+
Für ihre Geschäftsidee hat Claudia Rougoor sich eine professionelle Drohne gekauft und den Flugschein gemacht.

Liederbach

Mit der Drohne alte Gebäude überprüfen

  • schließen

Bauingenieurin Claudia Rougoor gewinnt Erfinderinnenpreis der Karrieremesse "Women and Work".

Es war eine Entscheidung auf den letzten Drücker. Anfang September habe sie der Frankfurter Verein „Jumpp – Frauenbetriebe“ auf den Erfinderinnenpreis der Messe „Women and Work“ aufmerksam gemacht, sagt Claudia Rougoor. „Ich habe kurz überlegt und dann einen Tag vor Einsendeschluss eine knackige Bewerbung losgeschickt.“ Drei Wochen später stand fest: Die 47-Jährige hat den Preis in der Kategorie Geschäftsmodell und Organisation gewonnen. Ihre Idee, bei der Inspektion historischer Gebäude Drohnen einzusetzen, hatte die Jury überzeugt.

Selbstständig gemacht hat sich Claudia Rougoor erst vor ein paar Monaten. Davor war die alleinerziehende Mutter dreier Töchter zwei Jahrzehnte lang in einem international agierenden Technikkonzern beschäftigt, zuletzt als Finanzmanagerin. Im vergangenen Jahr wurde der Unternehmensstandort in der Rhein-Main-Region geschlossen, für Claudia Rougoor kam ein Umzug, auch der Kinder wegen, nicht in Betracht. „Ich musste mich neu orientieren, stand vor der Frage, ob ich mir wieder eine Festanstellung suche oder mich selbstständig mache“, sagt Claudia Rougoor. 

In den 1990er Jahren hatte sie an der Technischen Universität Braunschweig Bauingenieurwesen studiert, danach auch in den Niederlanden und England gearbeitet. Zu ihrer eigenen Überraschung stellte sie fest, dass die Branche auch heute noch männerdominiert ist und man Frauen weit weniger Karriereambitionen zutraut als männlichen Kollegen. „Am Ende war kein Angebot für eine Festanstellung dabei, das mich gereizt hätte“, sagt Claudia Rougoor. Nach reiflicher Überlegung entschied sie sich, es alleine zu versuchen. Sie ließ sich von der Offenbacher Gesellschaft KIZ Prowina beraten und von einem Experten coachen, ehe sie Anfang Juli ihr Unternehmen gründete. Ihre Töchter – 18, 16 und 14 Jahre alt – hätten sie darin bestärkt, sagt sie. „Sie stehen voll hinter mir.“ 

Claudia Rougoors Geschäftsidee: Mit Hilfe von Drohnen, die die Gebäude überfliegen und Bildmaterial anfertigen, will sie die Bausubstanz von Kirchen, Schlössern, Klöstern und anderen historischen Bauwerken in regelmäßigen Abständen überprüfen. Sanierungsarbeiten ließen sich so langfristig planen, aufwendige Inspektionen, bei denen Gerüste, Hubsteiger und Industriekletterer zum Einsatz kommen, vermeiden, sagt die Bauingenieurin. Um die passende Software zu entwickeln, arbeitet Claudia Rougoor mit IT-Experten zusammen. Langfristig will sie ein Netz von Copter-Piloten in ganz Deutschland aufbauen und Aufträge für Luftaufnahmen an sie vergeben. 

Ihr Arbeitszimmer hat die Unternehmensgründerin im eigenen Haus in Liederbach eingerichtet. Mit Landeskirchen, Bistümern, Stiftungen und privaten Besitzern historischer Gebäude sei sie zurzeit im Gespräch, erzählt sie. „Die Idee kommt gut an.“ Als Referenzprojekt verweist sie auf die evangelische Kirche in Liederbach, die sie in diesem Frühjahr mit einer Drohne überflogen und den Gebäudezustand dokumentiert hat. Claudia Rougoor hat sich dazu eigens eine professionelle Drohne, eine DJI Phantom 4 Pro, gekauft, Flugunterricht genommen und den Drohnenführerschein gemacht. „Ich möchte auf Augenhöhe mit potenziellen Partnern diskutieren, Qualitätsanforderungen richtig einschätzen und festlegen können“, sagt sie. Bis Ende 2019 will sie die Gewinnschwelle mit ihrem Unternehmen erreichen.

Noch heißt ihre Firma schlicht Rougoor Consulting, demnächst soll sie einen einprägsameren Namen bekommen. „Wir sind dazu mit der Agentur gerade in der Planungsphase“, sagt die preisgekrönte Erfinderin. Claudia Rougoors jüngste Tochter kann gut zeichnen. Der Vorentwurf für das Firmenlogo stammt von ihr. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare