Flörsheim: Hochwasser am Main. Zwei Mädchen gehen mit einem Hund im Überschwemmungsbereich Gassi am Flörsheimer Mainufer.
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Flörsheim: Hochwasser am Main.

Flörsheim

Mehr Platz für Hochwasser am Main

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Die Deiche zwischen Flörsheim und dem Hattersheimer Stadtteil Eddersheim sollen landeinwärts verlegt werden. Einem Jahrhunderthochwasser würden sie nicht mehr standhalten.

Einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen alle 25 Jahre vorkommt, hält der Maindeich in Flörsheim noch stand. Im Hattersheimer Stadtteil Eddersheim würde die Deichanlage sogar halten, wenn das Ufer so stark überflutet würde wie das im Schnitt alle 40 Jahre vorkommt. Bei einem Jahrhunderthochwasser aber wären die Menschen, die in den beiden Mainstädten nur wenige Meter vom Flussufer entfernt leben, nicht mehr sicher.

Es bestehe dann die Gefahr, dass die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Maindeiche brechen, haben Experten herausgefunden. Nach Auswertungen des Hochwasser-Risikomanagementplanes für den Main wären in Flörsheim und Eddersheim rund 2000 Bewohnerinnen und Bewohner von den Wassermassen betroffen. Mehrere Hundert Gebäude könnten bei einem Jahrhunderthochwasser beschädigt oder zerstört werden. Der Wiederaufbau würde viele Millionen Euro kosten. Weil geeignete Zufahrtswege fehlen, könnten die Deichanlagen auch nicht entsprechend verteidigt werden.

Seit fast 20 Jahren wird deshalb über die Sanierung der kommunalen Maindeiche auf einer Strecke von 4,5 Kilometern zwischen den beiden Städten diskutiert. Seit 2018 steht fest, dass der Bund und das Land Hessen die Kosten in Höhe von voraussichtlich acht Millionen Euro übernehmen. Das Geld kommt aus dem Nationalen Hochwasserschutzprogramm sowie über eine Investitionszuwendung aus dem Kommunalen Finanzausgleich.

Deichlinie ins Landinnere zurückverlegen

Die Pläne, die das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) als Landesbehörde für den staatlichen Wasserbau in den letzten Monaten ausgearbeitet hat, sehen vor, dass zwischen Eddersheim und Flörsheim die Deichlinie ins Landinnere zurückverlegt und die Deichkrone abgesenkt wird. Außerdem wird östlich von Flörsheim ein neuer Querdeich gebaut. Zusätzliche Retentionsräume im Mainvorland sollen auf diese Weise entstehen, die mit rund 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser geflutet werden können, um den rapiden Anstieg eines Hochwassers zu verlangsamen. Überflutet würden dann vor allem landwirtschaftliche Flächen, die bewohnten Ortslagen der beiden Mainstädte blieben verschont.

Diverse Daten zu Schutzgebieten, Bodendenkmälern, Versorgungsleitungen sowie Rad- und Fußwegen seien seit März dieses Jahres gesammelt worden, teilte RP-Sprecher Christoph Süß mit. Außerdem fanden Vermessungsarbeiten am Damm statt. Nun geht es weiter mit geotechnischen Erkundungen sowie Bohrungen. Der Zustand der Deichanlage und des Untergrundes soll überprüft werden.

Gearbeitet wird bis Ende Dezember mit Sondierraupen. Die kleinen Bohrgeräte kommen im Gebiet zwischen Flörsheim und Eddersheim auf Feldwegen sowie auf dem Deich selbst zum Einsatz. Gebohrt wird auch innerorts, etwa in der Anker- und Mönchhofstraße in Eddersheim oder in der Mainuferanlage.

Eine Sondierung dauert zwei bis drei Stunden. Der Kampfmittelräumdienst muss die vier bis sechs Meter tiefen Bohrlöcher freigeben beziehungsweise einen eventuellen Bombenfund rechtzeitig entschärfen.

Für die Dauer der Sondierungsarbeiten ist der Mainradweg, der zum Teil auf der Deichkrone verläuft, gesperrt. Eine Umleitung ist ausgeschildert.

Baubeginn für die Deichrückverlegung zwischen Hattersheim und Flörsheim wird nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt frühestens im Jahr 2024 sein. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten wird Ende 2027 gerechnet.

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