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Streuobst-Expertin Barbara Helling im Naturschuitzgebiet Wickerbachaue in Flörsheim.

Flörsheim

Apfelbäume im Flörsheimer Naturschutzgebiet sind im Stress

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Dürre und Schädlinge sorgen in Flörsheim für Ernteausfall auf den Streuobstwiesen der Wickerbachaue. 

Auf den ersten Blick ist alles wie immer: Knorrige Apfelbäume recken ihre Äste in den blauen Himmel. Hellgrüne Blätter und weiße Blüten strahlen in der Sonne. Doch der Schein trügt. Von den rund 250 Obstbäumen, die im Naturschutzgebiet Wickerbachaue in Flörsheim wachsen, sind so gut wie alle krank, weiß Streuobstwiesenexpertin Barbara Helling.

Die jüngeren Bäume, die 2004 gepflanzt wurden, haben Rindenbrand. Helling löst ein Stück trockene Borke von Stamm, darunter krabbeln Borkenkäfer. Eine spezielle Sorte des Schädlings befalle auch Apfelbäume und fühle sich bei Trockenheit besonders wohl, sagt die Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Main-Taunus Naturlandschaft und Streuobst.

Auch die Apfelbäume, die schon länger in der Wickerbachaue stehen, bleiben von Schädlingen nicht verschont. In die Blüten eines mehrere Jahrzehnte alten Baums hat der Apfelblütenstecher seine Eier gelegt. Gut die Hälfte der weißen Blätter sind mittlerweile braun und vertrocknet. Winzige Käferlarven fallen auf Hellings Handfläche, als sie das, was von der Apfelblüte übrig ist, öffnet.

Und dann ist da noch die Dürre der vergangenen beiden Jahre, die den Apfelbäumen zugesetzt hat. Ganze Baumpartien sind abgestorben. Wenn die Wurzeln kein Wasser mehr aus dem Boden aufnehmen könnten, komme der Sog, der mit Hilfe der Kapillarkraft aufgebaut werde und das Wasser bis in die Krone transportiere, zum Erliegen, erklärt Helling. „Damit der Baum sich wieder selbst versorgen kann, muss es viel regnen, der Boden muss gut durchfeuchtet sein. Davon sind wir momentan weit entfernt.“

Apfelbäume in enormen Stress

Weil Schädlinge und Trockenheit die Apfelbäume in enormen Stress versetzen, rechnet die Expertin mit Ernteeinbußen auf den Streuobstwiesen von bis zu 80 Prozent. Selbst Bäume, deren Blüten von Schädlingen verschont blieben, trügen im Herbst nicht unbedingt viele Früchte. „Wenn in der Blühphase zu wenig Wasser da ist, fehlt der Nektar, und die Bestäuber kommen nicht.“

Um vor allem jungen Apfelbäumen zu helfen, die Trockenheit zu überstehen, sei man mittlerweile dazu übergegangen, neu angelegte Streuobstwiesen mindestens fünf Jahre lang künstlich zu bewässern, berichtet Helling. „Das ist ein großer Aufwand, aber es lohnt sich.“ Außerdem empfiehlt die Expertin, genau auf den Boden zu achten, auf dem der Baum wachsen soll. Auf einem Sand-Lehm-Gemisch wie in der Wickerbachaue würde sie heute keine Apfelbäume mehr pflanzen, sagt sie. „Das funktioniert in Zeiten des Klimawandels einfach nicht.“

Eine Möglichkeit, die alte Kulturlandschaft der Streuobstwiesen im Vordertaunus lebendig zu erhalten, könnte auch der Umstieg auf andere Apfelsorten sein. Nicht die traditionellen wie Bos-kop, Cox oder Goldparmäne, die viel Feuchtigkeit benötigen, empfiehlt Barbara Helling. Sondern beispielsweise den robusten Bohnapfel, um Wein und Saft daraus zu machen, oder die Sorte Brettacher als Tafelobst. „Die kommen mit dem trockenen Klima weitaus besser zurecht.“

Wer einen Apfelbaum im eigenen Garten pflanzen möchte, sollte auf lehmigen Boden ohne Staunässe achten und einen Halbstamm wählen. Denn: „Ein kleinerer Baum braucht auch weniger Wasser.“

Infos unter www.streuobst-mtk.de.

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