1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Flörsheim

Ein Gast vom Mittelmeer an der Deponie

Erstellt:

Kommentare

Der Resedafalter lässt sich an den grüngrauen Flecken auf den Unterseiten der Hinterflügel erkennen. Bislang war er in südlicheren Gefilden beheimatet, jetzt wurde er in Wicker entdeckt. privat
Der Resedafalter lässt sich an den grüngrauen Flecken auf den Unterseiten der Hinterflügel erkennen. Bislang war er in südlicheren Gefilden beheimatet, jetzt wurde er in Wicker entdeckt. privat © privat

Alfred Westenberger konnte einen Resedafalter erstmals in Wicker ablichten

Flörsheim - Alfred Westenberger ist begeistert. Der Falter-Experte, der sich seit jungen Jahren für die Welt der Schmetterlinge interessiert, kann kaum glauben, was ihm da vor einigen Tagen vor die Kamera geflattert ist. „Da muss man erst 75 Jahre alt werden, um hier im Taunus einen Resedafalter zu sehen“, stellt der erfreute Insektenkundler fest. Im Umfeld der Wickerer Rhein-Main-Deponie beobachtete er den Reseda Weißling (Pontia edusa), der nie zuvor im Main-Taunus-Kreis nachgewiesen wurde.

Zugegeben: Die Begeisterung des Falter-Freundes hat einen unerfreulichen Hintergrund - den globalen Klimawandel. Alfred Westenberger geht davon aus, dass milde Winter und ein heißer Sommer, wie er zuletzt in diesem Jahr auftrat, die Verbreitung der Insekten beeinflussen. Wer sich häufig in der Natur bewege, der erlebe, dass sich Pflanzen früher entwickeln, wodurch Bienen, Käfer und Schmetterlinge früher erscheinen als zuvor.

Eine weitere Folge des Temperaturanstiegs sei die Ausbreitung von bisher eher südlich lebenden Insektenarten. „Das ist ganz eindeutig ein Effekt des Klimawandels“, betont der Hofheimer. Der Reseda Weißling sei normalerweise in Regionen rund um das Mittelmeer beheimatet. Nur nach besonders langen Sommern treffe man den Wanderfalter so weit nördlich, weiß der 75-Jährige. Den Hinweis, dass sich die seltene Falterart in den Wiesen entlang der Deponie tummelt, erhielt Alfred Westenberger von einem Gleichgesinnten. Auf Fotos des Bekannten konnte der Experte den Resedafalter identifizieren. Damit gab sich Westenberger allerdings nicht zufrieden. Der Hobby-Naturkundler wollte den Schmetterling mit den grün-weißen Flügeln selbst vor die Kamera bekommen. Auf einer wild wuchernden Wiese am Rand der Deponie in Richtung Hochheim-Massenheim wurde er schließlich fündig. Westenberger konnte vier Reseda Weißlinge beobachten. Eines ließ dem Insektenkenner aber keine Ruhe: „Ich wusste, dass der Falter zur Ablage seiner Eier Kreuzblütler braucht“, erklärt der Hofheimer. Auf dem Grundstück, auf dem er die Falter antraf, konnte der Experte solche Pflanzen jedoch nicht entdecken. Erst bei weiteren Erkundungen zwischen Wicker und Hochheim sei er an Wegrändern auf die gelb blühende Wilde Rauke gestoßen.

Westenberger setzte seine Beobachtungen fort und konnte Ende Oktober einen weiteren seltenen Wanderfalter ablichten. Der auffällig gepunktete Harlekinbär flatterte ebenfalls in den Wiesen entlang der Deponie. Bisher sei ihm die Verbreitung dieses Nachtfalters auf Mallorca bekannt gewesen, berichtet der 75-Jährige. Er finde es spannend zu beobachten, ob Resedafalter und Harlekin künftig im Kreis heimisch werden.

Alfred Westenberger hat Bücher über Tagfalter in der Region veröffentlicht. Bis heute begleitet er außerdem Schmetterlingswanderungen in den Weilbacher Kiesgruben. Dort gelang es ihm 2014 einen Zweibrütigen Würfel-Dickkopffalter zu fotografieren, der zu diesem Zeitpunkt als eine vom Aussterben bedrohte Art galt.

Auch interessant

Kommentare