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Mobilitätstour bei Flörsheim-Weilbach.

Flörsheim

Flörsheim: Mit Forschern im Regionalpark lernen

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Die Wissenschaftstouren für Schüler, die die Frankfurter Goethe-Universität zusammen mit dem Regionalpark konzipiert hat, sind als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden. Damit das Projekt weiterlaufen kann, werden neue Geldgeber gesucht.

Es sollten Lernorte außerhalb des Klassenzimmers sein, „authentisch für die Rhein-Main-Region“ und gut geeignet, um Schülerinnen und Schülern die Arbeit von Wissenschaftlern näherzubringen. Auf der Aussichtsplattform an der Autobahn 3 zwischen Flörsheim und Weilbach, am Bachlauf des Schwalbach unterhalb von Kronberg und im Offenbacher Wetterpark hat Christian Dietz sie gefunden. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Didaktik der Biowissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität und hat diese ganz besonderen Lernorte in der Natur, die „Science-Tours“ für Siebt- bis Zehntklässler, konzipiert. Vier Jahre lang ist das gemeinsame Bildungsprojekt des Regionalparks Rhein-Main und der Frankfurter Goethe-Universität gelaufen. 80 Schulklassen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet haben daran teilgenommen. Jetzt wurden die Wissenschaftstouren für Schüler als vorbildliches Projekt zur UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland ausgezeichnet.

Die Rhein-Main-Region als Ballungsraum mit starken Gegensätzen, polyzentrischer Struktur und über zwei Millionen Arbeitsplätzen sei ein idealer Ort, um sich mit den Themen der Zukunft zu beschäftigen, sagte Staatsminister und Chef der Hessischen Staatskanzlei Axel Wintermeyer (CDU), der die Auszeichnung im Regionalparkportal an den Weilbacher Kiesgruben überreichte. „Es ist gut, wenn junge Menschen Verantwortung übernehmen, ihre Fähigkeiten zum Diskurs stärken und früh an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt werden.“

Die Landschaft im Regionalpark sei Freiraum in einer durchaus belasteten Region, sagte Regionalpark-Geschäftsführer Kjell Schmidt. „Wir können beides bedienen: Funktionalität und Emotionalität.“ Der Goethe-Universität liege daran, mit den Science-Tours den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Region zu fördern, betonte der Leiter der universitären Kommunikationabteilung, Olaf Kaltenborn. „Wir wollen einen Bildungstrieb bei den Schülern auslösen.“

Die Auszeichnung Die Vereinten Nationenhaben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken.

Über die Auszeichnungvon Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury. Bewerben kann man sich online bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt unter www.undekade-biologischevielfalt.de.

Die Science-Toursim Regionalpark haben insgesamt 210 000 Euro gekostet. Größter Geldgeber für das Bildungsprojekt war die Flughafenstiftung mit 140 000 Euro. Weitere Förderer sind der Regionalverband, der Regionalpark und die Goethe-Universität.

Informationenunter http://regionalpark-sciencetours.de/

Biodiversität, Mobilität und Klima nannte Christian Dietz im Gespräch mit der FR als Themenschwerpunkte der Touren. Auf der Aussichtsbastion an der A3 bei Bad Weilbach hätten die Schüler beispielsweise Verkehrszählungen gemacht, die CO2-Belastung errechnet und den Schallpegel gemessen. Danach konnten sie ein Mobilitätskonzept für die Zukunft entwerfen. Die Tour im Wetterpark Offenbach befasste sich mit dem Stadtklima, mit der Bedeutung von Grüngürtel und Frischluftschneisen, der Wirkung von Baustoffen und der Fassadengestaltung.

Wie Gewässerökologen arbeiten, lernten die Schülerinnen und Schüler am Bachlauf des Schwalbachs zwischen Kronberg und Schwalbach. Kleinstlebewesen wurden dort mit der Lupe betrachtet, chemische Parameter des Wasser bestimmt und die Uferbepflanzung analysiert.

Weil die Stiftung Flughafen Frankfurt/Main und der Regionalverband das Projekt gefördert haben und auch der Regionalpark Rhein-Main und die Goethe-Universität einen Beitrag leisteten, waren die von Wissenschaftlern und Studierenden begleiteten Science Tours für Schulklassen bislang kostenlos.

Nun laufen die Förderungen aus und es werden neue Geldgeber gesucht. „Wir wollen das Bildungsprojekt nicht einschlafen lassen, es auf jeden Fall weiterführen“, sagte Christian Dietz der FR. Die Touren könnten eventuell in das Programm des Schülerlabors für Biologie an der Frankfurter Goethe-Universität integriert werden. Es läuft seit 2008. Pro Jahr nehmen zwischen 1000 und 1500 Jugendliche daran teil.

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