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Kulturreferentin Matuschek mit einer Kollwitz-Radierung.

Kelkheim

Knatsch um neues Museum

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Bürgermeister Horn will eine schnelle Entscheidung, UKW und FDP kritisieren die Kosten.

Der Umzug des Museums Kelkheim in das Pfarrzentrum an der Feldbergstraße wird zunehmend zum Politikum. Für Bürgermeister Thomas Horn (CDU) ist es ein Herzensprojekt, das er vor seinem Abschied noch auf den Weg bringen möchte. UKW und FDP betrachten die bislang präsentierten Pläne jedoch mit großer Skepsis – und beide stellen, direkt oder indirekt, einen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im Juni. Trotzdem ist das Vorhaben nun einen Schritt vorangekommen.

Der Magistrat hat ein so genanntes Feinkonzept für knapp 25 000 Euro in Auftrag gegeben. Bezahlt werden soll es durch einen Zuschuss des Hessischen Museumsverbandes und einen Sponsor. Außerdem hat der Kulturausschuss mit den Stimmen von CDU und SPD ein Raumnutzungskonzept für das Gebäude an der Feldbergstraße gebilligt.

Kapazität würde sich mehr als verdoppeln

In das überarbeitete Raumkonzept seien auch Vorschläge der UKW eingegangen, betonte Bürgermeister Horn in der Ausschusssitzung. So soll der Saal nicht nur dem Museum, sondern auch der Kulturgemeinde und anderen Vereinen zur Verfügung stehen. Gleiches gelte für einen Raum im Erdgeschoss, der für die Mu-seumspädagogik vorgesehen ist. Eine Vermietung des Saals für Privatfeiern, wie von der UKW angeregt, soll es aber nicht geben. Und auch die Abtrennung eines Kellerraums für die Jugendarbeit lehnt die Stadtverwaltung ab.

Grundsätzlich sei der Umzug des Museums in größere Räume auch ein Anliegen der UKW, beteuerte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Doris Salmon. Allerdings müsse das Gebäude an der Feldbergstraße möglichst effizient genutzt werden. Deshalb reiche es nicht aus, wenn das Museum, wie derzeit, nur wenige Stunden pro Woche geöffnet habe. Zumal das Projekt auch einiges kostet. „Wir wollen beim Geld wissen, was auf uns zukommt“, forderte die UKW-Stadtverordnete Gianina Zimmermann.

Die Finanzierung sei noch „sehr nebulös“, bemängelte auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Heinz Kunz. Dabei gehe es nicht nur um den Umbau des Pfarrzentrums, sondern auch um die Folgekosten. Eigentümer des Gebäudes ist die Städtebauliche Entwicklungsgesellschaft (StEG), die für Gebäude und Grundstück 760 000 Euro bezahlt hat. Auch den barrierefreien Umbau soll die stadteigene Immobiliengesellschaft stemmen. Nach einer neuen Kalkulation würde dieser ebenfalls rund 760 000 Euro kosten. „Auch das ist das Geld der Bürger“, monierte Heinz Kunz.

UKW und FDP plädieren dafür, noch einmal intensiv über das Für und Wider eines neuen Museums zu diskutieren. „Wir haben alle Zeit der Welt“, findet Heinz Kunz und verweist darauf, dass der Mietvertrag für die aktuellen Museumsräume noch bis 2018 laufen und auch das Pfarrzentrum noch bis Ende 2016 von der Gemeinde St. Franziskus und der Kolpingsfamilie genutzt wird.

Michael Jung (CDU) hingegen kontert, dass beide Gruppen in nach Hornau umziehen werden, wo gerade das Pfarrzentrum umgebaut wird. Und was die Jugendarbeit angeht, könne diese von dem neuen Museum auch in anderer Form profitieren. „Wenn das Stadtarchiv mit an die Feldbergstraße zieht, werden anderswo Räume frei.“

Nun hat sich auch der Museumsverein in die Debatte eingeschaltet. Das Museum Kelkheim sei ein vom Hessischen Museumsverband anerkanntes Spezialmuseum für das Holz- und Möbelhandwerk. Es halte die Erinnerung wach an „die einfachen Bürgerinnen und Bürger, die eine weit über unsere Region hinaus berühmte Möbel- und Schreinertradition entwickelt haben“, betont der Vorsitzende Rüdiger Kraatz.

Hinzu komme die Geschichte der Familie von Gagern und ihres Hofheimer Hofgutes, die eng verbunden ist mit dem Kampf um Einheit und Demokratie im Deutschland des 19. Jahrhundert. „Wir sollten die Voraussetzungen dafür verteidigen, dass all dies und mehr auch in Zukunft überliefert werden kann.“

Darüber hinaus gelinge es dem Museum durch Sonderausstellungen, den Menschen vor Ort wichtige Künstler wie Käthe Kollwitz und Jörg Immendorff zu präsentieren. „Dazu braucht ein Museum entsprechende Ausstellungs- und Veranstaltungsräume.“ Derzeit hat das Museum knapp 400 Quadratmeter Nutzfläche. Vor allem bei Sonderausstellungen und Vorträgen wird es regelmäßig extrem eng. An der Feldbergstraße würde die Kapazität auf mehr als das Doppelte anwachsen.

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