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Nele Neuhaus mit Hund Aki in ihrem Schreibzimmer in Bad Soden.

Nele Neuhaus

Serienkiller im Taunus

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"Muttertag" heißt der neue Kriminalroman von Nele Neuhaus. Inspirieren ließ sich die Bestsellerautorin von den mysteriösen Morden, die der Schwalbacher Manfred Seel in den 1990er Jahren begangen haben soll.

Der graue Schreibtisch ist penibel aufgeräumt. Tastatur, Bildschirm, Block und Stift – sonst liegt nichts darauf. Die Bücherstapel dienen als Dekoration für den FR-Fotografen. 

Vor wenigen Wochen sah das noch ganz anders aus. „Da hat hier totales Chaos geherrscht“, sagt Nele Neuhaus. Mitten drin im Schreiben ihres neuen Taunus-Krimis sei sie damals gewesen. Mehr als 163 000 Wörter tippte sie in brütender Sommerhitze in den Computer, saß von zehn Uhr morgens bis tief in die Nacht in ihrem Schreibzimmer im Haus in Bad Soden. „Ich habe wie im Rausch geschrieben“, erinnert sich Neuhaus. Davor hatte sie den Plot rund um einen Serienkiller, der im Taunus mordet, innerhalb von ein paar Tagen fertigentwickelt. So richtig Spaß gemacht habe ihr die Arbeit im Rekordtempo nicht, bekennt sie. „Aber ich wollte ,Muttertag‘ zu einem Ende bringen, meine Fans nicht enttäuschen.“

Hartnäckige Rückenprobleme hatten die 51-Jährige im vergangenen Jahr nicht in der gewohnt zielstrebigen Art ans Werk gehen lassen. Die Inspiration zu ihrem mittlerweile neunten Taunus-Krimi hatte sie schnell gefunden: Es ist der Fall des mutmaßlichen Schwalbacher Serienmörders Manfred Seel, in dessen Garage nach seinem Tod Leichenteile gefunden wurden. Doch dann konnte Nele Neuhaus nicht konzentriert weiterarbeiten an dem Manuskript, fand erst, als sie schmerzfrei war, aus der Sackgasse, in die sie sich zwischenzeitlich hineingeschrieben hatte. 

Jetzt sind die Druckfahnen gelesen, und der 560 Seiten starke Band wird Mitte November im Berliner Ullstein-Verlag erscheinen. Nele Neuhaus spricht von einer „spannenden und berührenden Geschichte“, die im Königsteiner Stadtteil Mammolshain ihren Ausgang nimmt und unter anderem in Bad Soden, Kelkheim, Hattersheim und Bad Homburg spielt sowie in Hofheim, wo das Ermittlerduo Pia Sander und Oliver von Bodenstein wieder auf Mörderjagd geht. Zum großen Showdown kommt es auf dem Frankfurter Flughafen. Für ihre Recherchen habe ihr Fraport alle Türen geöffnet, erzählt die Autorin. „Das war großartig.“ 

Die Nähe zu ihren Fans ist Nele Neuhaus   immer noch wichtig, auch wenn sie in den sozialen Medien längst nicht mehr so aktiv ist wie früher. Als sie auf der Suche nach Namen für ihre Charaktere in „Muttertag“ war, habe ein Aufruf bei Facebook genügt und 2500 Leser boten ihre eigenen Namen zur Verwendung im Buch an, erzählt sie. Einige Taunus-Krimi-Fans werden sich jetzt als Mordopfer in „Muttertag“ wiederfinden. 

Zusammen mit ihrem zweiten Mann Matthias Knöß lebt Nele Neuhaus seit einiger Zeit wieder in Bad Soden, der Stadt in der sie als Tochter des früheren Main-Taunus-Landrates Bernward Löwenberg aufgewachsen ist. Ein mannshoher Zaun schützt Haus und Garten vor neugierigen Blicken der Passanten. Wer an der Tür klingelt, wird erst einmal von Australian-Cattle-Dog-Rüde Aki mit lautem Gebell empfangen. Autogrammjäger ließen sich davon wenig beeindrucken, sagt Nele Neuhaus und lacht. „Die kommen trotzdem vorbei.“

40 Lesungstermine wie nach Erscheinen ihres letzten Taunus-Krimis „Im Wald“ will Nele Neuhaus mit „Muttertag“ nicht absolvieren. „Das ist einfach zu anstrengend“, sagt sie. Die Buchpremiere in der Hofheimer Stadthalle Ende November, ein Termin beim Krimifestival in Hamburg, ein anderer in München werden wohl die einzigen öffentlichen Auftritte in der nächsten Zeit bleiben. „Muttertag“, so ist zu vermuten, wird sich trotzdem hervorragend verkaufen. Sämtliche Taunus-Krimis, die Nele Neuhaus bislang geschrieben hat, wurden über kurz oder lang zu Bestsellern. Zehn Millionen Mal verkauften sich ihre Kriminalromane. Die Taunus-Krimis wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Absoluter Spitzenreiter ist „Schneewittchen muss sterben“.

Mit den Taunus-Krimi-Verfilmungen die, vom ZDF ausgestrahlt, regelmäßig zum Quotenhit wurden, hadert Nele Neuhaus. Die Drehbücher hätten häufig wenig mit dem Original zu tun, Drehorte lägen nicht im Taunus sondern in der Wetterau, beklagt sie. Aus dem Vertrag mit der bisherigen Produzentin ist sie deshalb ausgestiegen, sucht einen neuen Regisseur für „Muttertag“ und nachfolgende Taunus-Krimis. „Es gibt genügend Interessenten“, sagt sie. 

Dass sie jetzt ein eigenes Schreibzimmer hat, wo in den Regalen deutsche unter internationale Ausgaben ihrer Bücher stehen, genießt Nele Neuhaus. Ganz anders sei das Arbeiten da als am Anfang ihrer Karriere vor mehr als zehn Jahren. Damals tippte sie die Texte am Küchentisch in Kelkheim in den Laptop und verkaufte die im Selbstverlag gedruckten Taunus-Krimis in der Fleischfabrik ihres mittlerweile verstorbenen Ex-Mannes. „Da hätte ich nie gedacht, dass ich es einmal so weit schaffe.“

Auf eine Auszeichnung ist Nele Neuhaus besonders stolz. Polizeipräsident Stefan Müller war von der „authentischen Darstellung der polizeilichen Ermittlungsarbeit“ in den Taunus-Krimis so begeistert, dass er die Autorin im Juni 2016 zur „Kriminalhauptkommissarin ehrenhalber“ ernannte. Die Urkunde hängt im Schreibzimmer an der Wand. 

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