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Religion sei ihre Unterstützung im Alltag, sagt Rosenstock.

Heidi Rosenstock.

Die Aufrührerin

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Heidi Rosenstock aus Schwalbach wird für ihren Einsatz für Frauenrechte in der Kirche mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Biologie und Religion schließen sich nicht aus“, sagt Heidi Rosenstock. Am Donnerstag, 1. März, wird die 79-jährige Biologin aus Schwalbach für ihr ehrenamtliches Engagement in der Kirche mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Angefangen hat Rosenstock in den 70er-Jahren als Mitglied des Kirchenvorstands ihrer evangelischen Gemeinde in Schwalbach: „Da waren meine vier Töchter aus dem Gröbsten raus.“ 18 Jahre lang setzte sich für Gemeindemitglieder ein, ließ sich zur Prädikantin ausbilden und hielt Gottesdienste. Auch in der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) war sie tätig, fünf Jahre lang sogar Mitglied in deren Leitung.

Dann ließ sie sich zur Gemeinde- und Organisationsberaterin ausbilden: „Die Ausbildung kostete 12000 D-Mark. Die Kirche finanzierte sie, weil ich ihnen meine ehrenamtliche Arbeit zusicherte.“ Rosenstock beriet 25 Jahre lang Gemeinden in ganz Deutschland. Sie bildete Pfarrer aus, leitete Predigtstudien, lehrte an der Universität in Marburg und arbeitete für den Kirchenfunk.

Rosenstock ging dabei mit offenen und kritischen Augen durch die Kirchenwelt. „Ich fand einiges, von dem ich dachte, da müsse man dran arbeiten.“

Besonders intensiv setzte sie sich für die theologische Emanzipation ein. Sie motivierte Frauen, sich in die Gemeindearbeit einzubringen und ihren Mund aufzumachen: „Wir Frauen haben vieles ertragen müssen. Doch wir haben für unsere Gleichberechtigung gekämpft.“ Rosenstock schrieb „gerechte“ Gottesdiensttexte, in denen Gott nicht nur männlich sondern auch weiblich ist. Es heiße darin nicht mehr etwa: „Vater unser im Himmel“ sondern: „Gott, für uns wie Vater und Mutter im Himmel“. In dieser Sprache, mit religiösen Frauengeschichten und Gebeten gespickt, veröffentlichte sie das Buch „Du Gott, Freundin der Menschen“. Überall lehrte Rosenstock von da an die feministische Theologie.

Durch ihr Selbstbewusstsein und ihren Blick von außen erreichte sie, abseits der Dienstwege, viele Veränderungen in der Kirche und hinterließ Spuren.

Mindestens genauso wie für ihr kirchliches Engagement hätte Heidi Rosenstock aber auch als Ehefrau, Mutter und Großmutter ein Bundesverdienstkreuz verdient.

Als sie in Frankfurt Biologie studierte, lernte sie ihren Mann, den Botaniker Günther Rosenstock, kennen. Für die Familie brach sie ihr Studium ab: „So konnte ich meinen Mann unterstützen, der habilitierte.“

Vier Töchter zog sie groß, jede arbeitet heute in einem akademischen Beruf. Elf Jahre pflegte Rosenstock ihre an Alzheimer erkrankte Mutter. Nebenbei kümmerte sie sich um Kinder, Ehemann und arbeitete für die Kirche.

Vor einiger Zeit erkrankte der Mann einer Tochter schwer. Die Familie zog zur Mutter. Sie kümmerte sich um Schwiegersohn und Enkel, die Tochter konnte weiter als Schulleiterin arbeiten.

Heute ist Heidi Rosenstock vor allem für Enkel Valentin (6) da. Auf dem Boden im Wohnzimmer steht seine Ritterburg. „Die haben wir zusammen aufgebaut“, sagt sie.

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