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Firmen vermissen Bewerber

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Mit Popcorn, einer Filmvorführung und kleinen Geschenken warben die Bäderbetriebe für ihre Ausbildungsangebote.
Mit Popcorn, einer Filmvorführung und kleinen Geschenken warben die Bäderbetriebe für ihre Ausbildungsangebote. © Michael Schick

Dachdecker Stefan Brost ist auf der Suche nach einem Lehrling. Denn in diesem Jahr hatte er noch keinen einzigen Bewerber. Nur vier Kriterien muss der angehende Azubi erfüllen. Von Claudia Horkheimer

Von CLAUDIA HORKHEIMER

Fast 40 Bewerber für die Ausbildung als Systemgastronom musste Ortwin Niebling, Leiter der Autobahnraststätte Taunusblick, in diesem Jahr ablehnen, obwohl er derzeit noch vier freie Plätze hat. "Drei Ausbildungsstellen konnten wir besetzen, aber wenn man das Potenzial bei den Jugendlichen nicht sieht, hat es keinen Zweck."

Niebling steht hinter einem Informationsstand des Unternehmens Marché International, das sich gestern wie 14 andere Firmen auf der ersten Ausbildungsmesse in der Eschborner Heinrich-von-Kleist-Schule präsentierte. Dabei handelt es sich um eine Kooperationsveranstaltung mit der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe Eschborn (IHG). "Wenn wir hier Interesse bei Jugendlichen wecken könnten, wäre es super", sagt Niebling.

Auch am Stand daneben, beim Dachdeckerbetrieb Brost, hofft man auf engagierte Jugendliche. "Wir hatten in diesem Jahr keinen einzigen Bewerber", sagt Stefan Brost, IHG-Sprecher Handwerk. Dabei würde er gerne einen Lehrling aufnehmen. Eine Anzeige geschaltet hat er nicht, denn er erwartet Engagement von den Jugendlichen.

"Die Stellenvermittlung des Arbeitsamtes ist schwierig"

"Früher kamen die Jungen direkt auf uns zu." Das sei ihm lieber, denn über die Stellenvermittlung des Arbeitsamtes sei es schwierig, da man dann viele Bewerber habe, die den Handwerksberuf nur als Ausweichmöglichkeit nutzten.

Doch jetzt will er es wieder mit der Arbeitsagentur probieren. Vier Kriterien müsse ein Kandidat erfüllen: "Hauptwunsch Handwerk, mindestens eine Drei in Mathe, Hauptschulabschluss reicht und keine unentschuldigten Fehltage in der Schule." Er ist aber skeptisch, ob er jemanden findet.

Das Handwerk ist bei Jugendlichen allgemein nicht sehr beliebt. Am Stand der Bundesagentur für Arbeit ist zu erfahren, dass die klassischen Bürojobs sofort weggehen. Gefolgt von den Berufen Kfz-Mechaniker, Mechatroniker, IT-Berufen und Kaufmann für Veranstaltungstechnik. Derzeit gibt es im Main-Taunus-Kreis noch etwa zehn freie Ausbildungsstellen, vor allem im medizinischen Bereich und in der Gastronomie.

Kleist-Schule kooperiert mit der IHG

Die gute Nachricht: "Alle Jugendlichen im Main-Taunus-Kreis sind versorgt", sagt Nenad Jurkovic vom Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit. Entweder mit Ausbildungsstellen oder auf weiterführenden Schulen. Dennoch hat die Kleist-Schule jetzt einen Kooperationsvertrag mit der IHG geschlossen, um eine bessere Verzahnung von Schule und Praxis zu ermöglichen. "Danach soll die Ausbildungsmesse institutionalisiert werden und künftig jedes Jahr stattfinden", sagt IHG-Chef Markus Depping.

"Unser Ziel ist, die Anforderungen der Betriebe an Auszubildende zu kennen und die Schüler darauf vorzubereiten", sagt Schulleiter Adnan Shaikh. Dies könne beispielsweise im Projektunterricht erfolgen, der künftig in Zusammenarbeit mit Handwerkern geschehen solle. Dass dies notwendig ist, findet auch Bauingenieur Tobias Henrich: "Junge Leute werden heute weder in der Familie noch in der Schule an das Handwerk herangeführt und Fächer wie Werken werden vom Unterrichtsplan gestrichen."

Die Messe sei "für die Schüler eine gute Chance, sich zu informieren", finden Melisa und Mohamed. Beide machen gerade ihren Realschulabschluss und wissen: Die Berufswahl ist für alle ein wichtiges Thema.

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