Flörsheim

Bürgerprotest in Flörsheim gegen Erweiterung der Deponie

  • schließen

Großer Andrang beim Infoabend in der Goldbornhalle. Eine Initiative stellt Forderungen.

Berthilde Enders hält ein Transparent hoch. „Wir wollen keine Erweiterung der Deponie in Wicker“ ist darauf in großen roten Buchstaben zu lesen. 40 Jahre hätten die Flörsheimer und Hochheimer die Mülldeponie in ihrer Nachbarschaft ertragen. Jetzt sei Zeit, endlich Schluss damit zu machen. „Uns reicht’s“, sagt Berthilde Enders und bekommt viel Applaus aus dem Publikum.

Mehr als 400 Menschen sind am Dienstagabend in die Wickerer Goldbornhalle gekommen. Die Rhein-Main-Deponiegesellschaft (RMD) hatte zu einem Info-Abend eingeladen. Das kommunale Entsorgungsunternehmen, dessen Gesellschafter der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis sind, will eine Deponie auf der Deponie bauen, um weitere 20 Jahre lang Schlacke aus den Müllverbrennungsanlagen der Region, Bauschutt und Erdaushub annehmen zu können. „Aktiver Klimaschutz durch regionale Entsorgung“ steht auf einer der Folien, die an die Hallenwand projiziert werden. RMD-Geschäftsführer Heino von Winning spricht davon, dass nirgendwo anders in der Rhein-Main-Region 35 Hektar für eine neue Mülldeponie zur Verfügung stünden; dass man in Wicker mit Hilfe einer neuen Technologie Platz schaffen könne, um weitere 2,85 Millionen Kubikmeter Abfall fachgerecht zu entsorgen. Um 20 Meter soll der Müllberg der Rhein-Main-Deponie wachsen. Die Bürger könnten entscheiden, ob sie lieber einen Tafelberg oder eine Hügellandschaft hätten und wie die Deponie, auf der seltene Tierarten eine Heimat gefunden haben, künftig zugänglich sein soll.

Die Stimmung im Saal ist aufgeheizt. Noch ehe alle Redner auf dem Podium ihr Statement abgegeben haben, wollen die ersten Zuhörer mitdiskutieren. Dass in Hessen pro Einwohner jährlich 500 Kilogramm Haushaltsmüll und zwei Tonnen Bauabfälle anfallen, wie Hartmut Schwieger vom Verband Baugewerblicher Unternehmer ausführt, interessiert die Bürger nicht. Ebenso wenig wollen sie hören, dass die Frankfurter Entsorgungsservice GmbH (FES) die Restschlacke aus ihrer Verbrennungsanlage nach Wicker bringt, aufbereitet und in den Deponiekörper einbaut. Das sei die einzige Option, sagt FES-Geschäftsführer Dirk Remmert.

„Ich höre immer nur, dass ein Weiterbetrieb der Wickerer Deponie ein Vorteil für die Region ist. Aber was haben die Flörsheimer davon?“, will ein Bürger wissen. Seltene Vogelarten würden auf der Deponie geschätzt, Menschen, die durch Feinstaub krank würden, nicht, klagt eine Bürgerin. Die Themenecken im Saal mit Texten und Schautafeln zum Betrieb der Rhein-Main-Deponie und Fotomontagen des künftigen Müllberges bleiben leer. Die Zuhörer in der Goldbornhalle wollen im Plenum diskutieren.

Politiker werden angegriffen: „Sie haben uns belogen, als Sie 2005 beschlossen haben, die Deponie in Wicker 2021 zu schließen“, sagt Michael Mehr von der Bürgerinitiative Massenheim. Offenbar habe es nie Alternativen zu einem Weiterbetrieb gegeben. Die Initiative werde alles daran setzen, die Deponieerweiterung zu verhindern oder deren Umfang zumindest deutlich zu reduzieren, verspricht Mehr. Er fordert ein mikroklimatisches Gutachten für die Areale am Deponiekörper, der viel Hitze ausstrahle, ein interaktives 3-D-Modell sowie die Erstellung von Verschattungsszenarien.

Kritisch steht dem Ausbauprojekt auch der Wickerer Winzer Reiner Flick gegenüber. Er könne der Deponie nichts Positives abgewinnen, sagt Flick. Sie schädige das Image der Weinbauregion rund um Flörsheim und Hochheim und sei mit der geplanten Biosphärenregion rund um Wiesbaden nicht vereinbar.

Die Landkreise stünden geschlossen hinter dem Projekt, sagt RMD-Aufsichtsratsvorsitzende und Main-Taunus-Umweltdezernentin Madlen Overdick (Grüne) und betont: „Sie als Bürger haben aber auch eine große Macht.“ Die Bürgerbeteiligung sei ein Bestandteil des Genehmigungsverfahrens. In einem politischen Abwägungsprozess werde am Ende über den Deponieausbau entschieden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare