Die Therapiehunde Emma (vorne) und Sissi im Hospiz Lebensbrücke in Flörsheim. Michael Schick
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Die Therapiehunde Emma (vorne) und Sissi im Hospiz Lebensbrücke in Flörsheim. Michael Schick

Flörsheim

Flörsheim: Hospizhündin Emma ist tot

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Mit einer Feier im Wiesbadener Hospiz Bärenherz will Ivana Seger Abschied nehmen von ihrer Therapiehündin, die am Sonntag gestorben ist. Künftig wird sie mit Labradorhündin Sissi Palliativstationen und Hospize im Rhein-Main-Gebiet besuchen.

Elf Jahre lang hat Emma Schwerkranken und deren Angehörigen in Hospizen und Palliativstationen im ganzen Rhein-Main-Gebiet Trost gespendet. Fast 100 Menschen sind mit der Therapiehündin im Arm gestorben. Jetzt ist Emma tot. „Meine Heldin ist am Sonntag um 16 Uhr in meinem Arm für immer eingeschlafen“, teilte Ivana Seger der FR mit. „Ich bin zutiefst traurig.“

Ivana Seger ist ausgebildete Altenpflegerin und Palliativschwester und war die erste in Hessen, die einen Hund in Krankenhäuser und Hospize mitbringen durfte. Emma wurde dort schnell zum Eisbrecher. Selbst Menschen, die sich aufgrund ihrer schweren Erkrankung zurückgezogen und jeden Lebensmut verloren hatten, waren plötzlich wieder für das Pflegepersonal erreichbar. Wenn Emma Angehörigen den Kopf in den Schoß legte und sich streicheln ließ, konnten endlich die Tränen fließen.

„Emma-Effekt“ nannte Ivana Seger dieses Phänomen. In einem Buch hat die Flörsheimerin ausführlich darüber geschrieben. Beiträge haben auch Angehörige von ehemaligen Hospizbewohnern, Eltern, deren Kinder im Wiesbadener Hospiz Bärenherz gestorben sind und Mitarbeiter von Hospiz- und Palliativstationen beigesteuert.

Weil es Emma in den letzten Wochen bereits gesundheitlich sehr schlecht ging, war Seger seit Ende Januar mit ihr auf Abschiedstour durch die Einrichtungen, in denen sie jahrelang mit der Hündin gearbeitet hat.

Bei den Besuchen mit dabei war auch Segers zweite Labradorhündin Sissi. Schon vor einigen Jahren hatte sie das Tier bei sich aufgenommen, um eine Nachfolgerin für Emma in der Hospizarbeit zu haben. Sissi lernte von Emma, wie man schwerkranken Menschen begegnet und dass das Zimmer eines Patienten erst betreten werde darf, wenn Ivana Seger dies mit dem Kommando „Okay“ gestattet.

Den Abschied von Emma hat Ivana Seger bereits in ihrem Buch beschrieben. Die Hündin soll eingeäschert werden, im Wiesbadener Hospiz Bärenherz ist eine Abschiedsfeier geplant. Aus der Asche von Emma lässt sich Seger einen Stein in ihrer Fellfarbe pressen, den sie für immer am Finger tragen wird.

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