Flörsheim

Rot-Schwarz in Sicht

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Die Galf will keiner Koalition mehr angehören. Derweil kann sich die SPD eine Zusammenarbeit mit den CDU gut vorstellen – auf Augenhöhe, allerdings mit der SPD als stärkerem Partner.

In Flörsheim haben die Wähler am 6. März für ein historisches Ergebnis gesorgt: Erstmals in der Geschichte der Stadt ist die SPD stärkste politische Kraft geworden. Zwar nur mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,3 Prozentpunkten und bei Mandatsgleichstand mit der CDU; in der einstmals erzkonservativen Kommune, in der die Christdemokraten über Jahrzehnte hinweg das alleinige Sagen im Parlament hatten und stets die Rathauschefs stellten, ist das aber schon eine mittlere Sensation. Umso mehr als die SPD ihr gutes Abschneiden nicht nur den starken Verlusten der CDU sondern auch eigenen Zugewinnen zu verdanken hat.

Dementsprechend selbstbewusst gibt sich SPD-Fraktionschefin Marion Eisenmann-Kohl. Zwar lässt die Sozialdemokratin leises Bedauern erkennen, dass es wegen deutlicher Verluste der Grünen Alternativen Liste Flörsheim (Galf) für ein rot-grünes Bündnis in der neuen Wahlperiode nicht mehr reichen wird. Sie macht aber auch deutlich: Die SPD kann sich auch eine Zusammenarbeit mit den CDU gut vorstellen – auf Augenhöhe, allerdings mit der SPD als stärkerem Partner und demzufolge in Form einer rot-schwarzen Koalition, wie Eisenmann-Kohl gegenüber der Frankfurter Rundschau betonte. Erste Gespräche würden bereits geführt, die Parteien seien nun dabei, inhaltliche Eckpunkte abzugleichen.

Fraktionsübergreifend einig ist man sich offenbar in Flörsheim, dass Sven Heß (Galf) für weitere drei Jahre Erster Stadtrat bleiben soll. Ob er als Oppositionspolitiker auch die Kämmerei behält, muss Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) entscheiden.

Teuer und kompliziert

Ein Abwahlverfahren sei zum einen kompliziert, weil eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich sei, zum anderen würde es die Stadt bis zum Ende von Heß’ Amtszeit im Jahr 2019 insgesamt rund 450 000 Euro kosten, rechnet CDU-Fraktionschef Marcus Reif vor. „Das können und wollen wir uns nicht leisten.“

Auch Reif spricht in Zusammenhang mit der SPD von „guten Gesprächen.“ Für die CDU, ohne die trotz herber Verluste im künftigen Flörsheimer Parlament keine Koalition möglich ist, gehe es nun darum auszuloten, „welches Modell für uns das beste ist, wo wir die meisten Gestaltungsmöglichkeiten haben.“

Um einzelne politische Posten gehe es den Flörsheimer Christdemokraten dabei nicht, betonte Reif gegenüber der FR. „Für uns sind Inhalte wichtig.“ Die ließen sich eventuell auch mit wechselnden Mehrheiten verwirklichen.

Ein Parlament ohne Koalitionszwang wäre ganz nach dem Geschmack der Galf, die bei der Kommunalwahl ebenfalls ordentlich Federn lassen musste. Dass die Flörsheimer Grünen von einer Koalition in die nächsten wechseln, schloss deren Fraktionschefin Renate Mohr gestern definitiv aus und erteilte damit einem schwarz-grün-gelben Bündnis eine Absage, das rein rechnerisch ebenfalls möglich wäre.

Diese Entscheidung habe die Galf bereits Ende letzten Jahres getroffen, sagten gestern Renate Mohr und Peter Kluin. „Wir hätten auch die Koalition mit den Sozialdemokraten nicht fortgesetzt.“ Zu wenig hätten die Flörsheimer Grünen ihre eigenen Inhalte wie etwa das 30 Punkte umfassende Rad-Wege-Konzept, voranbringen können. Die mächtige Stellung von Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) in der Flörsheimer Politik habe daran maßgeblichen Anteil.

Auch wenn sie deutlich unter dem Ergebnis von 2011 geblieben ist, sei die Stimmung in der Galf „unheimlich gut“, betonte Mohr. „Viele Bürger haben uns gesagt, dass wir in der Rolle der Opposition in Flörsheim in den letzten Jahren gefehlt haben. „Auch die themenbezogene Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen kann sich Mohr gut vorstellen. „Ich hoffe, dass die Blockadepolitik der Vergangenheit in Flörsheim endgültig vorbei ist.“

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