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Das Hospiz in Flörsheim ist für gewöhnlich ein offenes Haus. Jetzt gelten wegen der Corona-Pandemie strenge Zugangsregeln.

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Flörsheim: Ehrenamtliche Helfer dürfen Hospiz wegen Corona nicht mehr betreten

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Die Betreuung todkranker Menschen hat sich in Corona-Zeiten stark verändert. Ehrenamtliche dürfen das Hospiz Lebensbrücke in Flörsheim nicht mehr betreten und auch die Ärzte kommen nur noch in Notfällen vorbei.

Von außen sieht das Hospiz „Lebensbrücke“ in der Flörsheimer Dalbergstraße aus wie immer: Das Gebäude strahlt in sattem Gelb und Orange in der Frühlingssonne. Auf einigen der Balkone sitzen Bewohner. Es sind schwerkranke Menschen, die sich entschieden haben, die letzte Zeit ihres Lebens hier zu verbringen – umsorgt von speziell ausgebildeten Pflegefachkräften, Ärzten und ehrenamtlichen Hospizhelfern.

Üblicherweise dürfen die „Gäste“ des Hospizes rund um die Uhr von Angehörigen und Freunden besucht werden, in Zeiten der Corona-Pandemie ist das nicht mehr möglich. Seit Mitte März sei auch der Zutritt zu den stationären Hospizen in Hessen streng reglementiert worden, sagt Christa Hofmann, die das Flörsheimer Hospiz leitet. Jeder Gast könne nun nur noch zwei Personen in seinem Zimmer empfangen. „Wer das sein soll, muss im Voraus festgelegt und in einer Liste eingetragen werden.“ Nur wenn jemand im Sterben liege, werde eine Ausnahme gemacht. „Dann können auch mehrere Familienangehörige gleichzeitig kommen“, sagt Christa Hofmann.

Draußen bleiben müssen wegen der Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus auch die ehrenamtlichen Hospizhelfer. Rund 60 sind im Flörsheimer Hospiz für gewöhnlich im Einsatz. Abrupt habe ihr Engagement Mitte März geendet, erzählt Dorothee Jantz, die seit 13 Jahren mitarbeitet. „Das ist ein gewaltiger Einschnitt, und es macht mich traurig“, sagt die Hattersheimerin. Sie habe jedoch vollstes Verständnis für diese Entscheidung. „Die Sicherheit der Hospizgäste und des Personals geht vor.“

Mit 75 Jahren gehört Dorothee Jantz selbst zur Corona-Risikogruppe und rechnet deshalb nicht damit, sobald wieder in die Hospizarbeit einsteigen zu können. „Wenn die Regelungen gelockert werden, dürfen wohl erst die Jüngeren wieder rein“, vermutet sie. Ein kleines bisschen mithelfen in der Hospizarbeit kann sie am Ende aber doch, auch wenn sie das Haus in der Dalbergstraße nicht betreten darf. In ihrer Nachbarschaft habe sie eine Frau aus Afghanistan gefunden, die gut nähen könne, erzählt Dorothee Jantz. „Sie hat schon ein Dutzend Mund- und Nasenmasken für die Mitarbeiter im Hospiz genäht.“ Christa Hofmann ist froh darüber und weiß auch von anderen Hospizhelfern, die sich auf diese Weise von zu Hause aus engagieren. „Es ist schön zu sehen, wie alle in der Krise zusammenhelfen.“

Die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer im Hospiz werde zurzeit vom hauptamtlichen Pflegepersonal aufgefangen, sagt Christa Hofmann. 30 Mitarbeiter seien im Einsatz, alle zwölf Betten des Hospizes seien belegt. Sollte ein Zimmer frei werden, könne es auch in Corona-Zeiten neu belegt werden. „Unsere Pflegekräfte sind alle gesund und sehr vorsichtig mit sozialen Kontakten, damit sie sich nicht anstecken“, sagt Christa Hofmann. Die Gäste des Hospizes hätten Verständnis für die Einschränkungen, die sie wegen der Corona-Pandemie hinnehmen müssen. „Die Menschen sind zwar selbst schwerkrank, aber sie möchten trotzdem noch möglichst lange Zeit haben, zu leben.“ Über das Coronavirus werde zwar gesprochen, aber es sei nicht das alles beherrschende Thema im Hospiz.

Seltener als sonst kommen zurzeit auch die Ärzte ins Hospiz Lebensbrücke. Die Zahl der Visiten werde auf das absolut Notwendige begrenzt, sagt Christa Hofmann. „Viele Fragen lassen sich auch am Telefon klären. Wenn ein Arzt vor Ort gebraucht wird, kann er aber natürlich jederzeit kommen.“

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