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Das Kontorhaus (links) stammt aus der Gründerzeit, das barocke Herrenhaus (hinten) wurde im 17. Jahrhundert gebaut.
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Das Kontorhaus (links) stammt aus der Gründerzeit, das barocke Herrenhaus (hinten) wurde im 17. Jahrhundert gebaut.

Flörsheim

Das Faber-Gelände erwacht

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Dirk Budde saniert das denkmalgeschützte Anwesen in der Altstadt. Das Gebäude steht seit dem Tod von Heinrich Faber leer.

Fast jeden Tag könnte Dirk Budde eine Führung durch Villa, Kontorhaus und Gesindegebäude auf dem Faber-Gelände anbieten. „Das Interesse der Bürger ist enorm“, sagt der 42-Jährige, der das Anwesen in der Obermainstraße vor wenigen Monaten von den Erben des Kelkheimer Möbelfabrikanten Heinrich Faber gekauft hat. Den Kaufpreis mag Budde nicht nennen. Nur so viel: „Er ist nicht entscheidend, verglichen mit den Summen, die investiert werden müssen, damit die Gebäude wieder genutzt werden können.“

Die barocke herrschaftliche Villa, das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1684, in dem früher Gesinde und Vieh untergebracht waren, sowie das vier Meter hohe Backstein-Kontorhaus, das 1907 mit freitragender Decke errichtet und später aufgestockt wurde, stehen allesamt unter Denkmalschutz. „Aufgrund des Alters und der ortsgeschichtliche Bedeutung des Areals“, wie Astrid Heuschen von der Unteren Denkmalbehörde im Landratsamt erklärt.

Lofts im Kontorgebäude

Jahrelang konnte niemand in Flörsheim das Gelände betreten. Ein hässliches Metalltor aus den 1970er Jahren riegelte den Hof ab, seitdem das Wohnhaus nach dem Tod von Heinrich Faber leerstand und auch keine Möbel mehr im Kontorhaus verkauft wurden. Die Reste des Faber’schen Inventars – darunter 150 im Keller gelagerte Teppiche – hat Dirk Budde bereits fortschaffen lassen. Momentan klopfen Arbeiter im Kontorhaus das Mauerwerk ab. Vier Lofts mit zusammen 500 Quadratmetern Wohnfläche sollen bis Ende des Jahres in dem gründerzeitlichen Gebäude entstehen, sagt Dirk Budde.

Der Kaufmann, der einst hauptberuflich für einen großen Autohersteller arbeitete, hat Erfahrung mit dem Umbau alter Gemäuer. 2010 kaufte er einen Teil der ehemaligen Sektkellerei Graeger in Hochheim und richtete darin Lofts ein. In Massenheim baute er ein altes Gehöft zur Eventlocation mit Hotelzimmern um. Er selbst wohnt mit seiner Familie im historischen Bauernhof der Wickerbachmühle in Massenheim. Das Flörsheimer Faber-Gelände zu sanieren, sei spannend sagt er. Adelssitz, Gasthaus und Teil der Nördlinger’sche Chemiefabrik war das Areal im Laufe von mehr als drei Jahrhunderten; zwischenzeitlich hatten es auch die Verantwortlichen im Rathaus im Visier, um die Altstadtsanierung voranzutreiben. Ein Kauf durch die Stadt wurde letztmalig 2012 vom CDU-Bürgermeisterkandidaten Markus Ochs thematisiert, schlussendlich aber verworfen. Wohl auch, weil der Denkmalschutz bei der Sanierung ein gewichtiges Wort mitzureden hat.

Die hohen Fenster des Kontorhauses mit seltener Industrieverglasung etwa sollten, wenn schon nicht restauriert, so doch originalgetreu nachgebaut werden, sagt Astrid Heuschen. Im Herrenhaus müsse die gesamte Raumaufteilung erhalten, die barocken Fußleisten, Böden und Türen fachmännisch wieder hergerichtet werden. Gleiches gelte für das dominante Treppenhaus in der Mitte des Gebäudes.

Büros im Herrenhaus

Für Wohnungen eigne sich das Herrenhaus heute nicht mehr, ist Dirk Budde überzeugt. Er will Büros darin einrichten und sie an Ärzte oder Rechtsanwälte vermieten. Eine Idee, die übrigens auch schon die Studenten der Fachhochschule Wiesbaden hatten, die mehrere Semester lang auf dem Faber-Gelände geforscht haben. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass mittlerweile alle Gebäude fachgerecht aufgemessen sind. Die alten Pläne seine verschollen, sagt Astrid Heuschen.

Dirk Budde hat auch schon entschieden, dass der Innenhof des Anwesens gepflastert und neu begrünt werden soll. Einzig wie das ehemalige Gesindehaus genutzt werden kann, das an der Südseite steht, ist noch offen. Bis in die 1950er Jahre waren Wohnungen im ersten Stock des Fachwerkgebäudes untergebracht. Im Erdgeschoss stand früher das Vieh in den Ställen.

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