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Fels hinter Gittern

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Von: Andrea Rost

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Die Felssicherungen verschandelten die Landschaft im Fischbachtal, findet Hans-Jürgen Anderle  .
Die Felssicherungen verschandelten die Landschaft im Fischbachtal, findet Hans-Jürgen Anderle . © Michael Schick

Die Felsen an der B455 sind mit Stahlnetzen und Gabionen gut gesichert. Für den Geologen Anderle verschandelt die Hangsicherung das Landschaftsbild. Die Planer argumentieren mit der Sicherheit.

Die Felsen sind gut verpackt. An beiden Seiten der neu ausgebauten B455 zwischen Eppstein und Fischbach sind Stahlnetze über die steinigen Abhänge gespannt. Mehrere Hundert Meter lang sind die so gesicherten Hangabschnitte. Andernorts sind bis zu vier Reihen Gabionen übereinander aufgeschichtet - quaderförmige Drahtkäfige, in die lose Steine eingefüllt sind. Die künstlichen Mauern sollen ein Abrutschen der Felshänge verhindern und Geröll von der Fahrbahn fernhalten.

Hans-Jürgen Anderle findet das maßlos übertrieben. Er sei erschrocken gewesen, als er die Strecke nach der Öffnung der Straße erstmals wieder befahren habe, sagt der Vorsitzende des Nassauischen Vereins für Naturkunde. Als Geologe kennt er den Taunus wie seine Westentasche und ist überzeugt: Balken am Böschungsfuß hätten ausgereicht, um herabrutschende Schieferstücke aufzuhalten; lockere Gesteinsplatten hätte man sorgfältig beseitigen können.

Die großflächigen Drahtnetze und die hohen Gabionen-Reihen hingegen verschandelten das Landschaftsbild im Fischbachtal. "Wir sind hier in der Nassauischen Schweiz, da gehören Felsen einfach dazu."

Im Aartal regt sich Bürgerprotest

Vielerorts werde momentan über Hangsicherungsmaßnahmen diskutiert. An der Straße zwischen Eppstein und Niederjosbach seien die Felsen bereits mit Draht gesichert. Im Aartal sei Ähnliches geplant. Dort rege sich allerdings Bürgerprotest.

"Es muss vermieden werden, dass pauschal alle Felsen oberhalb von Bundes- und Landesstraßen mit Drahtnetzen und mit Fangzäunen versehen werden", appelliert Anderle an die Ämter für Straßen und Verkehrswesen. "Da werden Steuergelder verschleudert." In der Frankfurter Behörde sieht man das anders. ASV-Projektmanagerin Yvonne Binard-Kühnel, selbst promovierte Geologin, hält die 140000 Euro, die die Hangsicherung entlang der B455 gekostet hat, für gut investiertes Geld.

Drahtnetze und Gabionen dienten der Sicherheit von Auto- und Radfahrern. Speziell die im Zuge des Straßenumbaus frisch entstandenen Böschungen seien so gesichert worden. "Wir wissen nicht, ob sich da nicht im Laufe der Zeit durch Frost Steine lösen können. Dann jedes Mal die Straße zu sperren, wäre teuer und sehr zeitaufwendig."

Binard-Kühnel glaubt, dass die Stahlnetze nicht allzu lange blank auf den Felsen liegen werden. In absehbarer Zeit werde sich eine Grasnabe bilden, sagt sie, Brombeeren und andere Büsche würden darüber wuchern. Die Gabionenreihen seien auf Wunsch der Untere Naturschutzbehörde aufgestellt worden.

Karen Minhorst von der Hofheimer Kreisverwaltung bestätigt das. Gabionen böten den Vorteil, dass zwischen den lose eingefüllten Steinen Lebensraum für kleine Tiere entstehe. Ob die in der landschaftsschutzrechtlichen Genehmigung geforderten Kriterien eingehalten wurden, soll bei einem Ortstermin geklärt werden.

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