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Ein Faible für den Wald

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Stefan Kunze hat den Bürgerpreis der Taunussparkasser erhalten.
Stefan Kunze hat den Bürgerpreis der Taunussparkasser erhalten. © FR/Müller

Der Bad Sodener Stefan Kunze saniert kranke Böden. Dafür ist er jetzt mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet worden.

Stefan Kunze liebt den Wald. "Als Kind war ich ständig dort", erzählt er. Das lag sicher auch am Großvater, einem Forstmeister, der seiner Arbeit mit Leidenschaft nachging. Eigentlich sollte Kunze in seine Fußstapfen treten. Er entschied sich jedoch, Landschaftsarchitekt zu werden.

Was bis heute blieb, ist seine Begeisterung für den Wald. Dass es diesem gar nicht so gutgeht, brachte Kunze ins Grübeln. 1995 regte er in seinem Buch "Praxis Waldschutz" erstmals an, die Idee der "Biologischen Intervention" vom Gartenbau auf den Forst zu übertragen: In einem kranken Wald mit saurem Boden einen 100 Quadratmeter großen Kreis oder ein Quadrat mit zertifiziertem Hochwertkompost mit Trillionen von Mikroorganismen anzulegen. Damit, sagt Kunze, sei die Arbeit des Menschen bereits erledigt. Alles weitere machten die Tiere. Ob Ameise oder Reh - alles, was über die Fläche laufe, trage zum Erfolg bei. Denn die Tiere transportierten Teile des Komposts und der Mikroorganismen weiter.

Erfolgreiche Tests

Seine Idee einer "Biologischen Intervention" im Forst sei in der Fachwelt auf positive Resonanz gestoßen. Bernhard Ulrich, einer der führenden deutschen Forstwissenschaftler in Bodenkunde, habe ihm sogar bescheinigt, den Schlüssel für die Sanierung der Waldböden gefunden zu haben.

Kunze, der seit 1971 in Bad Soden lebt, sah sich dadurch bestätigt. 2000 fand er mit Felix Prinz zu Löwenstein einen privaten Waldbesitzer, der ihm gestattete, die "Biologische Intervention" in einem sauren Buchenwaldstück in Südhessen zu testen. Über einen Aufruf in der Zeitschrift des Privatwaldbesitzerverbands kamen 2005 zwei weitere Waldstücke in Nordhessen hinzu. Den Kompost bekam Kunze kostenlos von der Entsorgungsfirma Kilb in Kelkheim. Bei allen Testflächen konnte Stefan Kunze Erfolge feststellen. "2007 wies ein Student in einer Diplomarbeit nach, dass die Biologische Intervention im Wald von Felix Prinz zu Löwenstein in einem Umkreis von 70 Metern zu einer positiven Entwicklung beitrug", freut sich Kunze. Jüngst wurde der 72-Jährige mit dem Bürgerpreis der Taunussparkasse ausgezeichnet; seine Arbeit will er auf jeden Fall fortsetzen.

Kunze sucht dafür weitere Privatwaldbesitzer, die ihm Flächen zur Verfügung stellen. Auch der Staatsforst verfolge seine Forschung, sagt er. Dem Landesforstmeister schicke er regelmäßig Berichte. Kunze hält die "Biologische Intervention" für ein nachhaltiges Verfahren. Das Problem werde dabei an seinen Wurzeln angepackt, anders als beim Kalken der Böden. "Da wird ja nur an den Symptomen gearbeitet." (kpr)

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