Flörsheim

Flörsheim: Kreistag stoppt Deponie-Ausbau in Wicker

Nach massiven Bürgerprotesten werden die umstrittenen Erweiterungspläne für die Rhein-Main-Deponie in Flörsheim-Wicker aufgegeben. Wie die Nachsorgekosten für den Müllberg finanziert werden sollen, ist offen.

Auf dem Areal der Rhein-Main-Deponie (RMD) in Flörsheim-Wicker wird keine Deponie auf der Deponie gebaut. Das hat der Main-Taunus-Kreistag gestern Abend einstimmig beschlossen. Die zuständigen Gremien des kommunalen Entsorgungsunternehmens, dessen Gesellschafter der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis sind, wurden von den Abgeordneten aufgefordert, keine weiteren Untersuchungen zu dem Projekt in Auftrag zu geben. Über die voraussichtlich anfallenden Nachsorgekosten für die Wickerer Deponie, die sich bereits in der Stilllegungsphase befindet, soll der Kreisausschuss informieren, und auch darlegen, wie sie gedeckt werden können.

Die Entscheidung des Kreisparlamentes in Hofheim setzt den Schlusspunkt hinter eine seit Monaten andauernde Diskussion über die Möglichkeit, durch einen Ausbau der Deponie in Wicker zusätzliche Ablagerungsflächen für insgesamt bis zu fünf Millionen Tonnen Schlacke aus den Verbrennungsanlagen der Region zu schaffen. Die Anwohner des Müllberges in Flörsheim und Hochheim hatten dafür von Anfang an wenig Verständnis. Bereits bei einem ersten Bürgerinformationsabend im November vergangenen Jahres, bei dem der damalige RMD-Geschäftsführer Heino von Winning das Projekt vorstellte, regte sich massiver Widerstand. Kurz darauf verabschiedete das Flörsheimer Parlament eine Resolution gegen die Deponie auf der Deponie. Anfang April verlangte die Main-Taunus-SPD, die Ausbauplanungen einzustellen. Im Mai äußerten die Linken Bedenken, nachdem die Initiative Gegenwind 2011 in offenen Briefen massive Vorwürfe gegen die Deponiebetreiber erhoben hatte. Vor wenigen Tagen schließlich kündigte auch die Kreistagskoalition aus CDU, Grünen und FDP an, man werde eine Deponie auf der Deponie ablehnen. In Anbetracht der Bürgerproteste bräuchte man seitens der Politik überragende Argumente für einen Ausbau, sagte CDU-Fraktionschef Frank Blasch. „Diese Argumente gibt es aber einfach nicht.“

Als Vorschlag fand sich die Idee, eine Deponie auf der Deponie zu errichten, bereits in dem Sanierungskonzept, das die Gesellschafter 2017 für den Müllkonzern hatten ausarbeiten lassen. Wegen gesetzlich verlängerter Nachsorgezeiten und Niedrigzinsen war die RMD in finanzielle Schieflage geraten. Offenbar habe man gedacht, auf diese Weise noch viel Geld verdienen zu können, um die gestiegenen Kosten der Deponienachsorge zu bezahlen, sagt SPD-Sprecher Michael Antenbrink. Bis heute sei der Nachweis der Wirtschaftlichkeit einer Deponie auf der Deponie jedoch ausgeblieben. Nun gelte es, ein Konzept für eine nachhaltige Zukunft der Gesellschaft zu entwickeln.

Der Betriebsrat von RMD und Main-Taunus-Recycling GmbH (MTR) bedauerte das Aus für die Ausbaupläne. Die Schaffung neuer Deponiekapazitäten in Wicker und auf der Deponie Brandholz im Hochtaunus hätte die Sicherung der 130 Arbeitsplätze der Gesellschaft bedeutet, teilte Vorsitzende Katja Metz mit.

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