Schwalbach

"Schüler warten auf Islamunterricht"

Der Modellversuch an der Friedrich-Ebert-Schule ist beendet. Bei den muslimischen Kindern gebe es aber "einen großen Nachholbedarf", sagt Islamwissenschaftler Takim. "Die Schüler warten darauf, Islamunterricht zu bekommen".

Für Klaus Stukenborg ist es ganz einfach eine Frage der religiösen Gleichberechtigung. "Wenn katholische und evangelische Schüler Religionsunterricht bekommen, sollte es auch einen Islamunterricht geben", findet der Vorsitzende der Deutsch-Ausländischen Gemeinschaft Schwalbach (DAGS).

Einen Religionsunterricht für muslimische Kinder und Jugendliche fordern islamische Glaubensgemeinschaften schon lange. Der Hauptgrund dafür, dass er bisher nicht eingeführt wurde, liegt in den Anforderungen, die das Grundgesetz stellt, wenn es darum geht, eine Religion formal als Glaubensgemeinschaft anzuerkennen.

Zwar habe die Deutsche Islamkonferenz 2008 beschlossen, einen bekenntnisorientierten muslimischen Religionsunterricht einzuführen, wie der Islamwissenschaftler Abdullah Takim am Mittwoch bei einer Veranstaltung der DAGS betonte. Doch sei man bisher in Deutschland über Modellversuche nicht hinausgekommen. Daher gebe es bei muslimischen Kindern und Jugendlichen "einen großen Nachholbedarf". "Die Schüler warten darauf, Islamunterricht zu bekommen", so Takim. Die Koranschulen in den Moscheen könnten für einen solchen Unterricht kein Ersatz sein. Denn dort wird nur die Rezitation des Korans gelehrt - auf Arabisch, das die meisten türkischen Moslems nicht verstehen.

Religionsunterricht könne jungen Moslems helfen, ihren eigenen Glauben besser zu verstehen, und dadurch auch zu einer besseren Integration beitragen. Nur wer sich seiner Identität sicher sei, könne "als mündiger Bürger und stabile Persönlichkeit" in einer Gesellschaft leben, die das Andere als gleichwertig akzeptiert, betonte Abdullah Takim.

In Schwalbach gab es indes zumindest an der Friedrich-Ebert-Schule eine Lösung, die Moslems und Christen gleichermaßen einen Zugang zu ihrem Glauben schaffen sollte: Das Fach Religion wurde an der Integrierten Gesamtschule seit Jahren nicht nach Konfessionen getrennt unterrichtet, sondern gemeinsam für alle Schüler. Doch damit ist seit Sommer 2009 zunächst mal Schluss. "Wer konfessionsübergreifenden Unterricht erteilen will, muss bei den Kirchen einen Antrag stellen. Der ist für dieses Schuljahr nicht genehmigt worden", erklärt Vize-Schulleiter Manfred Müller. Daher wird jetzt wieder konventionell unterrichtet. "Eigentlich waren wir mit unserem Modell sehr zufrieden", sagt Müller. Die muslimischen Schüler haben dieses Angebot gern genutzt. Wie es mit dem Religionsunterricht an der Schule weitergehen solle, sei noch unklar. (jöh)

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