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Barbara Helling zeigt einen Apfelbaum mit Borkenkäfer-Befall.
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Barbara Helling zeigt einen Apfelbaum mit Borkenkäfer-Befall.

Flörsheim

Borkenkäfer befällt auch Apfelbäume

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Der Landschaftspflegeverband Main-Taunus experimentiert mit neuen Pflanzarten und Baumsorten, um die Kulturlandschaft der Streuobstwiesen zu erhalten.

In drei Reihen stehen die Apfelbäume auf der kleinen Streuobstwiese an der Bundesstraße 40. Vor 20 Jahren hat sie die Naturlandstiftung im Feld zwischen den Flörsheimer Stadtteilen Weilbach und Wicker gepflanzt. Zwei Tonnen Äpfel wurden im vergangenen Herbst hier geerntet. Ob das auch in diesem Jahr so sein wird, ist ungewiss.

Denn alle Obstbäume sind vom Borkenkäfer befallen. Splintkäfer und Ungleicher Holzbohrer fressen sich durch das Holz der knorrigen Stämme und Äste, kappen nach und nach die Leitungsbahnen der Bäume, in denen die Nährstoffe in die Krone transportiert werden. Es ist der selbe Mechanismus, der auch schon viele Hektar Fichtenbestände in den Wäldern der Region so schwer geschädigt hat, dass den Forstleuten nichts anders übrig blieb, als die Nadelbäume zu fällen.

Auch die Apfelbäume auf der Streuobstwiese haben wohl keine Chance mehr, längerfristig zu überleben. „Wir waren schockiert, als wir die Schäden vor sechs Wochen entdeckt haben“, sagt Barbara Helling. Sie ist Streuobstexpertin und Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Main-Taunus, dem das Grundstück gehört. „Niemand hat damit gerechnet, dass der Borkenkäfer auch bei Obstbäumen derart wütet.“ Doch der Pflanzenschutzdienst, der zu Rate gezogen wurde, habe ihnen keine Hoffnung gemacht. „Der Borkenkäfer“, sagt Barbara Helling, „ist so etwas wie der Leichenfledderer. Wenn er da war, bleibt nur noch Totholz übrig.“

Dass die kleinen braunen Käfer so leicht in die Obstbäume eindringen können, hat mit dem schwarzen Rindenbrand zu tun, einem Schadpilz, der bei Hitze und Trockenheit auftritt. 2003 sei der Schwächeparasit erstmals auf den Streuobstwiesen beobachtet worden, erinnert sich Barbara Helling. In diesem Jahr sei nur ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge gefallen.

Der Verband

Der Landschaftspflegeverband ist durch den Zusammenschluss der beiden Vereine Main-Taunus Streuobst und Naturlandstiftung im Main-Taunus- Kreis entstanden.

Mitglieder sind neben dem Landkreis und den Kommunen, Obst- und Gartenbauvereine, Naturschutzverbände und Privatleute. Auch Landwirte und Jäger engagieren sich.

Ziel des Vereins ist es, Obstwiesen im Landkreis zu erhalten und die Biodiversität auf den Flächen weiter zu verbessern.

Infos: www.streuobst-mtk.de.

Der Pilz lässt die Rinde der Bäume abblättern, Risse und Löcher entstehen, die nicht mehr zuwachsen. Die Borkenkäfer legen ihre Eier in die offenen „Wunden“ des Stammes, bei Temperaturen über 15 Grad schlüpfen die Larven und fressen sich durchs Holz.

Sie bekomme momentan Anrufe von Streuobstbesitzern aus der ganzen Region – von Taunus bis Odenwald, sagt Barbara Helling. „Die Leute sind ratlos.“ Befallene Bäume zu retten, sei jedoch so gut wie unmöglich. Auch gegen den Rindenbrand gebe es kein zugelassenes Pflanzenschutzmittel.

Die Expertin empfiehlt daher, „das Thema größer zu denken“, mit neuen Baumarten zu experimentieren und die Form der Obstbaumkultivierung zu überdenken.

Auf der Streuobstwiese zwischen Weilbach und Wicker hat der Landschaftspflegeverband bereits vor einiger Zeit zwölf klimastabile Bäume, darunter Eberesche und Weidenblättrige Birne, nachgepflanzt. Die Stämme der jungen Bäume sind mit einem Weißanstrich versehen, um die Verdunstung zu reduzieren. Borkenkäfer können durch den Anstrich außerdem nicht so leicht eindringen. Damit die Wurzeln bei Regen mehr Feuchtigkeit bekommen, sind die Baumscheiben vom Gras befreit. Im Frühjahr wird die Erde gedüngt.

Im Herbst will der Verband ein Projekt starten, bei dem junge Obstbäume nicht mehr veredelt aus der Baumschule auf die Streuobstwiesen geholt werden sondern vor Ort erst die Unterlage gepflanzt und im Jahr darauf das Edelreis draufgesetzt wird. Die Bäume könnten sich dann eher an den Boden gewöhnen, würden stabiler und klimaresistenter, hofft Barbara Helling. Probeanpflanzungen soll es unter anderem in den Hofheimer Stadtteilen Wild-sachsen und Wallau geben, in Eschborn sowie in Eddersheim. Beim Hessischen Umweltministerium sind Fördermittel beantragt.

Mehr Unterstützung würde sich Helling von den Naturschutzbehörden wünschen. Dort habe man die Gefahr des Borkenkäferbefalls von Obstbäumen noch nicht in seiner ganzen Dimension erkannt. „Es geht nicht nur um den Erhalt der Streuobstwiesen als alte Kulturlandschaft, es geht auch um die Plantagen der Obstbauern“, sagt die Expertin.

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