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Etwas Hollywood im Taunus

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Feuerwehr
Feuerwehr © Rolf Oeser

Bei einer Großübung in Bad Soden präsentiert die Freiwillige Feuerwehr ihre technischen Hilfsleistungen - und trifft auf ein interessiertes Publikum.

Von Verena Schüller

Um 15.23 Uhr fährt ein Einsatzwagen der Freiwilligen Feuerwehr Bad Soden auf das Gelände des städtischen Bauhofs in der Hunsrückstraße. Mit Blaulicht und Martinshorn. Ein Auto liegt auf der Seite, aus der Motorhaube qualmt es, der Fahrer ist eingeklemmt. Bei einem Unfall direkt daneben liegen zwei Radfahrer verletzt unter dem Wagen. Aber keine Sorge, es ist nur „Dörte“, eine Übungspuppe der Feuerwehr, der zahlreiche Rettungsversuche an ihrem ramponierten Zustand anzusehen sind. Um 15.46 Uhr ist die erste Puppe gerettet. An diesem Samstag präsentieren sich die Feuerwehren aus Bad Soden zum Abschluss der kreisweiten Reihe „Im Einsatz für alle“. Mehr als 120 Interessierte sind zum Bauhof gekommen, um sich die Rettungsübungen anzusehen. „Denn Feuer ist nur ein Drittel unserer Arbeit“, sagt Stadtbrandinspektor Hermann Zengeler, der die Veranstaltung moderiert. Eine der Hauptaufgaben seien die technischen Hilfeleistungen, wie die Einsätze bei Autounfällen. Was passiert, wenn jemand im Auto verunglückt und sich nicht selbst befreien kann? Wie soll sich der Verletzte verhalten? Um diese Fragen geht es. „Und da möchten wir mit einigen Ammenmärchen aufräumen“, sagt Zengeler. Dafür sind rund 40 der insgesamt 120 Feuerwehrmitglieder der Stadt am Samstag auf dem Bauhof beschäftigt. Mit schwerem Gerät schneiden sie das Dach des Unfallwagens ab, heben den anderen Wagen an, um „Dörte“ zu befreien, oder löschen ein brennendes Auto. Aufgeteilt haben sich die Kollegen aus Bad Soden, Altenhain und Neuenhain in Gruppen, um drei Szenarien nachzuspielen. „Natürlich machen wir das alles bewusst langsamer“, sagt Zengeler, als es in der Realität ablaufen würde. Besonders den kleinen Gästen erklärt er alle Abläufe ganz genau. Die dreijährige Lena aus Bad Soden ist begeistert. „Sie achtet auf jede Handbewegung der Feuerwehrleute“, erzählt ihr Vater, auf dessen Schultern sie thront, um alles im Blick zu haben. Auch Anne-Marie Fretter aus Neuenhain ist mit ihren Kindern Julius (7) und Marietta (4) gekommen. „Ich finde das sehr informativ. So etwas erlebt man ja sonst nicht“, sagt sie. Julius sei in der Schule bereits in der Feuerwehr AG und warte schon darauf, endlich der Jugendfeuerwehr beitreten zu dürfen. Einige der Kinder in der ersten Reihe hinter der Absperrung tragen bereits kleine Helme oder Feuerwehr-Jacken. Genau um die Jüngsten geht es an diesem Samstag. Die Reihe „Im Einsatz für alle“, die Michael Cyriax, CDU-Kreisbeigeordneter und Dezernent für Brandschutz und Rettungswesen, im August 2010 initiiert hat, soll das Ehrenamt stärken. Dafür stellten sich acht Organisationen des Hilfs- und Rettungsdienstes im Kreis vor. Cyriax möchte die Reihe gerne fortsetzen. Ihm geht es dabei vor allem um den Nachwuchs: „Ich hoffe, dass – so viele, wie heute hier sind – vielleicht einige der Jugendfeuerwehr beitreten.“ Auch Zengeler ist begeistert: „Wir freuen uns sehr, dass so viele Leute gekommen sind.“ Bei ihm steht die Aufklärung im Mittelpunkt – und ein Ammenmärchen liegt ihm besonders am Herzen: „Explodierende Autos fliegen nur in Hollywood drei Meter in die Höhe, um dann in tausend Stücke zu zerreißen, aber nicht im Taunus.“ Doch am Ende der einstündigen Veranstaltung gibt es einen lauten Knall, das dritte Auto explodiert, brennt und eine große Qualmwolke zieht über das Bauhof-Gelände, bis es die Neuenhainer Feuerwehrleute gelöscht haben. Zumindest ein bisschen Hollywood in Bad Soden am Taunus.

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