Mitteleuropa zurück. 4000 Kilometer bewältigen die 25 Gramm leichten Zugvögel mühelos, einige schaffen sogar bis zu 15 000 Kilometer. Auch wenn sie zäh und robust sind, so sieht und hört man die kleinen Singvögel nur noch selten bei uns. In Deutschland sind sie vom Aussterben bedroht.

Das hängt mit den Nährstoff-einträgen in der Luft zusammen, die die Vegetation vielerorts üppig anwachsen, Sandheiden aber verschwinden lassen. Brutgelegenheiten für den Steinschmätzer, der steiniges Gelände und spärliches Grün liebt sowie trockene Höhlen zum Nestbau braucht, werden immer rarer, Brachen rasch zugebaut.

Im Main-Taunus-Kreis ist das anders. Die Rhein-Main-Deponie im Flörsheimer Stadtteil Wicker ist ein Ort, an dem seit mehr als zehn Jahren Steinschmätzer nisten, und es werden immer mehr. Von 47 Revieren spricht die Geschäftsführerin des Main-Taunus Naturlandschaft- und Streuobst- Vereins, Barbara Helling. 2020 seien 72 Jungvögel auf dem Deponiegelände geschlüpft. „Wir haben hier die größte Population des Steinschmätzers in Hessen.“

In Mauernischen und an steinigen Böschungen nisten die kleinen Singvögel. Mehrere künstliche Steinhaufen wurden bereits auf dem Deponiegelände angelegt, um zusätzliche Brutplätze zu schaffen. Dass Lastwagen und andere Maschinen an ihren Nestern vorbeifahren, stört die Steinschmätzer offenbar nicht. Ebenso wenig lassen sie sich vom Autoverkehr auf der nahen Bundesstraße abschrecken. „Wichtig ist für die Vögel ein offenes Gelände mit niedriger Vegetation und dass sie vor dem Zugriff von Menschen geschützt sind“, sagt Barbara Helling.

Weil die Rhein-Main-Deponie kaum noch Platz für neue Nistmöglichkeiten bietet, hat der Landschaftspflegeverband jetzt auf dem Gelände des Regenrückhaltebeckens in der Nachbarstadt Hochheim vier weitere Brutplätze für Steinschmätzer geschaffen. Das Areal an der Frankfurter Straße ist niedrig bewachsen und eingezäunt. Wenn die Vögel hier nisten, sind sie ungestört.

Mit Unterstützung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer wurden in den Weilbacher Kiesgruben größere und kleinere Blöcke von rotem Mainsandstein vorsortiert. Sechs Tonnen Material wurden anschließend nach Hochheim transportiert und dort zu vier Haufen mit für den Steinschätzer passenden Nisthöhlen aufgeschichtet. Damit die Brutplätze nicht rasch von Pflanzen überwuchert werden, dichtet sie ein Vlies gegen den Erdboden ab.

Die Kosten in Höhe von 3000 Euro habe der Hessische Biodiversitätsfonds übernommen, berichtete die Erste Kreisbeigeordnete und Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes im Main-Taunus-Kreis, Madlen Overdick (Grüne).

„Dass die Nistmöglichkeiten von den Vögeln bisher so gut angenommen wurden, zeigt, dass wir mit dem Projekt auf dem richtigen Weg sind, um dem Lebensraumverlust des Steinschmätzers bei uns im Landkreis ein Stück weit entgegenzuwirken“, ist Overdick überzeugt.

Auch interessant

Kommentare